Als BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) den Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) überholte, war das mehr als ein knapper Wechsel an der Tabellenspitze. Der Moment zeigte, dass der US-Markt für Spot-Bitcoin-ETFs nicht mehr automatisch von Grayscales Vorsprung aus der Trust-Ära bestimmt wurde. Am 28. Mai 2024 hielt IBIT mehr als 20 Mrd. US-Dollar an Vermögen und 288.670 Bitcoin; GBTC kam auf 19,7 Mrd. US-Dollar und 287.450 Bitcoin [6].
Für Anlegerinnen und Anleger ist daran vor allem eines interessant: Der Markt belohnte sehr schnell ein klassisches ETF-Produkt eines großen Vermögensverwalters, nachdem US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 in den Handel gestartet waren [6][
12]. Es ging also nicht nur um Bitcoin selbst, sondern um die Frage, über welchen Finanzkanal Bitcoin-Exposure gekauft wird.
Das Wichtigste in Kürze
- IBITs Aufstieg war vor allem ein Vertriebs- und ETF-Sieg: Berichte sahen darin einen Wendepunkt beim Zugang zu Bitcoin über regulierte Fonds, während Analysten niedrige Gebühren, Liquidität und die Marke iShares als zentrale Vorteile nannten [
1][
11].
- GBTCs Startvorteil war groß, aber nicht dauerhaft: Grayscale soll die ETF-Umwandlung mit rund 620.000 BTC begonnen haben und sah danach anhaltende Abflüsse [
1].
- Der Flip ist ein starkes Signal für die Bedeutung institutioneller Vertriebskanäle. Er beweist aber nicht, dass jeder ETF-Dollar von Institutionen stammt oder dass der Bitcoin-Preis zwangsläufig nur in eine Richtung laufen muss [
5][
10].
Was genau passiert ist
Mit dem Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs entstand ein direkter Wettbewerb zwischen neuen Produkten großer Vermögensverwalter und Grayscales umgewandeltem Trust. IBIT und Fidelitys Bitcoin-ETF starteten im Januar 2024, während Grayscales GBTC in eine ETF-Struktur überführt wurde [8]. Nur wenige Monate später lag BlackRock vorn.
| Momentaufnahme | BlackRock IBIT | Grayscale GBTC | Warum das zählt |
|---|---|---|---|
| Vermögen am 28. Mai 2024 | mehr als 20 Mrd. US-Dollar [ | 19,7 Mrd. US-Dollar [ | IBIT wurde der größte Bitcoin-ETF nach Vermögen. |
| Gehaltene Bitcoin | 288.670 BTC [ | 287.450 BTC [ | IBIT lag auch bei den zugrunde liegenden Bitcoin-Beständen knapp vorn. |
| Fondsflüsse am Handelsschluss des 28. Mai | 102,5 Mio. US-Dollar Zufluss [ |
Gerade dieser Kontext macht den Wechsel so bemerkenswert. GBTC verlor die Führung nicht aus einer kleinen Ausgangsposition heraus. Grayscale brachte eine große bestehende Bitcoin-Basis in die neue ETF-Ära mit [1].
Was der Flip über institutionelle Bitcoin-Nachfrage sagt
Die nüchterne Lesart lautet: Bitcoin-Nachfrage ist stärker ETF-förmig geworden. Berichte zur Ablösung von GBTC durch IBIT beschrieben den Wechsel als mögliches Zeichen veränderter Präferenzen institutioneller Anleger; zugleich habe die Kaufaktivität bei IBIT zugenommen, während Bitcoin-ETFs im Kryptomarkt an Einfluss gewannen [5].
Spätere Berichte verstärkten dieses Bild. Unter Berufung auf Dune-Analytics-Daten wurde IBIT als dominierende Kraft im US-Spot-Bitcoin-ETF-Markt beschrieben: mit 56 Mrd. US-Dollar verwaltetem Vermögen und etwa der Hälfte des Marktes aus zwölf US-Spot-Bitcoin-ETF-Produkten [10].
Wichtig ist aber die Einschränkung: Ein ETF ist kein reines Institutionsvehikel. Solche Produkte können auch von Privatanlegern, Vermögensberatern, Hedgefonds oder größeren Allokatoren genutzt werden. Der Punkt ist daher nicht, dass jeder Zufluss institutionell war. Der Punkt ist, dass regulierte ETF-Hüllen, bekannte Fondsgesellschaften, Zugang über Broker und handelbare Liquidität für Bitcoin-Exposure deutlich wichtiger geworden sind [1][
11].
Warum Grayscales Vorsprung nicht gereicht hat
Grayscales Vorteil war zunächst Bestand und Bekanntheit. GBTC war lange eines der wichtigsten Produkte für Bitcoin-Exposure in Fondsform und soll die ETF-Umwandlung mit rund 620.000 BTC begonnen haben [1]. Doch sobald mehrere Spot-Bitcoin-ETFs nebeneinander handelbar waren, mussten Anleger nicht mehr beim Legacy-Produkt bleiben.
Die Daten von Ende Mai machten diese Verschiebung greifbar. Finbold berichtete unter Verweis auf Farside-Daten, dass IBIT bis Handelsschluss am 28. Mai 102,5 Mio. US-Dollar an Zuflüssen verbuchte, während GBTC Abflüsse von 105 Mio. US-Dollar sah [16]. Ein einzelner Handelstag erklärt nicht das ganze Rennen. Er passte aber zum Muster: neues Geld ging zu BlackRock, während Grayscale weiter mit Rückgaben zu kämpfen hatte.
Warum BlackRock zum neuen Schwerpunkt wurde
BlackRocks Vorteil bestand nicht darin, als einziger Bitcoin-Exposure anzubieten. Andere Emittenten waren ebenfalls im Markt. Fidelitys Bitcoin-Angebot wurde im selben Umfeld mit 11,1 Mrd. US-Dollar Vermögen als drittgrößtes Produkt hinter IBIT und GBTC eingeordnet [8].
Der Unterschied lag im ETF-Handwerk. DL News zitierte den Bloomberg-Intelligence-ETF-Analysten Eric Balchunas mit der Einschätzung, niedrige Gebühren, hohe Liquidität und der Markenname iShares seien für IBIT besonders starke Vorteile [11]. Blockworks berichtete bereits im April 2024, BlackRock ziehe weiter täglich Vermögen in seinen Bitcoin-ETF und IBIT sei seit dem Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs am 11. Januar ein herausragender Sammler von Zuflüssen [
12].
Damit begann der Spot-Bitcoin-ETF-Markt schnell wie der klassische ETF-Markt zu funktionieren: Größe, Handelstiefe, Gebührenwahrnehmung, Markenvertrauen und Vertrieb können sich gegenseitig verstärken. Ein früher Start hilft, reicht aber nicht, wenn Schwergewichte der traditionellen Finanzwelt mit starken Plattformen antreten.
Was Anleger daraus nicht ableiten sollten
Für die Institutionalisierung von Bitcoin war IBITs Sprung an die Spitze ein positives Signal. Er zeigte, dass Anleger bereit waren, Bitcoin-Exposure in regulierten Fondsstrukturen zu halten [1]. Gleichzeitig verschob sich die Erzählung: Statt vor allem über GBTC-Abflüsse zu sprechen, konnten Marktbeobachter zunehmend auf IBIT-Zuflüsse und das Wachstum der neuen ETF-Kategorie blicken [
11].
Das ist aber keine automatische Bitcoin-Kursprognose. ETF-Ranglisten sind Nachfrageindikatoren, keine Garantie für steigende Preise. Fondsflüsse können drehen, Gebührenmodelle können sich ändern, und Anlegerpräferenzen bleiben beweglich.
Unter dem Strich
Grayscale bewies, dass es eine große Nachfrage nach Bitcoin-Exposure über ein Fondsprodukt gab. BlackRock zeigte, dass in einem offenen Spot-ETF-Markt andere Kräfte dominieren können: Vertrieb, Marke, Liquidität, Kostenwahrnehmung und stetige Zuflüsse [1][
6][
11][
12].
Der IBIT-GBTC-Flip war deshalb weniger ein kurzfristiger Sieg eines Tickers über einen anderen. Er war ein Strukturbruch: Bitcoin ist im ETF-Zeitalter stärker in die Logik der traditionellen Kapitalmärkte gerückt.






