Gerade beim Kryotransfer — also beim Transfer eines zuvor eingefrorenen und wieder aufgetauten Embryos — kommt es nicht nur auf die gemessene Dicke an. Die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut und der genaue Transferzeitpunkt sollen zur Entwicklung des Embryos passen; insbesondere die Tage nach Beginn von Progesteron sind dabei ein wichtiger Faktor .
Eine zu dünne Gebärmutterschleimhaut kann problematisch sein. Studien und Übersichtsarbeiten beschreiben niedrigere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten bei sehr dünnem Endometrium . Das ist der Grund, warum Kinderwunschzentren die Schleimhaut vor einem Transfer so genau messen.
Aber: Ab einem ausreichend aufgebauten Bereich verliert die reine Millimeterzahl an Aussagekraft. In einer Studie zu einzelnen euploiden, also chromosomal unauffälligen, Embryotransfers im medikamentös vorbereiteten Kryozyklus wurden bei einer Schleimhautdicke von mindestens 8 mm keine klaren Ergebnisunterschiede über eine größere Bandbreite von Messwerten gefunden . Auch andere Arbeiten weisen darauf hin, dass die Dicke allein kein zuverlässiger Prädiktor für eine Lebendgeburt ist
.
Für die praktische Einordnung bedeutet das: 12,1 mm sieht etwas besser aus als 10,6 mm, aber der Unterschied ist wahrscheinlich nicht der entscheidende Punkt, wenn sonst alles passt.
Aus einzelnen Ultraschallbildern lässt sich nicht zuverlässig erkennen, ob zusätzliche Faktoren vorliegen, die für einen Embryotransfer wichtig wären, zum Beispiel:
Auch der Zykluszeitpunkt ist entscheidend. Eine Schleimhaut kann vor dem Eisprung anders aussehen als nach Progesteronbeginn. In der Literatur wird beschrieben, dass sich die Endometriumstruktur im Verlauf des Zyklus verändert; ein sogenanntes trilaminares, also dreischichtiges Muster, wird häufig mitbeurteilt . Ohne zu wissen, ob die Aufnahme vor oder nach Progesteronstart entstanden ist, lässt sich die „Form“ daher nur eingeschränkt bewerten.
Für eine erfolgreiche Einnistung spielen mehrere Ebenen zusammen:
Endometriumdicke
Sehr dünn ist ungünstiger; beide gezeigten Werte wirken aber nicht dünn .
Endometriummuster
Ein dreischichtiger, regelmäßiger Aufbau wird häufig als günstiges Zeichen gewertet. Dennoch kann das Muster allein nicht sicher vorhersagen, ob es zu einer Schwangerschaft oder Lebendgeburt kommt .
Synchronität zwischen Embryo und Schleimhaut
Beim Kryotransfer muss das Entwicklungsstadium des Embryos zum Hormonstatus der Schleimhaut passen. Besonders relevant ist, wie viele Tage Progesteron vor dem Transfer gegeben wurde .
Embryoqualität und Chromosomenstatus
Ein guter Schleimhautwert kann einen Embryo mit ungünstiger Entwicklung oder chromosomalen Auffälligkeiten nicht ausgleichen. Umgekehrt kann ein guter Embryo auch bei sehr guten Schleimhautwerten nicht garantiert einnisten .
Gebärmutterhöhle
Flüssigkeit, Polypen, Myome oder Verwachsungen können die Bewertung verändern. Das lässt sich aus den zwei Screenshots allein nicht sicher ausschließen.
Zweite Aufnahme: leicht günstiger
Die Schleimhaut misst etwa 12,1 mm und ist damit etwas dicker. Wenn der Zykluszeitpunkt stimmt, keine Flüssigkeit oder Auffälligkeiten in der Gebärmutterhöhle vorliegen und Progesteron korrekt getimt wurde, wirkt diese Aufnahme im direkten Vergleich etwas vorteilhafter .
Erste Aufnahme: ebenfalls kein schlechter Wert
Mit etwa 10,6 mm liegt auch diese Schleimhaut deutlich oberhalb eines sehr dünnen Bereichs. Nach den verfügbaren Daten ist nicht zu erwarten, dass allein der Unterschied zwischen 10,6 und 12,1 mm über Erfolg oder Misserfolg entscheidet .
Allein anhand der Messwerte wirkt die zweite Aufnahme mit etwa 12,1 mm etwas günstiger als die erste mit etwa 10,6 mm. Beide Werte sind jedoch grundsätzlich in einem Bereich, der nicht als dünn erscheint. Die Einnistung hängt nicht nur von der Millimeterzahl ab, sondern vor allem von Embryoqualität, Chromosomenstatus, Endometriummuster, Gebärmutterhöhle und dem richtigen Timing von Progesteron und Transfer .
Die sinnvollste nächste Frage an die behandelnde Praxis lautet daher nicht nur: „Wie dick ist die Schleimhaut?“, sondern: „Ist die Schleimhaut zum geplanten Embryo und zum Progesteron-Timing synchron vorbereitet?“