Der heikelste Punkt ist nicht nur die Länge des Verfahrens, sondern der Grund, der für die Verzögerung im Raum steht. Die zivilgesellschaftlichen Gruppen warnen vor dem Eindruck, die Durchsetzung des DMA könne durch Druck der US-Regierung ausgebremst werden .
Für Brüssel wäre das mehr als ein Kommunikationsproblem. Der DMA soll große digitale Plattformen, sogenannte Gatekeeper, an klare Regeln binden. Wenn eine mögliche Strafe politisch verhandelbar wirkt, könnte das Vertrauen in die europäische Digitalaufsicht leiden – gerade bei Unternehmen, die darauf hoffen, dass die EU gegen sehr mächtige Plattformen nicht nur Regeln erlässt, sondern sie auch durchsetzt .
Der Druck kommt aus mehreren Richtungen, die sich teilweise überschneiden:
Dass Ursula von der Leyen persönlich adressiert wird, liegt auch daran, dass entsprechende Schreiben nicht nur an technische Arbeitsebenen gingen. Branchenkommunikationen wurden an von der Leyen, die Wettbewerbsverantwortliche Teresa Ribera und die für Technologiepolitik zuständige Henna Virkkunen gerichtet .
Die zivilgesellschaftliche Kritik dreht sich um den Verdacht, dass eine Verzögerung auf Druck aus Washington folgte . Aus Sicht der Gruppen wäre das gefährlich, weil es den Eindruck erwecken könnte, EU-Regeln würden nicht allein nach Aktenlage und Rechtsmaßstab angewandt, sondern könnten geopolitischem oder handelspolitischem Druck nachgeben
.
Verlage, Tech-Firmen und Startup-Organisationen argumentieren, dass weitere Verzögerungen europäischen Unternehmen in der digitalen Wirtschaft schadeten . Ein Bericht zitierte die Warnung der Koalition, europäische Unternehmen gingen insolvent, während die Regulierer weiter berieten
. Das ist eine zugespitzte Branchenposition, aber sie erklärt, warum die Forderungen so dringlich formuliert sind.
Reuters-nahe Berichte beschrieben die Untersuchung im März 2026 als fast zweijähriges Verfahren, als Verlage, Tech-Firmen und Startups die EU-Regulierer aufforderten, den Fall in der folgenden Woche abzuschließen . Später fasste MLex die Sache als DMA-Prüfung zusammen, die bereits seit mehr als zwei Jahren laufe
. Auch die 18 Industrie- und Verbraucherorganisationen verwiesen auf den 25. März 2026 als Zwei-Jahres-Marke der offenen Verfahren
.
Nicht alle Forderungen sind wortgleich, sie zielen aber in dieselbe Richtung: Die Kommission soll den Fall nicht weiter pausieren. Je nach Schreiben ist von einer Beschleunigung des Verfahrens und dem Weg zu einer Strafe die Rede , von einer Geldbuße
, von einer förmlichen Entscheidung wegen Nichteinhaltung
oder von Sanktionen, falls Google gegen Wettbewerbsregeln verstoßen haben sollte
.
Der entscheidende Vorbehalt bleibt: Eine Forderung nach Durchsetzung ersetzt keinen Rechtsbefund. Die Quellen zeigen eine breite Druckkampagne, aber sie zeigen nicht, dass die Kommission bereits endgültig festgestellt hätte, dass Google in diesem konkreten Verfahren gegen EU-Regeln verstoßen hat .
EU-Gruppen drängen von der Leyens Kommission, weil die mögliche Google-Strafe zum Stellvertreterstreit geworden ist: über Googles mutmaßliche Selbstbevorzugung in der Suche, über die Lage europäischer Wettbewerber und über die Frage, ob die EU ihren Digital Markets Act unabhängig und zeitnah durchsetzt. Für Kritiker steht damit nicht nur eine Sanktion gegen Google im Raum, sondern die Glaubwürdigkeit der europäischen Digitalpolitik insgesamt .
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