Das ist der entscheidende Punkt: Es handelt sich nicht um einen vollständigen Vierer-Vergleich unter identischen Bedingungen, durchgeführt von derselben unabhängigen Stelle.
In diesem Artikel meint DeepSeek V4 konkret DS-V4-Pro Max aus der DeepSeek-Modellkarte. Kimi K2.6 meint hier K2.6 Thinking. Diese beiden Namen sind die direkt zitierbaren Spalten in DeepSeeks Tabelle.
Das klingt nach Detailarbeit, ist aber wichtig. In der DeepSeek-Modellkarte stehen bei GPT und Claude nämlich GPT-5.4 xHigh und Opus-4.6 Max — nicht GPT-5.5 und nicht Claude Opus 4.7. Deshalb lässt sich aus dieser DeepSeek-Tabelle kein vollständiges Urteil darüber ableiten, ob DS-V4-Pro Max gegenüber GPT-5.5 oder Claude Opus 4.7 insgesamt besser oder schlechter abschneidet.
Auch Anthropics öffentliche API-Dokumentation zu Claude Opus 4.7 ist für diesen Zweck nur begrenzt geeignet: Sie beschreibt vor allem Funktionen und Aufrufdetails, etwa die Beta-Funktion task budgets, liefert aber keine Benchmark-Gesamttabelle, die man direkt mit OpenAI-, DeepSeek- und Kimi-Werten zusammenführen könnte.
Der wichtigste gemeinsame öffentliche Bezugspunkt in den vorliegenden Quellen ist Terminal-Bench 2.0. Für alle vier hier betrachteten Modelle finden sich dazu Werte. Daraus ergibt sich folgende Reihenfolge:
| Modell | Terminal-Bench 2.0 | Quelle |
|---|---|---|
| GPT-5.5 | 82,7 % | OpenAI-Veröffentlichung und MLQ.ai-Zusammenfassung |
| Claude Opus 4.7 | 69,4 % | OpenAI-Veröffentlichung |
| DeepSeek V4-Pro Max | 67,9 % | DeepSeek V4-Pro-Modellkarte |
| Kimi K2.6 Thinking | 66,7 % | DeepSeek V4-Pro-Modellkarte |
Diese Tabelle trägt eine enge, aber brauchbare Aussage: In Terminal-Bench 2.0 liegt GPT-5.5 klar vorn; Claude Opus 4.7 folgt auf Platz zwei; DeepSeek V4-Pro Max und Kimi K2.6 Thinking liegen nahe beieinander.
Mehr sollte man daraus nicht machen. Der Wert beweist nicht automatisch, dass GPT-5.5 in jedem Unternehmens-Workflow, jeder Coding-Aufgabe oder jedem Agenten-Setup überlegen ist. Dafür bräuchte man Tests mit gleichem Harness, gleichen Tool-Rechten, gleicher Kontextlänge und vergleichbarem Reasoning- beziehungsweise Token-Budget.
OpenAIs Veröffentlichungsseite nennt mehrere Benchmarks, in denen GPT-5.5 und Claude Opus 4.7 direkt nebeneinander stehen. In allen dort aufgeführten Punkten liegt GPT-5.5 über Claude Opus 4.7.
| Benchmark in OpenAIs Tabelle | GPT-5.5 | Claude Opus 4.7 |
|---|---|---|
| Terminal-Bench 2.0 | 82,7 % | 69,4 % |
| GDPval wins or ties | 84,9 % | 80,3 % |
| BrowseComp | 84,4 % | 79,3 % |
| FrontierMath Tier 1–3 | 51,7 % | 43,8 % |
| FrontierMath Tier 4 | 35,4 % | 22,9 % |
| CyberGym | 81,8 % | 73,1 % |
Die faire Lesart lautet: Innerhalb der von OpenAI veröffentlichten Vergleichstabelle schneidet GPT-5.5 in den genannten Benchmarks besser ab als Claude Opus 4.7.
OpenAIs System Card positioniert GPT-5.5 außerdem als Modell für komplexe reale Arbeit — darunter Programmieren, Online-Recherche, Informationsanalyse, Dokument- und Tabellenerstellung sowie Aufgaben, die mehrere Tools einbeziehen.
Trotzdem bleibt es eine Tabelle aus einer Herstellerveröffentlichung. Sie ersetzt keinen unabhängigen Vierer-Test unter identischen Bedingungen.
DeepSeeks V4-Pro-Modellkarte enthält mehrere Vergleichswerte für DS-V4-Pro Max und K2.6 Thinking. In dieser Tabelle liegt DeepSeek V4-Pro Max in den meisten gelisteten Punkten vorn, Kimi K2.6 Thinking hat aber eigene klare Spitzenwerte.
| Benchmark in der DeepSeek-Modellkarte | DeepSeek V4-Pro Max | Kimi K2.6 Thinking | Tabellenführer |
|---|---|---|---|
| MMLU-Pro | 87,5 | 87,1 | DeepSeek |
| SimpleQA-Verified | 57,9 | 36,9 | DeepSeek |
| Chinese-SimpleQA | 84,4 | 75,9 | DeepSeek |
| GPQA Diamond | 90,1 | 90,5 | Kimi |
| HLE | 37,7 | 36,4 | DeepSeek |
| LiveCodeBench | 93,5 | 89,6 | DeepSeek |
| HMMT 2026 Feb | 95,2 | 92,7 | DeepSeek |
| IMOAnswerBench | 89,8 | 86,0 | DeepSeek |
| Apex Shortlist | 90,2 | 75,5 | DeepSeek |
| SWE Pro | 55,4 | 58,6 | Kimi |
| Terminal-Bench 2.0 | 67,9 | 66,7 | DeepSeek |
Die belastbare Schlussfolgerung ist entsprechend differenziert: DS-V4-Pro Max liegt in DeepSeeks Tabelle in den meisten aufgeführten Benchmarks vor K2.6 Thinking; Kimi K2.6 Thinking führt jedoch bei GPQA Diamond und SWE Pro.
Gerade bei knappen Abständen, etwa MMLU-Pro oder Terminal-Bench 2.0, sollte man nicht nur auf die Richtung des Vorsprungs schauen. Für eine Produktentscheidung zählen Aufgabenart, Varianz, Fehlertypen und die Frage, ob die Benchmark-Aufgabe dem eigenen Einsatz überhaupt ähnelt.
Der häufigste Fehler wäre, die OpenAI-Tabelle, die DeepSeek-Tabelle und Anthropics Funktionsdokumentation zusammenzuwerfen und daraus eine Art Gesamtmeisterschaft zu berechnen. Dafür reicht die öffentliche Evidenz derzeit nicht aus.
Kurz gesagt: Öffentliche Benchmarks sind ein guter Startpunkt für die Vorauswahl. Sie sind aber kein Ersatz für eine eigene Evaluation im konkreten Einsatzkontext.
Für Teams, die ein Modell für ein Produkt, ein internes Tool oder einen Agenten-Workflow auswählen, ist eine dreistufige Lesart sinnvoll:
Wenn ein Produkt stark auf lange Agenten-Schleifen setzt, ist Claude Opus 4.7s task budgets-Funktion einen eigenen Test wert. Anthropic beschreibt sie als grobes Token-Ziel für eine vollständige agentische Schleife, einschließlich Thinking, Tool Calls, Tool Results und finaler Ausgabe; das Modell sieht dabei einen laufenden Countdown und kann seine Arbeit entsprechend priorisieren.
Wenn der Schwerpunkt eher auf komplexem Coding, Online-Recherche, Dokumenten, Tabellen oder toolübergreifender Arbeit liegt, passt OpenAIs Beschreibung von GPT-5.5 in der System Card besonders direkt zu diesen Szenarien. Aber auch hier gilt: Ein guter öffentlicher Benchmark-Wert ersetzt keinen Test im eigenen Codebestand, mit der eigenen Toolchain, den eigenen Zugriffsrechten und den eigenen Regeln für Fehlerbehandlung.