Goldman Sachs setzt bei seinem positiven Ausblick für Gold vor allem auf die Nachfrage der Zentralbanken. Dabei geht die Bank davon aus, dass sich nicht jeder Kauf sofort in veröffentlichten Reservebeständen zeigt. Für die Einordnung sind jedoch zwei Unterschiede entscheidend: Schätzungen sind keine bestätigten Käufe – und eine frühere Preisprognose ist nicht automatisch die jüngste Einschätzung der Bank.
7
20
9
Gelten die 4.900 Dollar für Ende 2026 noch?
In einer Veröffentlichung vom August prognostizierte Goldman einen Goldpreis von 4.900 US-Dollar je Feinunze Ende 2026. Auch ein Bericht vom 23. September bezeichnete diese Zahl noch als Jahresendziel. Andere Berichte aus dem September melden hingegen, Goldman habe seine Schätzung des fairen Werts für Ende 2026 von 4.900 auf 4.650 US-Dollar gesenkt. Ein Bericht nennt dafür eine Spanne von 4.650 bis 4.900 US-Dollar. Das Ziel von 5.400 US-Dollar für Ende 2027 blieb demnach bestehen. Aus den vorliegenden Berichten lässt sich deshalb nicht eindeutig ableiten, dass 4.900 US-Dollar weiterhin Goldmans alleinige, aktuelle zentrale Schätzung für Ende 2026 sind.
7
20
9
10
2
China im Juli: 35 Tonnen geschätzt, rund 20 gemeldet
Goldmans kurzfristige Schätzung, ein sogenannter Nowcast, bezifferte die Goldkäufe aller Zentralbanken im Juli 2026 auf 44 Tonnen. Laut Zahlen des World Gold Council lagen die gemeldeten Nettokäufe bei 23 Tonnen. Für China allein schätzte Goldman 35 Tonnen. Die veröffentlichten Bestände der chinesischen Zentralbank stiegen dagegen um knapp 20 Tonnen: Reuters zufolge von 75,44 Millionen auf 76,08 Millionen Feinunzen.
20
30
27
Goldmans China-Schätzung liegt damit 15 Tonnen beziehungsweise 75 Prozent über dem gemeldeten Zuwachs. Die 35 Tonnen bezeichnen aber die geschätzten gesamten Käufe – nicht zusätzliche, bisher verborgene 35 Tonnen. Ebenso wenig beweist die Differenz von 21 Tonnen zwischen der globalen Goldman-Schätzung und den gemeldeten Nettokäufen, dass genau diese Menge unveröffentlicht blieb: Hier werden unterschiedliche Verfahren und Messgrößen verglichen.
20
27
40
30
Was spricht für weitere, noch nicht erfasste Käufe?
Der wichtigste Anhaltspunkt ist Goldmans eigene, über den gemeldeten Zahlen liegende Schätzung. Ein Bericht über die Methode beschreibt, dass die Bank Handelssignale aus London heranzieht, um mögliche Käufe abzuleiten, die noch nicht in Reserveangaben auftauchen. Das ist ein Grund, die Datenlücke genauer zu betrachten – keine unabhängige Bestätigung, wer wie viel Gold über die veröffentlichten Bestände hinaus gekauft hat.
20
32
27
30
Goldmans grundsätzlich positive Einschätzung hängt allerdings nicht davon ab, jeden Kauf im Juli als ungemeldet nachzuweisen. Im August erwartete die Bank für 2026 durchschnittlich 50 Tonnen Zentralbankkäufe pro Monat, verglichen mit durchschnittlich 17 Tonnen pro Monat vor 2022. Auch diese Werte sind Goldmans Schätzung beziehungsweise Prognose, keine amtlich verbuchten Reservezugänge.
7
Warum die Fed den Ausblick verändern kann
Gold wirft selbst keine Zinsen ab. Eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank Fed kann es gegenüber verzinsten Anlagen weniger attraktiv machen und die Nachfrage nach börsengehandelten, goldgedeckten Fonds (ETFs) belasten. Die Berichte über Goldmans niedrigere Fair-Value-Schätzung von 4.650 US-Dollar spiegeln dieses kurzfristige Risiko wider. In einem früher beschriebenen Negativszenario sah die Bank den Goldpreis bei etwa 4.400 bis 4.440 US-Dollar zum Jahresende, falls Zinserhöhungen Anleger dazu bringen, ihre Absicherungen gegen geldpolitische Risiken aufzulösen. Das war ein bedingtes Szenario, keine neue Basisprognose.
9
10
11
13
Auch Optionen können Kursbewegungen verstärken: Steigt mit dem Goldpreis die Nachfrage nach Kaufoptionen, müssen Anbieter dieser Kontrakte ihre Positionen womöglich zusätzlich absichern – was einer Rally weiteren Schub geben kann. Bei fallenden Kursen oder aufgelösten Positionen kann die Anpassung solcher Absicherungen den Rückgang ebenfalls verstärken. Starke Zentralbanknachfrage stützt somit Goldmans längerfristige These, macht den Goldpreis aber nicht unabhängig von Zinsen, ETF-Zuflüssen und der Positionierung am Optionsmarkt.
4
8
2