Am stärksten beschleunigte sich die Infrastructure Solutions Group (ISG), also der Geschäftsbereich für Rechenzentrums- und Serverlösungen.
Diese Zahlen erklären, warum KI-Infrastruktur im Zentrum von Lenovos Wachstumsperspektive steht. Der Konzern profitiert nicht nur vom Verkauf von Geräten mit integrierten KI-Funktionen, sondern auch von der Nachfrage nach den Rechenkapazitäten, die für KI-Anwendungen benötigt werden.
Auch die Intelligent Devices Group (IDG) erzielte trotz des Kostendrucks in der Hardwarebranche ein Rekordquartal.
Der Umsatz stieg um 27 Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge blieb mit 7,1 Prozent stabil. Lenovo bezifferte seinen Anteil am weltweiten PC-Markt auf 24,2 Prozent und seinen Anteil am Markt für KI-PCs auf 25,1 Prozent. Der Tablet-Umsatz legte um mehr als 80 Prozent zu, während der Smartphone-Umsatz um 15 Prozent auf einen Rekordwert für ein erstes Geschäftsjahresquartal stieg.
Strategisch ist das Gerätegeschäft wichtig, weil es Lenovo Reichweite, Vertrieb und direkte Kundenbeziehungen verschafft. Diese Basis kann der Konzern für sein umfassenderes KI-Angebot nutzen. Die Quartalszahlen deuten darauf hin, dass die KI-Nachfrage nicht auf Rechenzentren beschränkt bleibt, sondern auch PCs, Tablets und Smartphones erfasst.
Die Solutions and Services Group (SSG) meldete ebenfalls ihr bestes erstes Quartal.
Der Umsatz wuchs um 28 Prozent auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Das operative Ergebnis stieg um 39 Prozent auf 697 Millionen US-Dollar, die operative Marge erreichte 24,2 Prozent. Der Umsatz mit KI-Dienstleistungen wuchs im dreistelligen Prozentbereich, während der Umsatz des verbrauchsabhängigen Angebots TruScale um 35 Prozent zulegte. Managed Services sowie Projekte und Lösungen machten zusammen mehr als 62 Prozent des SSG-Umsatzes aus.
Damit kann Lenovo KI auch nach dem ursprünglichen Hardwareverkauf monetarisieren. Beratung, betreute Dienste und nutzungsabhängige Angebote können die Kundenbeziehungen vertiefen und die Abhängigkeit von einzelnen Austauschzyklen bei Geräten oder Servern verringern.
Lenovo erklärte, das Unternehmen habe Lieferengpässe und Kosteninflation dank seiner Größe, der Beziehungen zu Zulieferern, seines durchgängigen Betriebsmodells und seines „Global/Local“-Ansatzes in der Lieferkette bewältigen können.
Das ist in einem Quartal mit hoher Nachfrage nach KI-Hardware besonders relevant. Viele Unternehmen konkurrieren um begrenzte Komponenten. Lenovos Zahlen zeigen, dass operative Umsetzung und Lieferfähigkeit entscheidend dafür waren, Marktinteresse in tatsächlichen Umsatz zu verwandeln. Die Lieferkette präsentiert sich damit nicht bloß als interne Unterstützungsfunktion, sondern als Teil der Wettbewerbsstrategie.
Lenovo erhöhte seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Quartal um 30 Prozent auf 682 Millionen US-Dollar.
Die Investitionen sollen das Hybrid-AI-Portfolio über Geräte, Infrastruktur und Dienstleistungen hinweg ausbauen. Lenovos Ansatz verbindet KI-Funktionen, die direkt auf Endgeräten laufen, mit KI-Leistungen aus Rechenzentren und Cloud-Infrastrukturen. So will der Konzern unterschiedliche Anforderungen entlang der gesamten Technologiekette abdecken.
Lenovo ist offizieller Technologiepartner der FIFA für die Weltmeisterschaft 2026. Nach Unternehmensangaben stellt der Konzern für das Turnier in drei Ländern, 16 Städten, mit 48 Mannschaften und bei 104 Spielen Geräte, Infrastruktur, Dienstleistungen, Lösungen und KI-Funktionen bereit. Diese Technologie soll unter anderem den Veranstaltungsbetrieb, Übertragungen, Mannschaftsanalysen, die Schiedsrichterarbeit und Fan-Erlebnisse unterstützen.
Die Partnerschaft ist deshalb mehr als ein Sponsoring mit hoher Sichtbarkeit. Ein globales Großereignis dieser Größenordnung bietet Lenovo die Möglichkeit, das Zusammenspiel aus Endgeräten, Rechenzentrumsinfrastruktur, Services und KI unter realen Bedingungen zu demonstrieren. Das Unternehmen sieht darin außerdem Chancen für Kundenkontakte und neue Geschäftsmöglichkeiten.
Verwaltungsratsvorsitzender und CEO Yuanqing Yang erklärte, das Quartal bestätige Lenovos strategische Weitsicht, operative Umsetzung und Innovationskraft. KI sei in allen Geschäftsbereichen zu einem Wachstumsmotor geworden. Die Hybrid-AI-Strategie versetze Lenovo nach seiner Einschätzung in die Lage, Marktzyklen zu bewältigen, nachhaltiges langfristiges Wachstum anzustreben und den Wert für die Aktionäre zu steigern.
Die praktische Bewährungsprobe steht allerdings noch aus. Lenovo muss zeigen, dass sich das profitable Wachstum fortsetzen lässt, wenn sich die Nachfrage nach KI-Infrastruktur verändert, Komponentenpreise schwanken und die Forschungsinvestitionen weiter steigen. Für den Moment profitiert der Konzern von mehreren Trends gleichzeitig: starken PC- und Smartphone-Verkäufen, einer rasch wachsenden Infrastruktursparte, zunehmenden KI-Services und einer Lieferkette, die diese Nachfrage bedienen kann.
Lenovos Rekordquartal spricht dafür, dass die KI-Strategie inzwischen im gesamten Unternehmen ankommt und nicht auf eine einzelne Produktkategorie beschränkt ist. Der klarste Wachstumstreiber war die Infrastruktur, während das Gerätegeschäft die größte Umsatzbasis lieferte und die Services die höchste Marge erzielten.
Die wichtigsten Kennzahlen sind daher beeindruckend, aber differenziert zu betrachten: 26,9 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,075 Milliarden US-Dollar bereinigter Nettogewinn stehen einem offiziellen Verlust gegenüber, der weitgehend auf nicht zahlungswirksame Bilanzierungseffekte zurückgeht. Die entscheidende Frage lautet nun, ob Lenovo die ungewöhnliche Kombination aus KI-Nachfrage, Größenvorteilen und einem breit aufgestellten Portfolio in dauerhaftes Wachstum verwandeln kann.