Deshalb hat der Ölpreisschock die Aktienrally nicht automatisch beendet. Die Unternehmen, die am stärksten mit KI-Infrastruktur und Halbleitern verbunden sind, werden derzeit nach einer Wachstumserzählung bewertet, die Anleger kurzfristig für robuster halten als den geopolitischen Risikoaufschlag beim Öl.
Am sichtbarsten ist dieser Trade in Südkorea. Ein von Bloomberg übernommener Bericht nannte das Land einen wichtigen Profiteur von KI-Investitionen; der Markt stieg zeitweise um bis zu 5 % auf einen Rekord . Eine Marktübersicht von IC Markets vom 11. Mai sah den Kospi zum Handelsstart ebenfalls auf einem frischen Rekord, während andere Börsen in der Region uneinheitlich tendierten
. Schon zuvor hatte der Kospi bei 6.641,02 Punkten geschlossen, ein Plus von 0,39 % und das zweite Allzeithoch in Folge
.
Genau darin liegt die Pointe: Anleger kaufen nicht blind „Asien“. Sie kaufen die Märkte und Sektoren, die am stärksten an Chips, Elektronik und KI-Rechenleistung hängen. Morningstar/Dow Jones berichtete, dass Elektronik- und Chipaktien die Märkte in Japan, Südkorea und Taiwan auf Rekordstände trieben, während Asiens Börsen insgesamt gemischt waren .
China stützt den regionalen Eindruck, doch aktuelle Daten zeigen keine flächendeckende Asien-Rally. IC Markets meldete für den Shanghai Composite ein Plus von 0,94 %, während der Nikkei um 0,16 %, der Hang Seng um 0,31 % und Australiens ASX um 0,60 % nachgaben .
Das ist die wichtige Nuance hinter den Rekord-Schlagzeilen. Südkorea und chipnahe Märkte leisten einen großen Teil der Arbeit. Chinas Plus macht das Bild breiter, aber andere Leitindizes zeigen: Hohe Ölpreise und geopolitische Risiken belasten weiterhin Teile der Region.
Öl bleibt ein echter Gegenwind. Brent stieg nach der gemeldeten Ablehnung von Irans jüngstem Friedensvorschlag um 3,6 % auf fast 105 US-Dollar . Eine weitere Marktübersicht vom 11. Mai sah Brent bei 105,83 US-Dollar, ein Plus von 4,47 %, und WTI bei 100,15 US-Dollar, ein Plus von 4,97 %
. Hohe Ölpreise erhöhen typischerweise Unternehmenskosten und können Gewinne belasten, was in Berichten über Ölpreise über 100 US-Dollar als negativer Faktor für Aktien hervorgehoben wurde
.
Warum steigen Aktien trotzdem? Viele Investoren behandeln den Ölpreissprung offenbar als geopolitische Risikoprämie, die bei diplomatischem Fortschritt schnell schrumpfen kann. Anfang Mai sanken die Ölpreise und Weltaktien legten zu, weil Hoffnungen aufkamen, die USA und Iran könnten einer Einigung näherkommen, die Rohöllieferungen aus dem Persischen Golf wieder ermöglicht . In dieser Bewegung fiel Brent um 7,8 % auf 101,27 US-Dollar, nachdem der Preis zuvor in der Woche über 115 US-Dollar gelegen hatte
.
Dieses Hin und Her prägt die Marktpsychologie. Händler fürchten den Ölpreisschock, wissen aber auch, dass er stark von Schlagzeilen über die Straße von Hormus, Verhandlungen und Schifffahrtszugang abhängt. KI-Nachfrage wird dagegen als Gewinnstory gehandelt.
Die Anleihe- und Rohstoffmärkte klingen vorsichtiger als die Aktienrekorde. Die Marktübersicht vom 11. Mai verwies auf Inflationsrisiken durch Öl und nannte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 4,393 %, die zehnjähriger britischer Anleihen mit 4,9170 % und die zehnjähriger deutscher Anleihen mit 3,0047 % . Gleichzeitig lag Gold 0,98 % höher
. Ein anderer Bericht stellte ebenfalls fest, dass der Ölpreisanstieg Inflationssorgen anheizte und die Renditen steigen ließ
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Das ist wichtig, weil es zeigt: Der Markt ist nicht sorglos. Aktieninvestoren kaufen KI-Gewinner, während andere Marktpreise weiterhin Inflations- und Geopolitikrisiken widerspiegeln .
Das zentrale Risiko ist nicht nur, dass Brent über 100 US-Dollar liegt. Entscheidend ist, ob aus einer volatilen Ölprämie ein länger anhaltender Angebotsschock wird. Die Straße von Hormus ist eine zentrale Wasserstraße, durch die üblicherweise etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird . Deshalb reagieren Märkte empfindlich auf Meldungen über Schließung, Wiederöffnung und Gespräche zwischen den USA und Iran
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Wenn dieses Risiko nachlässt, kann der KI-Trade die Märkte weiter führen. Wenn es eskaliert, treffen drei Belastungen gleichzeitig auf die Rally: höhere Energiekosten für Unternehmen, stärkere Inflationssorgen und Aufwärtsdruck bei Anleiherenditen. Genau diese Kräfte können eine wachstumsstarke, technologielastige Rally anfälliger machen .
Asiens Aktien erreichen Rekorde, weil Anleger eine relative Wette eingehen: KI und Halbleiter bieten sichtbares Gewinnmomentum, während der Ölpreisschock zwar ernst ist, aber noch als von politischen Schlagzeilen abhängig gilt. Die stärksten Belege liefert die ungleiche Marktbreite: Südkorea und chipnahe Aktien brechen Rekorde, andere asiatische Benchmarks sind gemischt, und Signale wie Gold und Anleiherenditen bleiben erhöht .
Die Rally ist also erklärbar, aber nicht risikolos. Sie wirkt überzeugend, solange KI-Gewinne stark bleiben und die Hormus-Prämie zurückgeht. Sie wird verwundbar, wenn Brent hoch bleibt, Renditen weiter steigen oder sich geopolitisches Risiko von Schlagzeilenvolatilität zu einer dauerhaften Störung der Ölströme entwickelt.