Die US-Notenbank Fed erhöht die Zinsen, der Dollar legt zu, Gold fällt – und TD Securities bleibt optimistisch. Der scheinbare Widerspruch löst sich durch den Zeithorizont: Höhere Zinsen belasten Gold derzeit, weil es selbst keine laufenden Erträge abwirft. Auf Sicht von 2027 setzt die Bank jedoch auf anhaltende Käufe durch Investoren und Zentralbanken. Einen nachhaltigen Anstieg über 5.000 US-Dollar je Feinunze hält sie deshalb weiterhin für möglich.
5
6
17
Warum Gold nach dem Fed-Entscheid nachgab
Am 16. September erhöhte die Fed ihren Leitzins und stellte weitere Anhebungen in Aussicht. Der Dollar stieg; der Preis für Kassagold lag um 15:10 Uhr US-Ostküstenzeit bei 4.240,10 Dollar je Feinunze, 1,2 Prozent niedriger. Die Zinserhöhung selbst galt allerdings nicht überall als Überraschung: Ein Bericht bezeichnete den Schritt um einen Viertelprozentpunkt als weithin erwartet.
17
20
Für TD Securities widerlegt dieser Rückgang die längerfristige Prognose nicht. In einer eigenen Projektion nennt die Bank einen Durchschnittspreis von 5.350 Dollar für das zweite Quartal 2027. Niedrigere Zinsen, ein schwächerer Dollar und stärkere Nachfrage könnten den Preis sogar darüber treiben. Das ist eine bedingte Aussicht – keine Zusage, dass Gold kurzfristig nicht weiter fällt.
12
Worauf die Nachfrageprognose beruht
Berichte über die Einschätzung von TD Securities verweisen auf Zuflüsse von rund 6,3 Millionen Feinunzen in Gold-ETFs seit Juli und auf Zentralbankkäufe von knapp 70 Tonnen pro Monat in den vorangegangenen drei Monaten. Auch spekulative Anleger positionieren sich demnach zunehmend für steigende Preise, ohne dass ihre Wetten bereits so stark gebündelt wären wie bei früheren Höchstständen. Das lässt Raum für zusätzliche Käufe, kann sich bei dauerhaft hohen Zinsen aber ändern.
2
4
6
China ist ein weiterer Teil dieser Rechnung – mit zwei unterschiedlichen Zahlen: Ein Bericht beziffert die Goldkäufe der chinesischen Zentralbank im Juli auf 20 Tonnen. State Street Global Advisors meldet zugleich 1.000 Tonnen Goldimporte in den chinesischen Binnenmarkt von Januar bis Juli 2026. Importe sind nicht mit Käufen der Zentralbank gleichzusetzen. Keine der beiden Zahlen belegt für sich genommen, dass chinesische Nachfrage den Druck eines stärkeren Dollars auffangen kann.
1
37
Prognosen vergleichen – aber mit gleichem Maßstab
Goldman Sachs hält laut einem Bericht an 5.400 Dollar für Ende 2027 fest. Für TD Securities wurde daneben ein Ziel von 5.350 Dollar für das dritte Quartal 2027 genannt. Dieses Ziel liegt zeitlich näher an der Goldman-Prognose als TDs gesondert ausgewiesener Durchschnitt für das zweite Quartal. BMIs 4.400 Dollar beziehen sich dagegen auf den Jahresdurchschnitt 2026 – nicht auf Ende 2027. Ohne Zeitraum und Art der Prognose zu beachten, sind die Werte irreführend vergleichbar.
7
9
12
30
Was als Nächstes zählt
Der Fed-Entscheid am 28. Oktober ist der nähere Prüfstein. Eine Zinspause oder vorsichtigere Signale könnten Gold entlasten und eine Rückkehr über 4.400 Dollar erleichtern. Eine weitere Erhöhung oder klare Hinweise auf zusätzliche Zinsschritte würden den Gegenwind eher verlängern. Beides sind Szenarien, keine Vorhersagen für den Beschluss oder die unmittelbare Kursreaktion.
18
Auf der Unterseite ist der Bereich um 4.230 Dollar eine Beobachtungszone, keine exakte Haltelinie: Nach dem September-Entscheid wurden Kurse um 4.240 Dollar gemeldet; eine technische Einschätzung verortete ein unteres Band bei etwa 4.225 Dollar. 4.000 Dollar stehen für ein deutlich schwächeres Szenario, nicht für einen garantierten Tiefpunkt. Ob Gold schließlich über 5.000 Dollar steigt, hängt vor allem davon ab, ob die Käufe anhalten – und wie sich US-Zinsen und Dollar entwickeln.
17
19
3
12