Am 3. Juni 2026 folgte der nächste Paukenschlag: Lightmatter, ein führender Spezialist für photonisches Supercomputing, trat offiziell dem NVLink-Fusion-Ökosystem von Nvidia bei. Konkret bedeutet dies die Integration von Lightmatters Passage-Photonikverbindungen und Guide-Lasern direkt in die Nvidia-Plattform .
Das Ziel dieser Partnerschaft sind sogenannte Co-Packaged Optics (CPO) und Near-Packaged Optics (NPO). Bei diesen hochintegrierten Lösungen werden optische Komponenten direkt mit dem Chip oder in unmittelbarer Nähe zu ihm verpackt, was eine drastisch höhere Effizienz ermöglicht. Ein entscheidender Aspekt: Die Technologie erlaubt es auch maßgeschneiderten Fremdprozessoren (Custom XPUs) von Drittanbietern, sich direkt mit den Switch-Chips von Nvidia zu verbinden .
Lightmatter selbst gibt an, dass seine bidirektionale Architektur die Anzahl der benötigten Glasfasern und Stecker im Vergleich zu herkömmlichen Ansätzen um bis zu 50 % reduzieren kann . Der eigene Blog des Unternehmens kommentierte diesen Schritt unmissverständlich: „Die Bandbreite wird zum ersten Mal von den physischen Chipgrenzen entkoppelt. Die Reichweite erstreckt sich von einem Meter bis zu einem Kilometer, ohne dass eine architektonische Änderung am Host-XPU erforderlich ist“
.
Neben den strategischen Partnerschaften und Zukunftsinvestitionen meldete Nvidia auch handfeste Produktionserfolge. Die neuen Spectrum-X Ethernet Photonics Switches, die vollständig auf der CPO-Technologie basieren, gehen in die Serienproduktion. Sie sind für die nächste Rechenzentrumsgeneration um die Vera-Rubin-Plattform (Anm.d.Red.: Nvidias nächste große GPU-Architektur) konzipiert und sollen die KI-Fabriken der Zukunft vernetzen .
Die treibende Kraft hinter dieser Milliardenoffensive ist das, was Matt Murphy, CEO von Marvell Technology, auf der Computex-Keynote die „Kupferwand“ (Copper Wall) nannte. Für KI-Workloads mit Billionen von Parametern – den Modellen der übernächsten Generation – sei nicht die reine Rechendichte der limitierende Faktor, sondern die Konnektivität. Die elektrischen Leiterbahnen in Kupfer stoßen schlicht an ihre physikalischen Grenzen, was Latenz, Hitzeentwicklung und Datendurchsatz betrifft .
Die Strategie ist daher umfassend und betrifft die gesamte Infrastruktur: CPO auf der Switch-Ebene, Silizium-Photonik für die Chip-zu-Chip-Kommunikation und rein optische Glasfaserverkabelung im gesamten Rechenzentrum . Nvidia selbst betont, dass es nicht um eine sofortige, radikale Abschaffung von Kupfer geht. Für kurze Distanzen innerhalb eines Racks wird es wohl bis mindestens 2028 die dominierende Technologie bleiben
. Es geht vielmehr darum, jetzt die optischen Kapazitäten aufzubauen, um die Grenzen zu sprengen, die der Strom der nächsten KI-Ära setzt
.
Die Marktforscher von TrendForce gehen in ihrer Prognose von einer rasanten Entwicklung aus. Der Anteil von Co-Packaged Optics an optischen Modulen in KI-Rechenzentren könnte bis 2030 auf 35 % steigen und letztlich Kupfer für alle Verbindungen auf Rack-Ebene verdrängen .
Das Signal der Computex 2026 ist unübersehbar: Die Zukunft der KI-Infrastruktur wird nicht mehr aus Kupfer und Strom gebaut – sie läuft auf Licht.
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