Bei Arm ist die zentrale Bewertungsfrage nicht, ob Wachstum vorhanden ist. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 zeigen steigende Erlöse und Gewinne. Schwieriger ist die zweite Hälfte der Gleichung: Wie viel davon wird zu freiem Cashflow, und reicht das, um sehr hohe Bewertungsmultiples zu tragen? Genau deshalb sind WACC- und Terminalwert-Annahmen im DCF-Modell besonders sensibel.[1][
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Erst die Zeitachse klären: FY2025 endet im März 2025
Arm berichtet hier nicht im Kalenderjahr 2025. Twelve Data weist als Ende des Geschäftsjahres den 31. März 2025 aus; auch das zuletzt gemeldete Quartal endet dort.[4] Die Arm-Investorenpräsentation verwendet die Bezeichnung Q4 FYE25 und nennt für dieses Quartal 1,241 Mrd. US-Dollar Umsatz, ein Plus von 34 % gegenüber dem Vorjahr.[
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Wenn in den Zahlen also Q4 FYE25 steht, geht es um das vierte Quartal des Geschäftsjahres bis zum 31. März 2025, nicht um das vierte Kalenderquartal 2025.
Die wichtigsten Kennzahlen für die Bewertung
| Kennzahl | Aktuell verfügbare Zahl | Einordnung für die Bewertung |
|---|---|---|
| Umsatz | TTM ca. 4,01 Mrd. US-Dollar; FY2025 4,007 Mrd. US-Dollar | Twelve Data nennt einen TTM-Umsatz von 4,01 Mrd. US-Dollar; USFINIQ nennt für FY2025 4,007 Mrd. US-Dollar.[ |
| Q4 FYE25-Umsatz | 1,241 Mrd. US-Dollar, +34 % gegenüber Vorjahr | Starkes kurzfristiges Momentum, aber kein automatischer Dauertrend für die nächsten Jahre.[ |
| FY2025-Umsatzwachstum | etwa 23,9 % bis 24,1 %, mit Quellenabweichung | USFINIQs 4,007 Mrd. US-Dollar nach 3,233 Mrd. US-Dollar entsprechen rund 23,9 % und werden dort textlich mit 24,1 % angegeben; Architecting IT nennt bei gleichem FY2025-Umsatz ein Plus von 20,6 %.[ |
| Nettogewinn | ca. 792 Mio. US-Dollar | Twelve Data nennt net income to common TTM von 792 Mio. US-Dollar; USFINIQ nennt für FY2025 ebenfalls 792 Mio. US-Dollar.[ |
| Freier Cashflow | ca. 178 Mio. US-Dollar | StockTitan nennt freien Cashflow von 178 Mio. US-Dollar, operativen Cashflow von 397 Mio. US-Dollar und Investitionsausgaben von 219 Mio. US-Dollar; Arm verweist zusätzlich auf die negative Wirkung einer Umkehr früherer Working-Capital-Vorteile auf den FYE25-TTM-FCF.[ |
| Liquidität / Nettoverschuldung | total cash MRQ 2,82 Mrd. US-Dollar; net debt -1,729 Mrd. US-Dollar | Das spricht für eine Nettocash-Lesart, ersetzt aber keine vollständige Aufstellung von Gesamtverbindlichkeiten oder Bruttoschulden.[ |
| Bewertungsmultiples | trailing KGV 192,96x; forward KGV 70,25x; KUV TTM 38,26x | Der Markt preist bereits hohe Erwartungen an Wachstum, Margen und Cashflow-Konversion ein.[ |
Wachstum: überzeugend, aber keine 5-Jahres-CAGR
Die belastbarste Wachstumsaussage aus den vorliegenden Daten ist die Ein-Jahres-Veränderung von FY2024 auf FY2025. USFINIQ nennt für FY2024 einen Umsatz von 3,233 Mrd. US-Dollar und für FY2025 4,007 Mrd. US-Dollar; das entspricht rechnerisch rund 23,9 %, während die Quelle textlich 24,1 % ausweist. Beim Nettogewinn nennt USFINIQ 306 Mio. US-Dollar für FY2024 und 792 Mio. US-Dollar für FY2025, also ein Plus von 159,8 %.[6]
Das stützt die These eines starken jüngeren Wachstums. Es ersetzt aber keine echte 5-Jahres-CAGR. Die bereitgestellten Quellen enthalten keine vollständige Fünfjahresreihe für Umsatz, EPS, Nettogewinn und freien Cashflow. Für ein sauberes Bewertungsmodell sollte deshalb nicht einfach die FY2025-Wachstumsrate in die Zukunft verlängert werden.
Auch beim Branchenvergleich ist Vorsicht angebracht. CSIMarket nennt für Arm im vierten Quartal 2025 ein Umsatzplus von 23,94 % und für die Halbleiterbranche 26,21 %; die Arm-Präsentation nennt für Q4 FYE25 dagegen 34 % Umsatzwachstum.[2][
5] Das deutet auf unterschiedliche Perioden, Datenbanklogiken oder Abgrenzungen hin. Für eine langfristige Peer-Analyse reicht diese Datenlage nicht aus.
Freier Cashflow: der Engpass im Bewertungsmodell
StockTitan beziffert Arms freien Cashflow auf 178 Mio. US-Dollar. Setzt man das grob ins Verhältnis zum FY2025-Umsatz von 4,007 Mrd. US-Dollar, ergibt sich eine FCF-Marge von etwa 4,4 %.[1][
6] StockTitan nennt außerdem operativen Cashflow von 397 Mio. US-Dollar, Investitionsausgaben von 219 Mio. US-Dollar und gestiegene Forderungen von 1,1 Mrd. US-Dollar.[
1]
Das muss nicht heißen, dass Arms langfristige Cash-Generierung strukturell schwach ist. Die Arm-Präsentation weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Working-Capital-Vorteil aus Q4 FYE24 im Zusammenhang mit nach dem IPO ausübbaren Vergütungsansprüchen im FYE25-TTM-FCF negativ zurücklief.[2]
Für die Bewertung bleibt der Punkt trotzdem entscheidend: Bei einem sehr hohen KGV genügt Umsatzwachstum allein nicht. Der Markt wird auch sehen wollen, dass Lizenz- und Royalty-Erlöse verlässlicher in operativen Cashflow und freien Cashflow übergehen.
Hohes KGV: klare Aussage ja, erfundene Peer-Durchschnitte nein
Twelve Data weist für Arm ein trailing KGV von 192,96x, ein forward KGV von 70,25x und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 38,26x aus.[4] CSIMarket beschreibt Arms aktuelles TTM-KGV ebenfalls als höher als den Durchschnitt der Halbleiterbranche, liefert im bereitgestellten Ausschnitt aber keinen konkreten Durchschnittswert.[
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Die saubere Formulierung lautet daher: Arm ist hoch bewertet und der Aktienkurs enthält hohe Erwartungen. Ohne vollständige Peer-Tabelle sollte man aber keine durchschnittlichen KGV-, PEG- oder Wachstumsmultiples für Wettbewerber erfinden. Gerade bei hoch bewerteten Wachstumsaktien führen Enttäuschungen bei Gewinn oder freiem Cashflow typischerweise zu überdurchschnittlich sensiblen Bewertungsreaktionen.
WACC im DCF: besser Szenarien als Scheingenauigkeit
Für eine exakte WACC-Herleitung bräuchte man unter anderem Beta, Eigenkapitalkosten, Fremdkapitalkosten, Steuersatz und eine vollständige Kapitalstruktur. Diese Inputs sind in den bereitgestellten Quellen nicht vollständig enthalten. Für ein DCF-Modell ist deshalb eine Sensitivitätsanalyse sinnvoller als ein einzelner scheinbar präziser Diskontsatz.
| Szenario | WACC-Annahme | Umsatz-CAGR Jahre 1 bis 5 | Ewige Wachstumsrate | Wann dieses Szenario passt |
|---|---|---|---|---|
| Defensiv | 11 %–12 % | 10 %–15 % | 2,5 %–3,0 % | Sinnvoll, wenn der niedrige freie Cashflow stärker gewichtet wird und Datenunsicherheit einen Risikoaufschlag rechtfertigt; StockTitan nennt FCF von 178 Mio. US-Dollar.[ |
| Basis | 10 %–11 % | 15 %–20 % | 3,0 %–3,5 % | Startet bei der starken FY2025-Dynamik, unterstellt aber eine Normalisierung des Wachstums nach dem Umsatzplus von rund 24 %.[ |
| Optimistisch | 9 %–10 % | 20 %–25 % | 3,5 %–4,0 % | Benötigt eine Fortsetzung des starken Q4-FYE25-Momentums und eine bessere Cash-Konversion; Q4 FYE25 wuchs um 34 % gegenüber Vorjahr.[ |
Diese Spannen sind Modellparameter, keine offizielle Arm-Prognose und kein Marktkonsens. Wenn der berechnete faire Wert fast nur vom Terminalwert abhängt, sollte zuerst geprüft werden, ob die ewige Wachstumsrate zu hoch oder die langfristige FCF-Marge zu optimistisch angesetzt wurde.
Eine ausgewogene Umsatzspur für ein Basismodell
Wer eine neutrale Umsatzprojektion bauen will, sollte die hohe FY2025- und Q4-Dynamik eher auslaufen lassen, statt sie dauerhaft fortzuschreiben. FY2025 lag der Umsatz bei 4,007 Mrd. US-Dollar; Q4 FYE25 brachte 1,241 Mrd. US-Dollar Umsatz und wuchs um 34 % gegenüber dem Vorjahr.[2][
6]
| Prognosejahr | Umsatzwachstum als Annahme | Bewertungslogik |
|---|---|---|
| Jahr 1 | 20 %–25 % | Nahe an der FY2025-Dynamik, aber bereits unter dem Q4-FYE25-Tempo.[ |
| Jahr 2 | 18 %–23 % | Unterstellt weiter starke Lizenz- und Royalty-Nachfrage, aber eine höhere Vergleichsbasis. |
| Jahr 3 | 15 %–20 % | Wachstum bleibt hoch, nähert sich aber einem nachhaltigeren Bereich. |
| Jahr 4 | 12 %–17 % | Bei einem forward KGV von 70,25x müsste sich neben dem Umsatz auch der Cashflow sichtbar verbessern.[ |
| Jahr 5 | 10 %–15 % | Größere Umsatzbasis, daher weitere Normalisierung der Wachstumsrate. |
| Dauerphase | 3 %–4 % | Nur als Sensitivitätsband sinnvoll; hohes Wachstumsniveau sollte nicht unbegrenzt fortgeschrieben werden. |
Was derzeit nicht sauber mit festen Werten gefüllt werden sollte
- Cash und kurzfristige Anlagen: Verlässlich belegt ist total cash MRQ von 2,82 Mrd. US-Dollar; eine Aufspaltung in kurzfristige Anlagen liegt in den bereitgestellten Daten nicht vor.[
4]
- Gesamtverschuldung oder Gesamtverbindlichkeiten: USFINIQ nennt net debt von -1,729 Mrd. US-Dollar, also Nettocash nach dieser Definition. Das ist aber nicht dasselbe wie Bruttoschulden oder Gesamtverbindlichkeiten.[
6]
- 5-Jahres-CAGR: Die nötige vollständige Fünfjahresreihe fehlt; eine einzelne FY2025-Wachstumsrate ist kein Ersatz.
- Peer-Durchschnitte: Die Quellen liefern nur begrenzte Branchen- und Bewertungsvergleiche, teils mit unterschiedlichen Periodenabgrenzungen.[
2][
5]
- Exakte FY2025-Umsatzwachstumsrate: Bei gleichem FY2025-Umsatz von 4,007 Mrd. US-Dollar nennen Quellen unterschiedliche Wachstumsangaben von 20,6 % beziehungsweise rund 24 %.[
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6]
Fazit
Arms FY2025-Zahlen tragen die Aussage eines starken operativen Wachstums: FY2025-Umsatz rund 4,007 Mrd. US-Dollar, Nettogewinn rund 792 Mio. US-Dollar, dazu Q4 FYE25-Umsatz von 1,241 Mrd. US-Dollar mit 34 % Wachstum gegenüber dem Vorjahr.[2][
6] Gleichzeitig ist die Aktie bereits sehr hoch bewertet: Twelve Data nennt ein trailing KGV von 192,96x, ein forward KGV von 70,25x und ein KUV von 38,26x; der freie Cashflow lag bei etwa 178 Mio. US-Dollar.[
1][
4]
Ein ausgewogener DCF-Startpunkt wäre daher ein Basisszenario mit WACC von 10 %–11 %, Umsatz-CAGR von 15 %–20 % für die nächsten fünf Jahre und einer ewigen Wachstumsrate von 3,0 %–3,5 %. Bleibt der freie Cashflow hinter Umsatz und Nettogewinn zurück, sollte das Modell mit höherem Diskontsatz oder niedrigerem Terminalwert arbeiten. Verbessert sich die Cash-Konversion sichtbar, kann ein optimistischeres Szenario geprüft werden.




