Die Bühne gehörte stattdessen der Demokratischen Republik Kongo. Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte schlug dann die historische Stunde: Arthur Masuaku brachte eine scharfe Flanke von der linken Seite in den Strafraum, und Stürmer Yoane Wissa stieg am höchsten und köpfte zum 1:1 ein . Wie in der Bundesliga aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart bekannt, bewies der Angreifer auch auf der größten Bühne seine Kaltschnäuzigkeit. Dieser Treffer war nicht nur ein Ausgleich – es war das allererste WM-Tor in der Geschichte des Landes
. Das Unentschieden sicherte der DR Kongo zudem den ersten Punkt bei einer Weltmeisterschaft überhaupt – eine Sensation, die unter den kongolesischen Fans im Stadion und weltweit für unbeschreibliche Ekstase sorgte
.
Mit der noch ausstehenden Partie zwischen Usbekistan und Kolumbien ist die Gruppe nach dem ersten Spieltag fest in Außenseiter-Hand :
| Platz | Team | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Demokratische Republik Kongo | 1 | 0 | 1 | 0 | 1:1 | 0 | 1 |
| 2 | Portugal | 1 | 0 | 1 | 0 | 1:1 | 0 | 1 |
| 3 | Usbekistan | 0 | 0 | 0 | 0 | 0:0 | 0 | 0 |
| 4 | Kolumbien | 0 | 0 | 0 | 0 | 0:0 | 0 | 0 |
War die Partie in Houston eine taktische Schlacht, glich das darauffolgende Spiel im AT&T Stadium im texanischen Arlington einer wilden Achterbahnfahrt mit offenem Visier. Am Ende hieß es 4:2 für England, doch der deutliche Ergebnisstand täuscht über die zahlreichen Wackler des Teams von Thomas Tuchel hinweg .
Es war Harry Kane, der das Toreschießen eröffnete – wenn auch nicht ohne dramatische Umstände. In der 12. Minute trat der Kapitän zum Elfmeter an, scheiterte aber zunächst an Kroatiens Keeper Dominik Livaković. Doch der Schlussmann hatte die Torlinie zu früh verlassen, eine Regel, die seit ihrer konsequenten Durchsetzung bei Turnieren immer wieder für Gesprächsstoff sorgt. Den fälligen Wiederholungsschuss verwandelte Kane eiskalt zur 1:0-Führung .
Doch die Kroaten, bekannt für ihre Nehmerqualitäten, zeigten Charakter. Martin Baturina, das Mittelfeld-Juwel von Dinamo Zagreb, erzielte in der 36. Minute den nicht unverdienten Ausgleich zum 1:1 mit einem platzierten Abschluss vom Strafraumeck . Englands Antwort folgte kurz vor dem Pausenpfiff: Eine maßgeschneiderte Ecke von Declan Rice nickte Kane zum 2:1 ein. Es war bereits sein zweiter Treffer des Abends und sein insgesamt zehntes Tor bei einer Weltmeisterschaft. Damit zog der Stürmer von Bayern München mit der englischen Stürmerlegende Gary Lineker gleich, der diesen Rekord seit 1990 innehatte
.
An Aufatmen war aber nicht zu denken. In der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte setzte Petar Musa, Stürmer vom FC Dallas, das texanische Publikum in Ekstase und schockte die Engländer mit dem 2:2-Pausenstand . Der Treffer zeigte symptomatisch die Defensivprobleme in Tuchels neuformierter Mannschaft auf.
Die Kabinenansprache des deutschen Trainers schien jedoch zu wirken. Kaum 120 Sekunden nach Wiederbeginn zappelte der Ball erneut im kroatischen Netz. Jude Bellingham, der Antreiber von Real Madrid, brachte England mit einem energischen Solo und platzierten Abschluss mit 3:2 wieder in Front und bewies einmal mehr seine Extraklasse in den entscheidenden Momenten .
England drängte auf die Entscheidung, Rechtsverteidiger Djed Spence verpasste das 4:2 nur knapp . In der 85. Minute erlöste dann Joker Marcus Rashford die englischen Fans endgültig. Nach einer glänzenden Vorarbeit von Bukayo Saka schlenzte der Stürmer von Manchester United den Ball unhaltbar ins lange Eck und besiegelte den 4:2-Endstand
.
Mit dem noch ausstehenden Duell zwischen Ghana und Panama ergibt sich folgendes Bild in der Gruppe L :
| Platz | Team | Sp. | S | U | N | Tore | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | England | 1 | 1 | 0 | 0 | 4:2 | +2 | 3 |
| 2 | Ghana | 0 | 0 | 0 | 0 | 0:0 | 0 | 0 |
| 3 | Panama | 0 | 0 | 0 | 0 | 0:0 | 0 | 0 |
| 4 | Kroatien | 1 | 0 | 0 | 1 | 2:4 | -2 | 0 |
Für Portugal ist das Remis ein herber Rückschlag mit Ansage. Als designierter Gruppensieger setzt der Punktverlust gegen den krassesten Außenseiter die Mannschaft bereits jetzt maximal unter Druck. Die beiden ausstehenden Spiele gegen Usbekistan und Kolumbien werden zu echten Bewährungsproben . Die erschreckende Harmlosigkeit in der Offensive – ein einziger Torschuss in 90 Minuten – dürfte Trainer Martínez Magenschmerzen bereiten.
Für die Demokratische Republik Kongo ist das Ergebnis ein Triumph mit gewaltiger Signalwirkung. Der Punktgewinn gegen einen der Top-Favoriten des Turniers eröffnet völlig neue Perspektiven. Dank des auf 48 Teams aufgeblähten Formats mit der neu eingeführten Runde der letzten 32, die auch den acht besten Gruppendritten das Weiterkommen ermöglicht, ist jeder Zähler Gold wert. Der Traum vom erstmaligen Einzug in die K.o.-Phase lebt .
Für England ist der Sieg ein idealer, wenn auch fehlerbehafteter Start in die Ära Tuchel. Die neu gewonnene offensive Spielfreude und die Fähigkeit, zweimal nach einem Ausgleich zurückzuschlagen, sind starke Signale. Allerdings offenbarten die teilweise haarsträubenden Abwehrfehler, dass noch viel Arbeit auf den ehemaligen Chelsea-Coach wartet. Mit Kanes Rekordtor und Bellinghams Gala im Rücken scheint die Grundlage für den Gruppensieg jedoch gelegt.
Für Kroatien ist die Niederlage ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Die Mannschaft von Trainer Zlatko Dalić demonstrierte einmal mehr ihren unverwüstlichen Kampfgeist und ihre technische Klasse. Ohne Punkte aus dem schwersten Gruppenspiel dazustehen, ist keine Katastrophe. Siege in den beiden verbleibenden Partien gegen Ghana und Panama sollten den Vizeweltmeister von 2018 fast sicher in die nächste Runde katapultieren.
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