Die Chipvereinbarungen von AMD mit OpenAI und Meta schlagen erstmals deutlich in der Gewinnrechnung des Unternehmens zu Buche: Für das dritte Quartal 2026 meldete AMD eine Belastung von 1,07 Milliarden Dollar – oder 0,66 Dollar je verwässerter Aktie. Das Geld wurde jedoch nicht überwiesen. Es handelt sich um einen nicht zahlungswirksamen Aufwand im Zusammenhang mit Aktienkaufrechten, sogenannten Warrants.
1
9
Was hinter den Warrants steckt
Ein Warrant gibt seinem Inhaber das Recht, Aktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Im Rahmen der Vereinbarungen mit AMD können OpenAI und Meta jeweils Warrants auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien erhalten. Der Ausübungspreis liegt bei einem Cent je Aktie; die Rechte sind an Bedingungen geknüpft.
1
10
Die Belastung tauchte in dem Zeitraum auf, in dem die Auslieferungen im Zusammenhang mit den Vereinbarungen anliefen. Berichte brachten das Quartal auch mit Lieferungen von AMD-Beschleunigern der MI450-Serie in Verbindung. Aus den verfügbaren Angaben geht jedoch nicht hervor, dass MI450-Lieferungen allein die Belastung verursacht haben.
4
9
19
AMD-Finanzchefin Jean Hu führte die Bewertung der Warrants auf Veränderungen des AMD-Aktienkurses und auf die geschätzte Wahrscheinlichkeit zurück, dass die Kunden die Bedingungen für ihre Rechte erfüllen.
4 Ändern sich solche Bewertungsannahmen, kann sich auch der bilanzielle Wert der Warrants verändern. Die Belastung bedeutet nicht, dass OpenAI oder Meta bereits AMD-Aktien erhalten haben.
Was die Zahlen über AMDs Quartal sagen
AMD meldete für das dritte Quartal einen Umsatz von 13,4 Milliarden Dollar – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je verwässerter Aktie lag nach GAAP bei 1,46 Dollar und auf Non-GAAP-Basis bei 2,09 Dollar.
2
8
Die Differenz zwischen den beiden Gewinnzahlen beträgt 0,63 Dollar je Aktie. Der Warrant-Aufwand von 0,66 Dollar liegt zwar nahe daran, ist aber nicht identisch damit: Die Überleitung von GAAP zu Non-GAAP berücksichtigt auch weitere Anpassungen. Der Warrant-Aufwand allein erklärt den Unterschied daher nicht vollständig.
2
14
Wichtig ist außerdem: Der Aufwand minderte den ausgewiesenen Gewinn, war aber keine Auszahlung von Barmitteln im Quartal.
17 In den bereinigten Non-GAAP-Zahlen wird die Neubewertung der Warrants neben weiteren Posten herausgerechnet.
14 Deshalb können eine erhebliche Belastung im GAAP-Ergebnis und ein höherer Non-GAAP-Gewinn gleichzeitig ausgewiesen werden.
Bilanzielle Belastung und mögliche Verwässerung sind zwei verschiedene Dinge
Der bilanzielle Aufwand kann von Quartal zu Quartal schwanken, wenn AMD den Wert der Warrants neu bewertet. Laut Berichten zählen dabei der Aktienkurs und die geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass OpenAI und Meta die Bedingungen erfüllen, zu den relevanten Faktoren. Ein Bericht zufolge rechnete AMD mit steigenden quartalsweisen Anpassungen des beizulegenden Zeitwerts.
4
46
Eine solche Neubewertung ist nicht dasselbe wie eine Ausgabe neuer Aktien. Die Belastung betrifft den bilanziellen Wert der Rechte. Eine Verwässerung bestehender Anteile entstünde erst, wenn nach Erfüllung der maßgeblichen Bedingungen tatsächlich Aktien ausgegeben würden. Die Obergrenze von jeweils 160 Millionen Aktien beschreibt also keine aktuelle Beteiligung von OpenAI oder Meta an AMD.
1
10
15
Die Vereinbarungen zeigen den möglichen Zielkonflikt in AMDs Kundenstrategie: Warrants begleiten große Chipzusagen, können den ausgewiesenen Gewinn bereits beeinflussen, bevor Aktien ausgegeben werden, und könnten bei Erfüllung der Bedingungen bestehende Aktionäre verwässern.
5
15 Die verfügbaren Berichte liefern jedoch nicht genug Einzelheiten, um sämtliche Bedingungen für das Entstehen und die Ausübung der Rechte abzubilden oder den Zeitpunkt einer möglichen Verwässerung vorherzusagen.