Im August 2026 aktualisierte Google seine Chrome-Supportdokumentation: Der Browser benötigt nun etwa 20 GB freien Speicherplatz, bevor er überhaupt mit dem Herunterladen seiner lokalen generativen KI-Modelle beginnt . Microsoft Edge verfolgt ein ähnliches Muster. Dieser Artikel erklärt, was die 20 GB wirklich bedeuten, wie viel Speicher die Modelle tatsächlich belegen, wie ihr als Einzelnutzer oder Administrator die Funktion deaktiviert – und warum die Praktiken solch einen Sturm der Entrüstung ausgelöst haben.
Die 20 GB sind eine Freispeicher-Hürde, nicht die Größe des KI-Modells selbst . Sowohl Chrome als auch Edge verlangen etwa 20 GB freien Speicherplatz, bevor sie mit dem Download ihrer lokalen generativen KI-Modelle beginnen (Gemini Nano für Chrome, ein vergleichbares Foundation-Modell für Edge) .
Googles offizielle Supportdokumentation listet rund 20 GB freien Speicher, eine unbegrenzte Internetverbindung und ausreichende Rechenleistung als Voraussetzungen auf . Der hohe Grenzwert dient als Sicherheitspuffer, damit Download, Dekompression und temporäre Dateien problemlos abgeschlossen werden können . Stehen weniger als 20 GB frei, überspringt Chrome den Download vollständig .
Nach dem Download und der Installation ist der tatsächliche Speicherverbrauch deutlich geringer:
| Quelle | Größe nach Installation |
|---|---|
| Googles offizielle Bestätigung (via Android Authority) | ~4 GB |
| Unabhängige Berichte (Ubergizmo, Tom's Hardware) | ~4 GB |
| Einzelne Nutzerbeobachtungen (weights.bin-Datei) | 4,0–4,3 GB |
| Microsoft Edge (EdgeLLMOnDeviceModel) | ~2,3–2,5 GB |
Chromes Kernmodell heißt weights.bin und befindet sich im Ordner OptGuideOnDeviceModel innerhalb des Browser-Benutzerdatenverzeichnisses . Edge speichert sein Pendant unter %LOCALAPPDATA%\Microsoft\Edge\User Data\EdgeLLMOnDeviceModel\ .
Achtung: Der Hintergrund-Update-Mechanismus von Chrome löscht alte Modellversionen Berichten zufolge manchmal nicht. Das kann den Ordner auf betroffenen Systemen auf 12 GB oder mehr aufblähen .
Ob und wie viel Speicher das KI-Modell auf eurem Rechner belegt, könnt ihr über diese Adresse in Chrome prüfen:
chrome://on-device-internals
Diese interne Seite zeigt Status, Version und Speicherdetails des Modells . Ihr könnt außerdem direkt im Chrome-Benutzerdatenordner unter OptGuideOnDeviceModel nachsehen .
Google hat im Februar 2026 einen offiziellen Schalter in den Chrome-Einstellungen eingeführt :
Das Deaktivieren löscht alle heruntergeladenen Modelldateien und verhindert zukünftige Downloads . Für eine noch feinere Kontrolle könnt ihr auch die entsprechenden KI-Flags über chrome://flags deaktivieren .
Wichtig: Das manuelle Löschen der weights.bin-Datei ist wirkungslos – Chrome lädt sie nach dem nächsten Neustart einfach erneut herunter .
Microsoft Edge bietet keinen einfachen Schalter für Nutzer. Ihr könnt die Funktion jedoch über die Registry oder Gruppenrichtlinien deaktivieren (siehe Abschnitt für Unternehmen) .
Wichtige Unternehmensrichtlinien:
1 (Funktion erlauben, ohne KI-Modelle zu verbessern) oder 2 (Funktion deaktivieren) .1 (Nicht zulassen), um alle Gemini-Integrationen in der Organisation zu deaktivieren .Microsoft bietet die GenAILocalFoundationalModelSettings-Richtlinie an, die sowohl für Edge als auch für Chrome unter Windows funktioniert :
So setzt ihr die Richtlinie über den Registrierungseditor:
Für Edge: HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Edge
Für Chrome: HKLM\SOFTWARE\Policies\Google\Chrome
Erstellt einen DWORD-Wert (32-Bit) mit dem Namen GenAILocalFoundationalModelSettings und setzt ihn auf 1 .
So setzt ihr die Richtlinie über die Eingabeaufforderung (als Administrator):
# Für Chrome
reg add "HKLM\SOFTWARE\Policies\Google\Chrome" /v "GenAILocalFoundationalModelSettings" /t REG_DWORD /d 1 /f
# Für Edge
reg add "HKLM\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Edge" /v "GenAILocalFoundationalModelSettings" /t REG_DWORD /d 1 /f
Unter macOS und Linux gelten entsprechende Konfigurationsdateien. Details findet ihr in der Unternehmensdokumentation von Microsoft und Google .
Mehrere Faktoren machten diese Geschichte zu einer der umstrittensten Browser-Datenschutzaffären des Jahres 2026:
Fehlende Einwilligung. Der Download erfolgte automatisch im Hintergrund ohne klare Opt-in-Aufforderung .
Selbstständige Neuinstallation. Nutzer, die die Datei löschten, berichteten, dass Chrome sie beim nächsten Neustart erneut herunterlud – manuelles Löschen war zwecklos .
Stillschweigend entfernte Datenschutzerklärung. Mit Chrome 148 (5. Mai 2026) entfernte Google die Aussage, dass die lokale KI „es dir ermöglicht, KI-Modelle zu nutzen, die direkt auf deinem Gerät ausgeführt werden, ohne Daten an Google-Server zu senden“. Das weckte Bedenken, welche Daten nun möglicherweise doch an Google gesendet werden . Ein Google-Sprecher betonte gegenüber Decrypt, die Streichung „spiegele keine Änderung der Verarbeitung lokaler KI wider“ – die Daten würden weiterhin nur lokal verarbeitet .
Kontroverse um W3C-Standards. Google führte die Prompt API (eine JavaScript-Schnittstelle zu Gemini Nano) ein – trotz formeller Einwände von Mozilla, Apples WebKit-Team, der W3C Technical Architecture Group, Microsoft und sogar eines Chrome-Entwicklers, der die Funktion eigentlich mitgenehmigt hatte .
EU-rechtliches Risiko. Alexander Hanff argumentierte, die stille Installation verstoße möglicherweise gegen die ePrivacy-Richtlinie und die DSGVO .
Energie- und Bandbreitenkosten. Der 4-GB-Download auf Millionen von Rechnern verschwendet Schätzungen zufolge erhebliche Bandbreiten und Strom .
Snopes überprüfte die Behauptungen später und bestätigte das Kernverhalten (stiller Download, automatische Neuinstallation nach Löschung) im Wesentlichen – die Bewertung lautete „größtenteils zutreffend“ .
Die 20-GB-Anforderung ist eine Download-Hürde, keine dauerhafte Speichersteuer – das eigentliche Gemini-Nano-Modell benötigt nur etwa 4 GB. Doch für viele Nutzer geht es nicht um den Speicherplatz: Es geht um fehlende Transparenz und Einwilligung. Ob ihr als datenschutzbewusster Einzelnutzer oder als IT-Administrator handelt – die hier beschriebenen Methoden geben euch die Kontrolle darüber, was auf eurer SSD landet.