Nach Angaben des WEF gehören Big-Data-Spezialistinnen und -Spezialisten, Fintech-Ingenieurinnen und -Ingenieure sowie Fachleute für KI und maschinelles Lernen zu den drei am schnellsten wachsenden Berufen, gemessen am prozentualen Wachstum.
Auch die Einordnung von ARISA zum WEF-Bericht nennt Big Data, Fintech, KI und maschinelles Lernen sowie Software- und Anwendungsentwicklung als deutlich nachgefragte Fachrichtungen. Bei den Fähigkeiten stechen KI und Big Data besonders hervor, gefolgt von Netzwerken und Cybersicherheit sowie allgemeiner technologischer Kompetenz.
Das heißt nicht, dass jede und jeder jetzt Softwareentwickler werden muss. Es heißt aber: In fast allen Funktionen wird es wichtiger, digitale Prozesse, Daten und KI-Werkzeuge zumindest so gut zu verstehen, dass man sinnvoll mit ihnen arbeiten kann.
Das WEF erwartet bis 2030 besonders starkes Jobwachstum bei Frontline-Rollen sowie in grundlegenden Dienstleistungsbereichen wie Pflege und Bildung.
Für die Berufsplanung ist das wichtig. Die Antwort auf KI muss nicht zwingend lauten: alles hinschmeißen und KI-Ingenieur werden. Für viele Menschen ist der realistischere Weg, im eigenen Fachgebiet besser mit KI, Daten und digitalen Werkzeugen zu werden — ob in Bildung, Pflege, Service, Verwaltung, Marketing, Finanzen, Betrieb oder Projektarbeit.
Die ILO betont in ihrer Aktualisierung 2025 eine Analyse auf Aufgabenebene, ergänzt durch Experteninput und KI-Prognosen, um die Exponierung von Berufen gegenüber generativer KI genauer einzuschätzen.
Das ist der zentrale Punkt: Ein und derselbe Beruf kann Aufgaben enthalten, die KI stark beschleunigt — etwa Zusammenfassen, Sortieren, Standardantworten oder Berichtsentwürfe. Gleichzeitig kann derselbe Beruf Aufgaben enthalten, bei denen menschliches Urteilsvermögen, Verantwortung, Kontextwissen und Kommunikation entscheidend bleiben.
Das WEF beschreibt zudem, dass KI und andere technologische Veränderungen die Arbeitsmärkte umformen: Sie erhöhen die Nachfrage nach vielen technischen oder spezialisierten Rollen, können aber andere Tätigkeiten unter Druck setzen; als Beispiel nennt das WEF Grafikdesignerinnen und -designer. Das bedeutet nicht, dass jedes Design verschwindet. Es ist eher ein Hinweis: Wer stark von standardisierten Outputs lebt, sollte sich in Richtung Strategie, Markenverständnis, Qualitätskontrolle und Kontextbeurteilung weiterentwickeln.
Dieser Check ist keine exakte Prognose. Er übersetzt den Aufgabenblick der ILO in eine praktische Orientierung für den eigenen Arbeitsalltag.
| Aufgabentyp | Typisches Signal | Sinnvolle Lernrichtung |
|---|---|---|
| Wiederholbar, formatiert, gut als Prozess beschreibbar | Die Arbeit folgt oft festen Schritten | KI-Tools, Prozessdesign, Automatisierung, Qualitätsprüfung |
| Viel Text, Tabellen, Zusammenfassungen, Berichte oder Standardantworten | Ergebnisse lassen sich schnell erzeugen, müssen aber geprüft werden | Prompting, Datenaufbereitung, Dokumentenautomatisierung, Verifikation |
| Koordination, Kundenkontakt, Abstimmungen, Abwägungen | KI kann vorbereiten, aber nicht die Verantwortung übernehmen | Problemanalyse, klare Kommunikation, Entscheidungsrahmen, Business Writing |
| Fachwissen und Kontextverständnis sind der Kernwert | Der Beruf bleibt relevant, aber Arbeitsabläufe verändern sich | Fachliche Tiefe, technologische Grundbildung, wiederholbare Lieferprozesse |
Fachleute für KI und maschinelles Lernen zählen laut WEF zu den am schnellsten wachsenden Berufen nach prozentualem Wachstum.
Für die meisten Nicht-Technikerinnen und Nicht-Techniker bedeutet der erste Schritt aber nicht, eigene Modelle zu trainieren. Wichtiger ist ein solides Grundverständnis: Was kann KI gut? Wo halluziniert oder verzerrt sie? Welche Daten darf man nicht leichtfertig in externe Tools eingeben? Wann braucht es menschliche Prüfung?
Praktisch heißt das: KI für Recherche, Zusammenfassungen, erste Entwürfe, Ideensammlungen, Datenstrukturierung oder Voranalysen nutzen — aber mit klaren Eingaben, definierten Ausgabeformaten und einem festen Prüfstandard.
Big-Data-Spezialistinnen und -Spezialisten gehören laut WEF ebenfalls zu den am schnellsten wachsenden Berufsgruppen. ARISA hebt im Zusammenhang mit dem WEF-Bericht außerdem KI und Big Data als besonders wichtige Kompetenzkombination hervor.
Wer ein einziges hartes Skill-Feld priorisieren will, kann mit Tabellenanalyse, SQL, Datenvisualisierung oder grundlegendem Python beginnen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Tools aufzuzählen. Entscheidend ist, Daten so aufzubereiten, dass sie überprüfbar, erklärbar und entscheidungsrelevant werden.
ARISA nennt Software- und Anwendungsentwicklung als einen der Bereiche mit deutlicher Nachfrage.
Auch wer nicht als Vollzeitentwicklerin oder -entwickler arbeiten möchte, profitiert davon, Produktlogik, Datenflüsse, Schnittstellen, einfache Skripte oder Low-Code-Werkzeuge zu verstehen. Denn KI schafft oft nicht durch eine einzelne Antwort den größten Wert, sondern wenn sie in einen wiederholbaren, nachvollziehbaren und wartbaren Ablauf eingebaut wird.
Automatisierungsdenken bedeutet: nicht nur eine Aufgabe schneller erledigen, sondern einen Prozess bauen, der beim nächsten Mal wieder funktioniert.
ARISA nennt Netzwerke und Cybersicherheit als wichtige Kompetenzgruppe, direkt nach KI und Big Data.
Das Thema ist längst nicht mehr nur Sache der IT-Abteilung. Je mehr Arbeit über digitale Tools läuft, desto wichtiger werden Zugriffsrechte, Datenklassifizierung, sichere Ablage, Umgang mit sensiblen Informationen und nachvollziehbare Freigabeprozesse.
Eine Person, die KI-Werkzeuge sicher einsetzen kann, ist langfristig wertvoller als jemand, der nur schnell Prompts schreibt. Sicherheit, Datenschutzbewusstsein und Nachvollziehbarkeit gehören zur professionellen Nutzung dazu.
ARISA nennt auch allgemeine technologische Kompetenz als wichtige Fähigkeit.
Gerade Nicht-Technikerinnen und Nicht-Techniker unterschätzen diesen Punkt leicht. Man muss nicht selbst komplexe Systeme programmieren. Aber man sollte verstehen, wo Daten herkommen, wie Tools miteinander verbunden werden, wie Ergebnisse überprüft werden und wann Spezialistinnen oder Spezialisten eingebunden werden müssen.
Diese Grundbildung entscheidet oft darüber, ob KI im Unternehmen nur als Spielzeug genutzt wird — oder tatsächlich Arbeitsergebnisse verbessert.
| Aktuelle Rolle | Was sich zuerst lohnt |
|---|---|
| Administration, Operations, Kundenservice, Projektkoordination | KI-gestützte Dokumentenarbeit, Meeting-Zusammenfassungen, Datenbereinigung, SOPs und Prozessautomatisierung |
| Marketing, Content, Design | KI für Recherche und Entwürfe, Markenurteil, Qualitätskontrolle, Datenanalyse; wer stark von standardisierten visuellen Outputs abhängt, sollte stärker in Strategie, Marke und Kontextbeurteilung investieren, da das WEF Grafikdesignerinnen und -designer als Beispiel für mögliche Rückgänge nennt. |
| Engineering, Produkt, Daten | KI und maschinelles Lernen, Big Data, Software- und Anwendungsentwicklung, Netzwerke und Cybersicherheit. |
| Bildung, Pflege, Service | Fachliche Tiefe und menschliche Interaktion stärken, KI aber für Dokumentation, Informationsaufbereitung und bessere Abläufe nutzen; das WEF erwartet in Pflege und Bildung bis 2030 besonders starkes Wachstum. |
| Finanzen, Business, Operations-Analyse | Datenanalyse, Automatisierung, Produktverständnis und Fintech-Kompetenz; Fintech-Ingenieurinnen und -Ingenieure gehören laut WEF zu den drei am schnellsten wachsenden Berufen nach prozentualem Wachstum. |
Die Signale von WEF und ILO sprechen eher für eine Neuverteilung von Aufgaben und Fähigkeiten als für ein einfaches Verschwinden aller Jobs. Das WEF sieht neue Arbeitsmöglichkeiten und zugleich starken Weiterbildungsdruck; die ILO betrachtet die Wirkung generativer KI differenziert auf Aufgabenebene.
Wenn Ihre Arbeit stark wiederholbar und standardisiert ist, sollten Sie besonders schnell KI-Werkzeuge, Datenarbeit und Automatisierung lernen. Wenn Ihre Arbeit von Fachurteil, Menschenkenntnis und Kontext abhängt, geht es weniger darum, KI auszuweichen — sondern darum, sie gezielt für Recherche, Analyse, Kommunikation und bessere Ergebnisse einzusetzen.
Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht darin, die meisten KI-Begriffe zu kennen. Er liegt darin, KI so in die eigene Arbeit einzubauen, dass bessere, überprüfbare und verantwortbare Ergebnisse entstehen.