Daraufhin fuhr Saudi Aramco die gesamte Raffinerie zwischen dem 27. und 28. Juli 2026 herunter. Einem von Reuters eingesehenen Vermerk der Beratungsfirma IIR zufolge wurde die Anlage vom Netz genommen, nachdem der IGCC-Komplex und das Tanklager beschädigt worden waren. Die Reparaturen sollten voraussichtlich bis zum 15. August abgeschlossen sein .
Nur zwei Wochen später, am 9. August 2026, brach erneut ein Feuer im Jazan-Komplex aus. Die Werkfeuerwehr von Saudi Aramco konnte den Brand löschen, das Energieministerium meldete keine Verletzten. Die Ursache wurde nicht bekannt gegeben . Ob es sich um einen erneuten Angriff oder einen Betriebsunfall handelte, blieb zunächst unklar.
Am selben Tag, dem 9. August 2026, war eine laute Explosion in der Region Jubail zu hören. Regionale Quellen berichteten, dass Gasanlagen in der Jubail Industrial City angegriffen worden seien und ein Feuer ausgebrochen sei . Israelische Medien berichteten, die Huthis stünden hinter dem Angriff auf die Gasanlage . Auch die Nachrichtenagentur News18 meldete, das Saudi-Aramco-Berri-Gaswerk in Al Jubail – eine der größten Gasaufbereitungsanlagen des Königreichs – sei getroffen worden. NASA-FIRMS-Satellitendaten zeigten ein massives Feuer am Standort und detektierten eine geschätzte Brandstrahlungsleistung von 125 Megawatt . Es war der erste gemeldete Angriff auf saudische Energieanlagen seit etwa zwei Wochen .
Bereits am 7. April 2026 war Jubail schon einmal Ziel eines Angriffs gewesen – damals allerdings durch den Iran direkt. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) bekannten sich zu einem Angriff auf den petrochemischen Komplex in Jubail, dem Herzstück der saudischen Weiterverarbeitungsindustrie, als Vergeltung für Angriffe auf die iranischen Asaluyeh-Anlagen .
Den physischen Angriffen auf Jazan und Jubail vorausgegangen war eine rapide Zuspitzung der Huthi-Drohungen im Sommer 2026. Die Chronologie dieser Warnungen ist entscheidend für das Verständnis der strategischen Absicht:
Die Angriffe auf die saudische Energieinfrastruktur standen nicht im luftleeren Raum. Sie waren Teil eines beispiellosen geopolitischen Bebens, bei dem zwei der wichtigsten Öltransitwege der Welt gleichzeitig blockiert wurden.
Straße von Hormus: Nachdem die USA und Israel am 28. Februar 2026 mit Angriffen auf den Iran begonnen hatten, schlug Teheran zurück. Die Revolutionsgarden setzten Drohnen, ballistische Raketen und Schnellboote ein, um Schiffe zu bedrohen und anzugreifen, die die Meerenge passieren wollten. Versicherungen wurden unbezahlbar oder gar nicht mehr angeboten, der kommerzielle Schiffsverkehr kam faktisch zum Erliegen .
Bab-el-Mandeb-Straße: Am 20. Juli 2026 verhängten die Huthis eine Seeblockade gegen saudische Schiffe, die die Bab-el-Mandeb-Straße passieren wollten . Drei Tage später, am 23. Juli, griffen die Huthis zwei saudische Öltanker im Roten Meer an . Die Schließung beider Meerengen bedeutete, dass die Welt „sowohl eine wichtige Versorgungsquelle als auch einen Teil der Transportroute verlor“ .
Die Märkte reagierten heftig. Die Ölpreise schnellten Ende Juli auf über 100 US-Dollar pro Barrel. Brent-Rohöl notierte am 23. Juli erstmals seit Mai wieder über der psychologisch wichtigen Marke . Analysten prognostizierten, dass die Preise auf über 115 bis 120 Dollar steigen könnten, falls die Versorgungsengpässe andauerten . Die doppelte Blockade hatte Saudi-Arabien faktisch in eine Zange genommen – die Ostexporte den Golf hinunter wurden durch die Hormus-Blockade unterbunden, die Westexporte via Rotes Meer durch die Huthi-Blockade.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 28. Feb. 2026 | USA/Israel greifen Iran an; Iran blockiert die Straße von Hormus |
| 7. Apr. 2026 | IRGC greift petrochemischen Komplex in Jubail an |
| 3. Jul. 2026 | Huthis drohen Saudi-Arabien wegen Sanaa-Flugvorfalls |
| 13. Jul. 2026 | Huthis beschießen Saudi-Arabien mit Raketen, brechen jahrelange Ruhe |
| 16. Jul. 2026 | Huthi-Führer droht, alle saudischen Öl-, Flughafen- und Hafenanlagen anzugreifen |
| 20. Jul. 2026 | Huthis verhängen Seeblockade in der Bab-el-Mandeb-Straße |
| 23. Jul. 2026 | Huthis greifen zwei saudische Öltanker im Roten Meer an; Ölpreis über 100 Dollar |
| 25. Jul. 2026 | Huthi-Raketen- und Drohnenangriff trifft Aramco-Raffinerie in Jazan, Tankbrände |
| 27.–28. Jul. 2026 | Jazan-Raffinerie nach Schäden am IGCC-Komplex und Tanklager stillgelegt |
| 6.–7. Aug. 2026 | Saudi-Arabien erwartet unmittelbare koordinierte Angriffe aus Nord und Süd |
| 9. Aug. 2026 | Neues Feuer in Jazan + Explosion und Brand im Berri-Gaswerk in Jubail |
Stand 9. August 2026 blieb die Situation extrem volatil. Saudi-Arabien rechnete mit weiteren Angriffen an mehreren Fronten, während zwei der kritischsten Energie-Nadelöhre der Welt faktisch geschlossen waren. Die Huthi-Kampagne hatte eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage und willens ist, tief in die saudische Energieinfrastruktur einzudringen. Das Rote Meer entwickelte sich so zu einer neuen Frontlinie in einem sich ausweitenden regionalen Konflikt, der weit über den Jemen hinausreicht. Der direkte Effekt – explodierende Ölpreise, gestörte Lieferketten und eine drohende globale Energiekrise – machte diese Ereignisse zu einem Wendepunkt im Verständnis der Wechselwirkung zwischen regionaler Geopolitik und globaler Energiesicherheit.