Der französische Chemiker Henri B. Kagan und der japanische Chemiker Kenso Soai erhalten den Chemie-Nobelpreis 2026. Ausgezeichnet werden sie für Entdeckungen zur asymmetrischen organischen Synthese: Sie zeigen, wie chemische Reaktionen eine von zwei spiegelbildlichen Molekülformen stärker hervorbringen können als die andere. Ihre Arbeit macht verständlicher, wie sich eine solche Bevorzugung – Homochiralität genannt – entwickeln könnte. Sie klärt jedoch nicht abschließend, wie das Leben tatsächlich zu dieser Asymmetrie kam.
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Wer sind Henri B. Kagan und Kenso Soai?
Zum Zeitpunkt der Preisvergabe war Kagan der Université Paris-Sud im französischen Orsay zugeordnet, Soai der Tokyo University of Science in Japan.
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8 Kagan wurde am 15. Dezember 1930 geboren und war bei der Bekanntgabe des Preises am 7. Oktober 2026 95 Jahre alt.
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Die Nobelpreis-Auszeichnung würdigt ihre Entdeckungen zu „nichtlinearen Effekten und Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese“. Kagan und Soai teilen das Preisgeld von zwölf Millionen schwedischen Kronen zu gleichen Teilen.
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Was bedeutet „Händigkeit“ bei Molekülen?
Manche Moleküle gibt es in zwei Formen, die sich wie die linke und rechte Hand spiegelbildlich gleichen. Sie lassen sich jedoch nicht deckungsgleich übereinanderlegen. Diese Eigenschaft heißt Chiralität.
Für Lebewesen ist diese molekulare „Händigkeit“ besonders relevant: In Proteinen kommen Aminosäuren nur in einer der beiden spiegelbildlichen Formen vor. Warum sich in der Natur eine Form durchgesetzt hat, beschäftigt Chemiker seit Langem.
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Die beiden Varianten können unterschiedliche Eigenschaften haben. Die Spiegelbildformen des Moleküls Carvon etwa werden mit Minz- beziehungsweise Kümmelgeruch in Verbindung gebracht.
22 Auch in der Chemie ist es wichtig, gezielt die gewünschte Form herstellen zu können – etwa bei Molekülen für Arzneimittel.
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Wie könnten Kagans und Soais Entdeckungen Homochiralität erklären?
Kagan beschrieb 1986 einen sogenannten nichtlinearen Effekt: Ein Ungleichgewicht zwischen spiegelbildlichen Katalysatoren schlägt sich nicht immer im gleichen Verhältnis in den Reaktionsprodukten nieder. Schon ein kleiner Unterschied in der Katalysatormischung kann dazu führen, dass eine der beiden Molekülformen im Produkt deutlich überwiegt.
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Soais Arbeit ergänzte einen Mechanismus, der dieses Ungleichgewicht verstärken kann. Bei der asymmetrischen Autokatalyse hilft ein Reaktionsprodukt dabei, weiteres Produkt derselben Händigkeit zu bilden. Ein 1995 vorgestellter Reaktionsansatz trug dazu bei, dieses Prinzip zu etablieren.
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Zusammen zeigen die Erkenntnisse, wie eine anfängliche, geringe Bevorzugung durch chemische Reaktionen anwachsen könnte, bis eine Molekülform dominiert. Das ist ein plausibler Weg zur Homochiralität – also zum Überwiegen einer spiegelbildlichen Form. Es ist aber kein Beweis dafür, dass genau dieser Prozess die Asymmetrie des Lebens hervorgebracht hat.
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Reaktion auf die Nobelpreis-Nachricht
Heiner Linke, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie, sagte, die ausgezeichnete Forschung beschäftige sich mit einem mehr als hundert Jahre alten Rätsel: Wie kann Homochiralität spontan entstehen?
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Soai sagte kurz nach der Bekanntgabe in einem Telefoninterview: „Ich bin sehr aufgeregt über die Nachricht. Gute Nachrichten. Sehr gute Nachrichten.“
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