Vor diesem Hintergrund sorgte der Eindruck, das Update vom 19. August habe vor allem die Kaufoption für MW4 hinzugefügt, für einen besonders ungünstigen Kontrast. Während Spieler noch darüber diskutierten, ob der aktuelle Titel überhaupt sicher spielbar sei, erschien im Multiplayer-Menü ein direkter Weg zur Vorbestellung des nächsten Call of Duty. MP1st bezeichnete die Platzierung angesichts der ungelösten Sicherheitsprobleme als geschmacklos.
Der Kern der Kritik war deshalb eine Frage der Prioritäten. Die Spieler störte nicht zwingend, dass Activision auf ein neues Spiel hinweist. Sie störte, dass diese Werbung in einem problematischen, kostenpflichtigen Port einen prominenten Platz erhielt, während Sicherheit und die Integrität der Spielerkonten dringlicher wirkten.
Der Early-Access-Zeitraum der Modern-Warfare-4-Beta war für den 21. bis 25. August angesetzt und setzte auf den unterstützten Plattformen eine Vorbestellung oder einen Vorabkauf voraus. Die offene Beta sollte vom 28. August bis zum 1. September laufen und war ohne Vorbestellung zugänglich.
Dass der direkte Vorbestellungs-Button nur zwei Tage vor Beginn des ersten Beta-Wochenendes in Black Ops 2 auftauchte, ließ die kommerzielle Absicht besonders deutlich erscheinen. Für viele wirkte die Schaltfläche weniger wie eine gewöhnliche Franchise-News und mehr wie ein gezielter Kaufimpuls für Spieler, die sich ohnehin gerade im Call-of-Duty-Ökosystem befanden.
Auch die Position im Menü spielte eine wichtige Rolle. Ein Banner im Store oder eine Nachrichtenseite kann leicht übersehen werden. Ein eigener Menüpunkt neben den Befehlen, über die Spieler direkt in Online-Partien einsteigen, fühlt sich hingegen wie ein Teil der Hauptnavigation an – und damit deutlich aufdringlicher.
Für PS4-Besitzer hatte die Werbung einen zusätzlichen Haken: Modern Warfare 4 erscheint nicht für die PlayStation 4. Activisions veröffentlichte Plattformangaben nennen PS5, Xbox Series X|S, PC und Nintendo Switch 2. Der Early Access der Beta war zudem auf PS5, Xbox Series X|S und PC beschränkt.
Ein PS4-Spieler bekam also eine Werbung für ein Spiel angezeigt, das auf der eigenen Konsole nicht läuft. Die berichtete Erklärung lautete, dass PS4-Nutzer über dasselbe PlayStation-Konto die PS5-Version vorbestellen könnten. Am grundlegenden Widerspruch änderte das jedoch nichts: Das Gerät, auf dem die Werbung erschien, war nicht die Plattform, auf der MW4 gespielt werden kann.
Zugang zur Early-Access-Beta erhielten PS4-Besitzer dadurch ebenfalls nicht. Der Button wirkte daher für viele weniger wie eine hilfreiche Empfehlung als wie eine Aufforderung, auf neue Hardware umzusteigen oder eine Version für eine andere Plattform zu kaufen.
Die Verkaufszahlen machten den Eindruck mangelnder Unterstützung zusätzlich schwer erträglich. In der Download-Auswertung des PlayStation Store für Juli 2026 belegte Call of Duty: Black Ops II sowohl bei den PS5- als auch bei den PS4-Spielen in den Regionen USA/Kanada und Europa den ersten Platz.
Das deutete auf eine große und zahlende Spielerschaft hin. Entsprechend erwarteten viele Käufer, dass Publisher und Entwickler den Multiplayer schützen und transparent über die laufenden Sicherheitsmaßnahmen informieren würden. Stattdessen war die sichtbarste Änderung des nächsten Updates aus ihrer Sicht eine Werbung für ein anderes Spiel.
Der Charterfolg beweist nicht, dass die Entwickler die Sicherheitsarbeit eingestellt hatten. Ebenso lässt sich aus den verfügbaren Berichten nicht ableiten, dass die Integration des Buttons einen technischen Fix verhindert hat. Er veränderte aber die Wahrnehmung des Updates: Je erfolgreicher der Port wirkte, desto stärker sah die Werbung danach aus, als würde Activision eine große Zielgruppe monetarisieren, während deren unmittelbare Probleme noch nicht gelöst waren.
Activision verknüpft seine Call-of-Duty-Spiele regelmäßig durch Werbung und gemeinsame Angebote. Die Cross-Promotion an sich war daher kein Novum. In diesem Fall kamen jedoch drei Faktoren zusammen:
Zusammen ergaben diese Punkte eine für Activision äußerst ungünstige Community-Erzählung: Die Black-Ops-2-Spieler sollten bereits das nächste Spiel kaufen, bevor sie dem aktuellen wieder vertrauen konnten.
Letztlich ging es bei der Reaktion weniger um eine einzelne Anzeige als um Vertrauen. Käufer des neu veröffentlichten Ports wollten sehen, dass die Multiplayer-Infrastruktur und ihre Konten Priorität genießen. Ein auffälliger MW4-Vorbestellungsbutton, der unmittelbar vor einer an eine Vorbestellung geknüpften Beta auftauchte, vermittelte jedoch das Gegenteil – selbst wenn die Erklärung von Activision den Kauf der PS5-Version über ein PS4-Konto technisch möglich machte.
Deshalb wurde die Schaltfläche stärker kritisiert als eine gewöhnliche Call-of-Duty-Werbung. In einem stabilen Spiel wäre sie vielleicht lediglich als aggressives Marketing abgetan worden. In den PlayStation-Ports von Black Ops 2 wurde sie zum Symbol für die Lücke zwischen dem, was die Community dringend brauchte, und dem, was das Update sichtbar lieferte.