Viele asiatische Volkswirtschaften sind stark auf importiertes Öl und Gas angewiesen, besonders aus dem Nahen Osten. Der IWF warnt deshalb, dass Asien bei Lieferstörungen oder Preissprüngen stärker getroffen werden kann . Zugleich verweist der Fonds darauf, dass große asiatische Energieimporteure bereits höhere Treibstoff- und Inputkosten schultern müssen
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Für eine Fabrik ist ein Energiepreisschock selten nur eine Zahl auf dem Ölmarkt. Er kann sich über mehrere Positionen ausbreiten: Treibstoff, Strom, Transportzuschläge, Verpackung, Chemikalien, Metallverarbeitung oder die Angebote vorgelagerter Lieferanten. Kann ein Unternehmen diese Kosten nicht weitergeben, sinken zunächst die Margen. Kann es sie weitergeben, wandert der Druck durch die Lieferkette zu Großhandels- und Endpreisen.
Besonders empfindlich sind energieintensive Betriebe und Firmen mit langfristigen Festpreisverträgen. Wer seine Verkaufspreise nur langsam anpassen kann, aber kurzfristig teurere Vorleistungen einkauft, bekommt den Schock direkt in der Gewinnrechnung zu spüren.
Die Krise im Roten Meer ist der sichtbarste Kanal, über den der Nahostkonflikt die Industrie trifft. Der IWF hat darauf hingewiesen, dass der Krieg in Gaza, Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer und eine geringere Ölproduktion die Wirtschaft und den Handel im Nahen Osten belasten . Ein Weltbank-Bericht beschreibt zudem, dass die Krise im Roten Meer Handelsaktivitäten in Häfen entlang des Asien-Europa-Korridors verschoben und die globalen Versandkosten um 141 Prozent erhöht hat
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Die Zahlen verschiedener Institutionen lassen sich nicht einfach addieren, weil sie unterschiedliche Indizes, Zeitpunkte und Messmethoden verwenden. Die Richtung ist aber eindeutig: Störungen im Roten Meer machen den Handel zwischen Asien und Europa teurer, langsamer und schwerer planbar .
Für asiatische Exporteure zeigt sich der Druck typischerweise an drei Stellen. Erstens steigen kurzfristige Frachtofferten. Zweitens werden Fahrpläne und Liefertermine unsicherer. Drittens brauchen Unternehmen mehr Sicherheitsbestände, um Verzögerungen abzufedern. Geschäftsmodelle mit niedrigen Margen, knappem Lager und Just-in-time-Lieferung sind dafür besonders anfällig.
Die IWF-Spitze warnte, ein Krieg im Nahen Osten führe zu höherer Inflation und langsamerem globalem Wachstum . Der Übertragungsweg ist für Hersteller leicht nachvollziehbar: Teurere Energie und Vorprodukte erhöhen die Produktionskosten; teurere Seefracht erhöht die Einstandspreise; straffere Finanzierungsbedingungen verteuern Lagerhaltung, Umlaufkapital und Zwischenfinanzierung
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Das schlägt sich nicht zwingend sofort im Preisschild jedes Konsumguts nieder. Es verändert aber die Art, wie Unternehmen kalkulieren. Hersteller können die Gültigkeit von Angeboten verkürzen, Treibstoff- oder Frachtzuschläge einbauen, Mindestbestellmengen anheben oder bei Lieferzusagen vorsichtiger werden. Bleiben Energie- und Transportkosten länger erhöht, wird auch der Rückgang der Inflation schwieriger.
Der IWF weist darauf hin, dass Teile des Nahen Ostens, Afrikas, des Asien-Pazifik-Raums und Lateinamerikas zusätzlich unter höheren Lebensmittel- und Düngemittelpreisen sowie strafferen Finanzierungsbedingungen stehen . Das Weltwirtschaftsforum beschreibt die Straße von Hormus als globalen Engpass, dessen Störung nicht nur Öltransporte, sondern auch den Zugang zu Düngemitteln und Hightech-Lieferketten treffen könnte
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Für asiatische Hersteller heißt das: Das Risiko taucht nicht immer direkt auf der Energierechnung auf. Auch eine Fabrik, die selbst nicht besonders viel Energie verbraucht, kann den Druck über Rohstoffe, Chemikalien, Verpackung, Logistik, Lieferantenfinanzierung oder verschobene Kundenbestellungen spüren.
Gefährdet ist nicht automatisch ein einzelnes Land oder eine einzelne Branche. Hohe Verwundbarkeit entsteht vor allem, wenn mehrere Merkmale zusammenkommen:
Unternehmen sollten in dieser Lage nicht nur fragen, welcher Lieferant oder welche Route am billigsten ist. Wichtiger ist die Frage, wo die Lieferkette am empfindlichsten bricht. Vier Punkte gehören deshalb auf die Prüfliste: Wie stark hängen Marge und Cashflow von Energie- und Stromkosten ab? Welche Alternativen gibt es für wichtige Schifffahrtsrouten? Gibt es Zweitlieferanten für kritische Materialien? Und erlauben Verkaufsverträge, Treibstoff- und Frachtkosten fair weiterzugeben?
Praktisch heißt das: Rotes Meer, Straße von Hormus, Öl- und Gaspreise sowie große Frachtindizes sollten Teil von Stresstests werden. Bleibt der Schock auf die Schifffahrt im Roten Meer begrenzt, liegen die Hauptprobleme meist bei Frachtraten und Lieferzeiten. Greift er auf zentrale Öl- und Gasrouten über, droht ein breiterer Kosten-, Lager- und Inflationsschock für Asiens Industrie .
Der Nahostkrieg muss asiatische Lieferketten also nicht sofort zerreißen. Er kann sie aber teurer, langsamer und kapitalintensiver machen. Die nächste Wettbewerbsfrage lautet daher nicht nur, wer am günstigsten produziert, sondern wer trotz Energie- und Transportrisiken verlässlich liefern kann.