2. Nur begrenzte Raketenlieferungen
Selbst bei vorhandenen US-amerikanischen Systemen fließt der Nachschub spärlich. Selenskyj beklagte, die USA verkauften Raketen an die Ukraine „in sehr begrenzten Mengen“ . Das heißt: Verbrauchte Abfangraketen können nicht schnell genug ersetzt werden, um dem Tempo der russischen Angriffe standzuhalten.
3. Amerikanische Bestände unter Druck durch den Iran-Krieg
Auch die eigenen Einsätze der US-Streitkräfte spielen eine maßgebliche Rolle. Hochentwickelte amerikanische Luftabwehrsysteme – insbesondere Patriot – sind weltweit knapp, weil die US-Bestände durch den Konflikt im Iran stark beansprucht werden . Dadurch stehen noch weniger Abfangraketen für die Ukraine zur Verfügung, was den Lizenzstreit zusätzlich verschärft.
Anstatt sich von Washington abhängig zu machen, verfolgt Kiew nun mehrere parallele Strategien, um zusammen mit europäischen Partnern die Luftverteidigung auszubauen.
Aufbau einer europäischen Anti-Raketen-Koalition
Mitte Mai 2026 gab Selenskyj bekannt, Europa habe mit der Bildung einer eigenen Anti-Raketen-Koalition begonnen. Bis zum Frühsommer rechnet die Ukraine mit ersten spürbaren Verstärkungen für die Flugabwehr . Dahinter steht kein Ad-hoc-Spendentopf, sondern eine strukturierte Fähigkeitspartnerschaft.
Ausbau der gemeinsamen Produktion von Drohnen und Luftabwehrsystemen
Die Verteidigungszusammenarbeit mit Europa tritt in eine neue Phase: Im Zentrum steht die gemeinsame Fertigung. Mit Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich laufen bereits Projekte zur gemeinsamen Drohnenproduktion; Selenskyj strebt für 2026 mindestens zehn bestätigte Vorhaben an . Dasselbe Modell wird nun auf Luftabwehrsysteme übertragen: Die Ukraine will Raketen und Abfangsysteme in ausreichender Stückzahl direkt auf europäischem Boden mitproduzieren
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Beschleunigung der PURL-Initiative
Die Ukraine arbeitet daran, weitere Länder und Finanzbeiträge für das PURL-Programm zu gewinnen – einen multilateralen Mechanismus für die Beschaffung und Finanzierung von Luftabwehrsystemen. Wer PURL stärkt, so der Gedanke, kann schneller Abfangraketen und Systeme kaufen, während die einheimische Produktion hochgefahren wird .
Vorstoß für ein „ASAP für Luftverteidigung“-Programm
Der Thinktank CSIS hat ein beschleunigtes Produktionsprogramm nach dem Vorbild des EU-Gesetzes zur Unterstützung der Munitionsproduktion (ASAP) von 2023 vorgeschlagen. Zwischen 5 und 10 Milliarden Euro sollen in europäische Systeme und Abfangraketen fließen. Der Ansatz setzt auf europäische Alternativen – etwa IRIS-T, SAMP/T und NASAMS –, um bei der Abwehr von Mittelstrecken- und Marschflugkörpern weniger von amerikanischen Zulieferern abhängig zu sein . Allein der ukrainische Bedarf an Abfangraketen für die Luftverteidigung wird auf rund 4.800 Stück pro Jahr geschätzt – eine Zahl, die die derzeitige europäische Produktionskapazität deutlich übersteigt
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Selenskyj betrachtet die Neuausrichtung nicht nur als Notlösung für die Ukraine, sondern auch als Gelegenheit für den gesamten Kontinent. „Europa muss über genügend Flugabwehrraketen verfügen, über ausreichend Erfahrung beim Abschuss von Drohnen und über eine hinreichende Produktion moderner Abwehrdrohnen“, sagte er im März 2026. „Gemeinsam können wir das möglich machen“ . Der Europäische Rat hat die Luftverteidigung bereits als vorrangige Fähigkeitslücke identifiziert und zugesagt, Instrumente und Finanzierung beschleunigt zu mobilisieren, um die verteidigungsindustrielle Basis des Kontinents zu stärken
. Die Abkehr vom Warten auf Washington und die Hinwendung zu einer gemeinsamen Fertigung in Europa sind für die Ukraine daher zugleich kurzfristige Überlebenstaktik und langfristige Strukturentscheidung – für sich selbst und für die Art, wie Europa künftig Raketenabwehr denkt und produziert.