Die Messe war in drei Säulen gegliedert: KI & Computing, Robotik & Mobilität und Next-Gen Tech . In allen Hallen und Keynotes war die Botschaft einheitlich: Die Industrie bewegt sich von Chatbots zu Agenten und von der reinen Cloud hin zu hybrider Edge-und-Rechenzentrum-Infrastruktur.
Qualcomm-Präsident und CEO Cristiano Amon nutzte die Eröffnungs-Keynote, um 2026 zum „Jahr des Agenten“ zu erklären . Seine These: KI entwickelt sich von passiven Chat-Abfragen hin zu autonomen Systemen, die Absichten interpretieren, Aufgaben aufschlüsseln, Daten koordinieren und über Handys, PCs, Autos und Roboter hinweg Aktionen ausführen können . In Amons Sichtweise ist das Smartphone nicht länger das Zentrum des digitalen Lebens – KI-Agenten sind es .
Dragonfly war die größte Hard-Enthüllung der Keynote: eine neue Marke für KI-Inferenz-Chips im Rechenzentrum, die Qualcomms formellen Einstieg in den Server-Markt markiert . Dragonfly zielt auf KI-Inferenz-Workloads im gesamten von Qualcomm erträumten „Computing Continuum“ ab – einer einheitlichen Architektur, die Arbeitslasten dynamisch von Wearables im Milliwatt-Bereich bis hin zu Rechenzentren im Megawatt-Maßstab ausbalancieren kann . Amon bestätigte, dass Qualcomm bereits mit Hyperscalern und globalen Partnern an der Bereitstellung arbeitet, hielt sich aber mit detaillierten Spezifikationen und Fahrplänen zurück und verwies auf den Investor Day am 24. Juni . Der Schritt verleiht Qualcomm ein Drei-Marken-Portfolio – Snapdragon für Verbraucher, Dragonwing für das industrielle IoT und nun Dragonfly für das Rechenzentrum – und ermöglicht es dem Unternehmen, im gesamten agentenorientierten KI-Infrastruktur-Stack zu konkurrieren .
Intels Keynote, geleitet von CEO Lip-Bu Tan und Datencenter-Chef Kevork Kevorkian, baute ihre gesamte Erzählung auf der These auf, dass agentische KI eine CPU-Renaissance vorantreibt. Die Kernbotschaft: Da die Arbeitslasten für KI-Inferenz und Agenten-Orchestrierung explodieren, werden CPUs einen wachsenden Anteil der Arbeit übernehmen, die GPUs allein nicht kosteneffizient skalieren können .
Xeon 6+ (Clearwater Forest): Im Zentrum dieser Strategie steht der neue Xeon 6+-Prozessor, Intels erste Datencenter-CPU auf dem Intel 18A-Fertigungsprozess. Er verfügt über 288 Efficient-Cores und 576 MB L3-Cache und ist auf Cloud-native, skalierbare Workloads mit maximaler Rechendichte und Effizienz pro Watt ausgelegt . Intel zufolge kann ein einzelnes Rack mit Xeon 6+-Prozessoren gleichzeitig bis zu 150.000 KI-Agenten unterstützen .
Rack-Scale-KI-Infrastruktur: Intel stellte eine neue Rack-Scale-Referenzarchitektur vor, die gemeinsam mit SambaNova Systems (unter Verwendung der SambaNova SN-50 Reconfigurable Dataflow Units RDUs) und Foxconn (Fertigung und Integration) entwickelt wurde . Das Design kombiniert Intel Xeon-Prozessoren mit SambaNovas RDUs zur Beschleunigung von Inferenz- und Agenten-Workloads. Ein einziges flüssigkeitsgekühltes 32U-Rack kann 36.864 Kerne bei etwa 100 kW Rack-Leistung liefern und richtet sich an Hyperscaler und Großunternehmen . Intel kündigte auch eine CPU-dichte Variante für Workloads an, die auf GPU-artige Beschleunigung verzichten .
800er-Serie Ethernet und Crescent Island GPU: Intel erweiterte sein Netzwerk-Portfolio mit den neuen E835-Controllern und ließ mit Crescent Island, seiner nächsten GPU-Generation für KI-Beschleunigung, aufhorchen. Dies signalisiert den Versuch, auf dem gesamten Systemlevel zu konkurrieren, nicht nur auf dem Sockel .
Taiwans führende Industriecomputer-Hersteller nutzten die Computex, um zu beweisen, dass Edge-KI-Hardware für reale physische Einsätze bereit ist. Der rote Faden: maßgeschneiderte Systeme für Vision, Robotik und Fertigungs-Inferenz.
DFI präsentierte industrielle Edge-KI-Plattformen auf Basis von NVIDIA Jetson Orin-Modulen, darunter der X6-ORN-GMSL für kompakte eingebettete Vision, der X6X-ORN für raue Außenumgebungen und der X6a-AGX für hochbandbreitige Multi-Kamera-Systeme – alle darauf ausgelegt, Computer Vision schneller ins Feld zu bringen . DFI zeigte zudem einen kompakten, wandmontierten Edge-KI-Server für Smart-City-Anwendungen in Zusammenarbeit mit Mobilint, demonstriert mit einer Echtzeit-Waffenerkennung mittels Vision-KI und Vision Language Models .
ADLINK präsentierte unter dem Motto „Leading Edge AI Computing“ sieben Anwendungszonen, die humanoide Roboter, unbemannte Fahrzeuge, intelligente Fertigung und 3D-Medizinbildgebung abdeckten . Der Höhepunkt war Moby, ein humanoider Roboter von Noble Machines, der von einer ADLINK Edge-KI-Plattform auf Basis von NVIDIA Jetson Thor angetrieben wurde und Echtzeit-Sensorfusion und Ganzkörpersteuerung zeigte .
Advantech machte Edge-KI zu seinem erklärten Wachstumstreiber und kündigte eine neue Generation integrierter Edge-KI-Plattformen mit mindestens 100 TOPS Rechenleistung an . Das Unternehmen stellte eine dreistufige Architektur vor – Edge-KI Embedded-Module, AI-Appliance-Systeme und HPC-Plattformen – als Bausteine für KI in Fertigung, Logistik und Einzelhandel .
Anmerkung zu MINISFORUM: Die Recherchen ergaben keine direkte Berichterstattung über MINISFORUM-Ankündigungen auf der Computex 2026. Obwohl das Unternehmen für kompakte Edge- und Mini-PCs bekannt ist, konnten in den verfügbaren Quellen keine spezifischen Produkte oder Neuigkeiten von der diesjährigen Messe bestätigt werden.
Die Keynotes und Ausstellerhallen der Computex 2026 machten die nächste Priorität der Branche unmissverständlich klar: KI verlässt den Bildschirm und dringt in die physische Welt vor. Die Organisatoren beschrieben diesen Wandel als eine Transformation „jenseits des Wettlaufs um Rechenleistung“ hin zu realer Robotik, autonomer Mobilität und intelligenter Industrie . Intels Rack-Scale-Blaupausen und der Xeon 6+-Prozessor, Qualcomms durchgängiges Computing-Continuum und die Dragonfly-Chip-Marke sowie die Flut an Edge-KI-Systemen von DFI, ADLINK und Advantech sind alles Teile desselben Puzzles: dem Bau der Infrastruktur für KI, die handelt, nicht nur konversiert.