Ein Doppler-Befund der Uterusarterien vor IVF oder FET — also vor einem Frischtransfer oder Kryotransfer — wirkt auf den ersten Blick oft eindeutig: Da stehen PI, RI, vielleicht links und rechts getrennt, manchmal ein Mittelwert. Die wichtigste Einordnung lautet aber: Diese Zahlen sind Hinweise auf den Gefäßwiderstand, keine Ja-nein-Entscheidung über die Einnistung.
Der am häufigsten zitierte Orientierungswert kommt aus einer FET-Studie: ein mittlerer Uterusarterien-PI von 1,75. Doch genau diese Studie kommt zugleich zu dem Schluss, dass der PI am Tag der endometrialen Transformation kein guter alleiniger Vorhersagewert für den Schwangerschaftsausgang ist.[1]
Erst die Begriffe: PI und RI sind keine „Einnistungs-Scores“
PI steht für Pulsatilitätsindex, RI für Resistenzindex. Beide werden in der Doppler-Sonografie verwendet, um die Blutflusswellen und damit den Widerstand im Gefäßsystem zu beschreiben. In IVF-ET-Studien wurden zum Beispiel per transvaginalem Farbdoppler die Wellenformen beider Uterusarterien erfasst und daraus ein mittlerer PI berechnet.[3]
Praktisch heißt das: Ein niedrigerer PI oder RI spricht eher für einen geringeren Widerstand im Blutfluss. Das kann ein günstiger Hinweis sein. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Embryo sich einnistet — und ein höherer Wert bedeutet nicht automatisch, dass der Zyklus scheitert.[1][
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PI: 1,75 kann bei FET ein Orientierungswert sein — aber keine Bestehensgrenze
Eine FET-Studie aus dem Jahr 2024 bestimmte per ROC-Analyse einen optimalen Cut-off für den mittleren Uterusarterien-PI von 1,75. Die Patientinnen wurden anschließend in zwei Gruppen eingeteilt: mean PI > 1,75 und mean PI ≤ 1,75; nach Propensity-Score-Matching wurden 562 Patientinnen ausgewertet.[1]
Die sinnvollste Lesart ist deshalb: Ein mittlerer PI von ≤ 1,75 kann im FET-Kontext als Hinweis auf niedrigeren Gefäßwiderstand gelten. Er ist aber keine allgemeine Erfolgs- oder Misserfolgsgrenze. Die gleiche Studie stellt ausdrücklich fest, dass der Uterusarterien-PI am Tag der endometrialen Transformation bei FET kein guter einzelner Prädiktor für den Schwangerschaftsausgang ist.[1]
Wichtig ist auch der Kontext: Frische IVF-ET-Zyklen und FET-Zyklen unterscheiden sich im Ablauf und häufig auch im Messzeitpunkt. Ein Cut-off aus einer bestimmten FET-Untersuchung sollte daher nicht ungeprüft auf jeden IVF- oder FET-Zyklus übertragen werden.[1][
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RI: eher die Richtung beurteilen, nicht nach einem universellen Idealwert suchen
Beim RI ist die Lage ähnlich — nur ohne einen vergleichbar klaren, allgemein nutzbaren Cut-off. Eine Studie zum periimplantativen Blutfluss verglich die Werte vor dem Embryotransfer und fand: In der später schwangeren Gruppe waren die mittleren RI- und PI-Werte der Uterusarterien niedriger als in der nicht schwangeren Gruppe. Für den RI lag der p-Wert bei 0,04, für den PI bei 0,003.[2]
Das unterstützt die Grundrichtung „niedrigerer Widerstand ist eher günstig“. Daraus folgt aber nicht, dass es einen RI-Wert gibt, der für alle Patientinnen als Idealwert oder Ausschlussgrenze taugt.[2] Wenn im Befund nur ein RI steht, ist die vorsichtigere Interpretation: niedriger RI = günstiger Hinweis; höherer RI = Anlass zur Einordnung zusammen mit anderen Befunden, nicht alleinige Entscheidung über Transfer ja oder nein.[
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So lässt sich ein Doppler-Befund schneller einordnen
| Befund im Bericht | Sinnvolle Lesart | Vorsicht bei dieser Deutung |
|---|---|---|
| Mittlerer Uterusarterien-PI | Im FET-Kontext kann ein mean PI von etwa ≤ 1,75 als Hinweis auf niedrigeren Widerstand dienen.[ | 1,75 nicht als allgemeine Erfolgs- oder Misserfolgsgrenze für alle IVF-/FET-Zyklen verwenden.[ |
| Uterusarterien-RI | Vor dem Embryotransfer waren in einer Studie die mittleren RI-Werte in der später schwangeren Gruppe niedriger.[ | Nicht aus einem einzelnen RI-Wert ableiten, ob ein Transfer „sinnvoll“ oder „aussichtslos“ ist.[ |
| Linke/rechte Seite oder Mittelwert | IVF-ET-Forschung berechnete den mittleren PI aus den Doppler-Wellenformen beider Uterusarterien.[ | Einen Einzelwert von links oder rechts nicht direkt mit einem Mittelwert-Cut-off vergleichen, ohne die Berechnung zu prüfen.[ |
| Zeitpunkt der Messung | Die FET-Studie maß am Tag der endometrialen Transformation; andere Arbeiten betrachteten den Blutfluss vor dem Embryotransfer.[ | Werte aus unterschiedlichen Zyklustagen nicht so behandeln, als seien sie austauschbar.[ |
| Endometrium und subendometrialer Blutfluss | Diese Informationen ergänzen PI/RI, weil IVF-ET-Daten Unterschiede bei Schwangerschafts- und Implantationsraten zeigen.[ | Nicht nur auf die Uterusarterien-Zahlen starren, wenn Befunde zur Schleimhaut und zum lokalen Blutfluss vorliegen.[ |
Warum PI und RI allein zu kurz greifen
PI und RI beschreiben den Widerstand auf Ebene der Uterusarterien. Die Einnistung hängt aber auch vom Zustand des Endometriums, vom lokalen Blutfluss in der Schleimhautregion und vom genauen Messzeitpunkt ab.[1][
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In einer Studie zum periimplantativen Zeitraum unterschied sich die mittlere Endometriumdicke vor dem Embryotransfer nicht zwischen schwangerer und nicht schwangerer Gruppe. Fünf bis sechs Tage nach dem Transfer war das Endometrium in der später schwangeren Gruppe jedoch signifikant dicker, mit p = 0,02.[2] Das zeigt: Auch die Schleimhautdicke sollte nicht losgelöst vom Zeitpunkt der Untersuchung interpretiert werden.[
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Eine weitere IVF-ET-Studie betrachtete den endometrialen und subendometrialen Blutfluss. Wenn sowohl endometrialer als auch subendometrialer Blutfluss sichtbar war, lag die Schwangerschaftsrate bei 47,8 % und die Implantationsrate bei 24,2 %. Wenn nur subendometrialer Blutfluss sichtbar war, lagen die Werte bei 29,7 % beziehungsweise 15,8 %.[7]
Solche Ergebnisse bedeuten nicht, dass ein einzelner Doppler-Wert über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Sie sprechen eher dafür, die Befunde als Gesamtbild zu lesen: Uterusarterien-PI, RI, Endometriumdicke, endometrialer und subendometrialer Blutfluss sowie der Zyklustag gehören zusammen.[1][
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Fünf Fragen, die Sie mit Ihrem Befund klären sollten
- Ist der Wert links, rechts oder als Mittelwert angegeben? Studien zum mean PI berechneten den Mittelwert aus beiden Uterusarterien.[
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- Liegt der mittlere PI ungefähr bei oder unter 1,75? Das kann bei FET ein Hinweis auf niedrigeren Widerstand sein, ist aber keine universelle Erfolgsgrenze.[
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- Wirkt der RI eher niedrig oder hoch? Niedrigere RI-Werte waren in einer Studie mit der später schwangeren Gruppe verbunden; ein allgemeiner RI-Cut-off wurde daraus aber nicht abgeleitet.[
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- An welchem Tag wurde gemessen? Tag der endometrialen Transformation, unmittelbar vor Transfer und Tage nach Transfer sind nicht dasselbe.[
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- Gibt es Angaben zu Endometriumdicke und endometrialem/subendometrialem Blutfluss? Diese Informationen können die Aussagekraft eines reinen PI-/RI-Blicks verbessern.[
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Die Kurzfassung für den Termin in der Kinderwunschpraxis
Wenn Sie sich nur einen Satz merken: Vor FET kann ein mittlerer Uterusarterien-PI von etwa ≤ 1,75 als Hinweis auf niedrigeren Gefäßwiderstand dienen; für den RI gibt es keinen ebenso klaren, allgemein gültigen Idealwert.[1][
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Ein erhöhter PI oder RI bedeutet nicht automatisch, dass der Transfer scheitert. Ein „schöner“ PI oder RI garantiert umgekehrt keine Einnistung. Am sinnvollsten ist es, den vollständigen Doppler-Befund — Seitenwerte, Mittelwert, RI, Messdatum, Endometriumdicke und Schleimhautdurchblutung — gemeinsam mit der behandelnden Reproduktionsmedizinerin oder dem behandelnden Reproduktionsmediziner im Kontext Ihres konkreten Zyklus zu besprechen.[1][
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