Für Reisende ist deshalb weniger die Frage „Gibt es Gesichtserkennung?“ entscheidend, sondern: Welche Seite des Grenzübergangs nutze ich? Festlandchina, Hongkong und Macau/Zhuhai betreiben nicht einfach ein gemeinsames System mit identischen Regeln.
| Kontrollbereich | Stand | Worauf Reisende achten sollten |
|---|---|---|
| Festland-/Zhuhai-Grenzkontrolle | Seit dem 5. November 2025 gehört die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke zu den Orten, an denen die chinesische Einwanderungsverwaltung die Abfertigung per Gesichtserkennung ausweitet. | Berechtigte Personen können intelligente Schnellspuren wählen, müssen aber der Erhebung und Prüfung von Gesichts- und Fingerabdruckdaten zustimmen. |
| Hongkonger Brücken-Port | Das Hongkonger Immigration Department plant für das zweite Quartal 2026 ein Pilotprojekt für „nahtlose“ Abfertigung; erster Testort ist der Hongkonger Port der Brücke. | Registrierte Berechtigte sollen per Gesichtserkennung identifiziert werden; laut Bericht wird eine Abfertigung in etwa 5 Sekunden erwartet. |
| Zhuhai-/Macau-Kooperationskontrollen | 20 kooperative Selbstbedienungsspuren am Zhuhai-Macau-Port der Brücke werden modernisiert; im April 2026 gab es spezielle Tests zur Gesichtserkennung. | Ob und für wen die Spuren regulär öffnen, sollte jeweils anhand offizieller Hinweise vor Ort oder neuer Bekanntmachungen geprüft werden. |
Die Nationale Einwanderungsverwaltung Chinas teilte mit, dass die intelligente Abfertigung per Gesichtserkennung auf Grundlage früherer Anwendungen in Shenzhen Bay und Gongbei auf weitere Orte ausgeweitet wird – darunter Hengqin und die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke.
Nach der Bekanntmachung können berechtigte Personen die intelligenten Schnellspuren an den Grenzkontrollen nutzen, wenn sie der Erhebung und Prüfung von Gesichts- und Fingerabdruckdaten für die Ein- und Ausreisekontrolle zustimmen. Genannt werden vor allem diese Gruppen:
Wichtig: Gesichtserkennung bedeutet nicht, dass man ohne Dokument reisen sollte. Behördliche Hinweise zu den neuen Gesichtserkennungs-Spuren betonen, dass Reisende trotz „Face Scan“ weiterhin ihr gültiges Ein- und Ausreisedokument mitführen müssen. Wer zwar grundsätzlich berechtigt ist, aber noch keine entsprechende Autorisierung hat, kann an dafür eingerichteten Erfassungspunkten am Grenzübergang nach den Regeln die Registrierung beantragen und Gesichts- sowie Fingerabdruckdaten erfassen lassen.
Auf der Festlandseite ist der Fingerabdruck ausdrücklich Teil der Datengrundlage: Die offizielle Bekanntmachung nennt die Zustimmung zur Erhebung und Prüfung von Gesichts- und Fingerabdruckinformationen als Voraussetzung für die Nutzung der intelligenten Schnellspuren.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede einzelne Passage an jedem Brücken-Kontrollpunkt immer gleich abläuft. Ein Vor-Ort-Bericht aus Hengqin beschrieb etwa, dass eine Reisende bei der Nutzung einer kooperativen intelligenten Schnellspur ihr Fingerabdruckfeld berührte und der Vorgang in gut zehn Sekunden erledigt war. Das zeigt: Der Fingerabdruck kann in bestimmten Spuren oder Situationen weiterhin ein Prüfschritt sein. Es beweist aber nicht, dass alle Fahrtrichtungen und alle Spuren der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke identisch funktionieren.
Hongkong verfolgt wiederum ein anderes Pilotmodell: Ein Bericht über das dort geplante Projekt beschreibt die „nahtlose“ Abfertigung am Hongkonger Brücken-Port als Verfahren per Gesichtserkennung, das zunächst berechtigten Hongkonger Einwohnerinnen und Einwohnern offenstehen soll; der Bericht nennt ausdrücklich, dass dabei kein Fingerabdruck-Scan erforderlich sei.
Der Hongkonger Brücken-Port ist für Reisende besonders leicht mit der Festlandseite zu verwechseln. Tatsächlich geht es dort um ein separates Projekt des Hongkonger Immigration Department.
Nach einem Bericht der Hong Kong China News Agency plant die Behörde im zweiten Quartal 2026 ein Pilotprogramm für „nahtlose“ Abfertigung; der Hongkonger Port der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke soll der erste Testort sein. Berechtigte Bürgerinnen und Bürger sollen sich registrieren und anschließend ihre Identität per Gesichtserkennung bestätigen lassen können; die Abfertigung soll dem Bericht zufolge rund 5 Sekunden dauern.
Für den Test sollen in der Abflughalle des Hongkonger Brücken-Ports zwei „nahtlose e-Spuren“ eingerichtet werden. Sie sind laut Bericht etwa 5 Meter lang und arbeiten mit einem „Türen-offen“-Design; fünf Kameras in verschiedenen Höhen und Winkeln erfassen das Gesicht und gleichen es in Echtzeit mit der Datenbank der Einwanderungsbehörde ab. Erkennt das System eine Auffälligkeit, schließt sich die Sperre automatisch und Mitarbeitende der Einwanderungsbehörde greifen ein.
Auf der Macau-/Zhuhai-Seite laufen weitere, eigene Modernisierungen. Die Macau-Behörde für Sicherheitskräfte teilte mit, dass am Zhuhai-Macau-Port der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke 20 kooperative Selbstbedienungsspuren modernisiert werden; zusätzlich werden 50 solche Spuren am Qingmao-Port aufgerüstet. Nach dem Stand vom Februar 2026 war die Hardware installiert, anschließend sollten Systemtests und gemeinsame Abstimmungen folgen; Ziel war, im zweiten Quartal 2026 die Voraussetzungen für den Einsatz zu schaffen.
Im April 2026 meldete die Behörde außerdem, dass vom 22. bis 24. April an Qingmao und am Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücken-Port spezielle Tests zur intelligenten Abfertigung per Gesichtserkennung durchgeführt wurden. Die Tests sollten prüfen, ob Abläufe und Systemlast zusammenpassen; die Ergebnisse wurden als stabil beschrieben.
Auch bei Fahrspuren lohnt genaue Unterscheidung. Macau verweist beim Hengqin-Port auf ein „gemeinsames One-Stop“-Fahrspurmodell, bei dem Fahrerinnen und Fahrer über Fingerabdruck und Gesicht als doppelte biometrische Merkmale identifiziert werden können, ohne ein physisches Dokument vorzeigen zu müssen. Diese Beschreibung bezieht sich jedoch auf das Hengqin-/Macau-Szenario und bedeutet nicht, dass alle Fahrspuren der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke bereits vollständig nach demselben Muster funktionieren.
Kann man an der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke jetzt überall ohne Dokument durchgehen?
Nein. Auf der Festlandseite können Berechtigte zwar intelligente Spuren per Gesichtserkennung nutzen, behördliche Hinweise verlangen aber weiterhin, dass gültige Ein- und Ausreisedokumente mitgeführt werden. Hongkongs System ist zudem als Pilotprojekt vorgesehen und nicht als allgemeine Regel für alle Reisenden beschrieben.
Heißt Gesichtserkennung automatisch: kein Fingerabdruck mehr?
Nein. Auf der Festlandseite ist die Zustimmung zur Erhebung und Prüfung von Gesichts- und Fingerabdruckdaten ausdrücklich Teil der Voraussetzung. Einzelne Berichte aus Hengqin zeigen, dass ein Fingerabdruckschritt in bestimmten Abläufen vorkommen kann. Hongkongs geplantes Pilotmodell wird dagegen als Verfahren ohne Fingerabdruck-Scan beschrieben.
Was ist die wichtigste Schlussfolgerung?
Die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke wird biometrischer, aber stufenweise und je nach Zuständigkeit unterschiedlich. „Festlandseite mit Gesichtserkennung“, „Hongkonger Pilotprojekt“ und „Zhuhai-/Macau-Modernisierung“ sind drei verschiedene Entwicklungen. Wer reisen will, sollte deshalb nach Kontrollseite, Status der Einführung und eigener Berechtigung entscheiden.