Leerverkäufer benötigen zunächst Aktien, die sie ausleihen können, bevor sie sie verkaufen. In Hongkong sind nackte Leerverkäufe grundsätzlich verboten, daher muss eine Aktie vor dem Short‑Trade verfügbar oder geliehen sein.
Genau hier liegt das Problem bei neuen Börsengängen.
Nach dem IPO ist oft nur ein relativ kleiner Teil der Aktien tatsächlich frei handelbar. Bei Knowledge Atlas etwa wurden rund 37,4 Millionen H‑Aktien im Hongkonger Börsengang angeboten.
Hinzu kommen Lock‑up‑Vereinbarungen: Frühinvestoren, Venture‑Kapitalgeber oder sogenannte Cornerstone‑Investoren verpflichten sich, ihre Anteile für eine bestimmte Zeit nach dem Börsengang nicht zu verkaufen.
Wenn der Streubesitz klein ist und Aktionäre ihre Aktien nicht verleihen, entsteht ein enger Markt für Wertpapierleihe. Für Shortseller bedeutet das:
Selbst wenn Anleger fundamental skeptisch sind, können sie ihre Meinung oft nur schwer in eine Short‑Position umsetzen.
Direkt nach dem Börsendebüt erlebten beide Aktien starke Kursanstiege. Die Marktkapitalisierung schnellte in den Bereich von zig Milliarden Hongkong‑Dollar.
Mehrere Faktoren stützen die Nachfrage:
Wenn die Nachfrage hoch ist, während das Angebot begrenzt bleibt, können Kurse stark steigen – selbst wenn die Unternehmen noch weit von der Profitabilität entfernt sind.
Ein wichtiger kurzfristiger Kurstreiber könnte die mögliche Aufnahme in den Hang Seng Tech Index sein. Dieser Index bildet große Technologieunternehmen ab, die in Hongkong gelistet sind.
Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass eine Aufnahme passive Kapitalzuflüsse von etwa 1,25 bis 1,75 Milliarden US‑Dollar auslösen könnte. Der Grund: Fonds und ETFs, die den Index nachbilden, müssen neu aufgenommene Aktien automatisch kaufen.
Solche Indexereignisse treiben Kurse oft kurzfristig, weil:
Manchmal folgt jedoch ein klassisches Börsenmuster: „Buy the rumor, sell the news.“ Wenn der Markt die Zuflüsse bereits eingepreist hat, kann der Kurs nach der Aufnahme auch nachgeben.
Der nächste große Test für die Aktien könnte im Sommer kommen. Wenn Lock‑up‑Fristen auslaufen, dürfen Insider und frühe Investoren erstmals ihre zuvor gesperrten Aktien verkaufen.
Berichten zufolge könnte der Juli eine zentrale Phase für Lock‑up‑Abläufe bei diesen KI‑IPOs sein. Dadurch könnten zusätzliche Aktien auf den Markt gelangen.
Das hat zwei wichtige Folgen:
Wenn beides gleichzeitig passiert, könnte erstmals seit dem Börsengang ernsthafter Abwärtsdruck entstehen.
Wie sich die Kurse entwickeln, hängt letztlich vom Gleichgewicht zwischen neuem Kapital und neuem Angebot ab.
Bullishe Kräfte:
Bearishe Kräfte:
Kurz gesagt: Dass MiniMax und Zhipu heute schwer zu shorten sind, liegt weniger an ihren Geschäftsmodellen als an Marktstruktur und Liquidität. Wenn in den kommenden Monaten mehr Aktien handelbar werden, könnten sich die Spielregeln für Investoren sehr schnell ändern.
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