Diese Formulierung ist wichtig. Sie verortet den Begriff in einer bestimmten Region des Unterkiefers. Sie sagt aber noch nicht automatisch, wie genau der Schnitt verläuft, in welche Richtung ein Knochenanteil bewegt wird, wie groß die Bewegung ist oder ob zusätzlich weitere Eingriffe am Ober- oder Unterkiefer geplant sind.
Der anatomische Schlüsselbegriff ist Alveolarfortsatz. Gemeint ist der zahntragende Anteil des Kiefers. Die Hofer-bezogenen Quellen stellen den Eingriff ausdrücklich in den Zusammenhang des Alveolarfortsatzes der Mandibula, also des Unterkiefers .
Das ist enger gefasst als der allgemeine Begriff „mandibuläre Osteotomie“. Eine breitere Übersicht zur orthognathen Unterkieferchirurgie weist darauf hin, dass Osteotomien am Unterkiefer in verschiedenen Regionen erfolgen können, etwa am Ramus, am Korpus, am Kinn, in der dento-alveolären Region oder am unteren Rand . Wenn in einem Befund also der Name Hofer auftaucht, spricht das eher für einen spezifischen alveolären oder dento-alveolären Unterkieferbezug als für „irgendeine“ Unterkieferosteotomie.
Orthognathe Chirurgie — im deutschsprachigen Alltag häufig auch als Dysgnathiechirurgie bezeichnet — ist der Oberbegriff für operative Korrekturen von Kieferfehlstellungen. Boston Children’s Hospital nennt als mögliche Gründe für Kieferoperationen unter anderem Bissprobleme wie Unterbiss, ausgeprägten Überbiss, Kreuzbiss oder offenen Biss, Gesichtsasymmetrien, Probleme beim Lippenschluss, Stabilität der Kiefergelenke, wachstumsbedingte Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Spaltbildungen sowie obstruktive Schlafapnoe .
Eine Hofer-Osteotomie ist im Vergleich dazu kein Sammelbegriff für all diese Situationen. Sie sollte eher als Operations- oder Anatomiebegriff verstanden werden — nicht als Diagnose, nicht als alleinige Begründung für eine Operation und nicht als vollständiger Behandlungsplan .
Auch wenn „Hofer-Osteotomie“ in einer Überweisung, einem Arztbrief oder einem OP-Plan steht, bleiben entscheidende Punkte offen. Der Begriff allein sagt nicht sicher:
Diese Details müssen aus dem individuellen Behandlungsplan und aus dem Aufklärungsgespräch mit der Operateurin oder dem Operateur hervorgehen.
Wenn Sie den Begriff „Hofer-Osteotomie“ in Ihren Unterlagen sehen, lohnt sich eine gezielte Nachfrage. Hilfreich sind zum Beispiel:
„Hofer-Osteotomie“ sollte präzise, aber vorsichtig gelesen werden. Die klarste dokumentierte Bedeutung ist Hofers Osteotomie des Alveolarfortsatzes des Unterkiefers aus dem Jahr 1942; spätere Literatur beschreibt eine sagittal gleitende Modifikation dieses Verfahrens . Der Begriff ist kein Oberbegriff für alle Unterkieferosteotomien und auch nicht gleichbedeutend mit orthognather Chirurgie insgesamt. Was er in Ihrem konkreten Fall bedeutet, hängt vom genauen OP-Plan und von der Erklärung ab, welches Kiefersegment tatsächlich bewegt werden soll.