Zusätzliche Unterstützung kam von größeren Marktteilnehmern. Nach Daten von Lookonchain zogen drei neu angelegte Wallets innerhalb weniger Stunden insgesamt 30.000 ETH im Wert von ungefähr 57,6 Millionen US-Dollar von Coinbase Prime ab . Solche Abflüsse können darauf hindeuten, dass erfahrene Anleger ihre Coins von Handelsplattformen in eigene Verwahrung, in DeFi-Protokolle oder in andere langfristige Anlageformen verschieben. Dadurch sinkt das kurzfristig zum Verkauf stehende Angebot.
Am Mittwoch, dem 5. August, verzeichneten US-Spot-ETFs auf Ethereum Nettozuflüsse von 53,1 Millionen US-Dollar. Damit kehrte nach einem kurzen Abfluss wieder frisches Kapital in die Produkte zurück .
Auch der Monatsvergleich fällt zunächst positiv aus: Im Juli zogen Ethereum-ETFs insgesamt 365,17 Millionen US-Dollar an. Laut Daten von SoSoValue war dies der beste Monatswert seit neun Monaten . Allerdings verlor die Dynamik gegen Monatsende deutlich an Kraft. Die wöchentlichen Zuflüsse lagen in der Woche bis zum 24. Juli noch bei 103,9 Millionen US-Dollar, fielen bis zum 31. Juli aber auf 27,42 Millionen US-Dollar .
Zum historischen Vergleich: Im Juli 2025 hatten US-Spot-ETFs auf Ethereum mit 5,41 Milliarden US-Dollar einen Rekordzufluss verbucht . Diese Zahl stammt jedoch aus einem anderen Marktzyklus und ist wegen der damals höheren Kurse und Handelsvolumina nur eingeschränkt mit der aktuellen Entwicklung vergleichbar.
Ein weiterer unterstützender Faktor ist der langfristige Rückgang des sogenannten Exchange Supply Ratio (ESR). Die Kennzahl misst, welcher Anteil des gesamten Ether-Angebots auf Kryptobörsen liegt. Ende 2025 war der Wert auf ungefähr 0,137 gefallen – den niedrigsten Stand seit 2016 .
Auch die Börsenbestände insgesamt gingen zurück: Im Dezember 2025 lagen nur noch 8,7 Prozent des gesamten ETH-Angebots auf zentralisierten Handelsplattformen. Das entsprach einem Rückgang von 43 Prozent seit Juli desselben Jahres . Auf Binance, der Börse mit dem größten ETH-Bestand unter den Handelsplattformen, sank der ESR auf etwa 0,0325 .
Für eine Erholung ist das grundsätzlich ein Rückenwind. Rund 34 Prozent des Ether-Angebots sind inzwischen gestakt; weitere Mengen liegen in DeFi-Protokollen oder werden von institutionellen Verwahrstellen gehalten. Damit ist der unmittelbar an Börsen verfügbare Bestand vergleichsweise knapp. Als Gründe für den Abfluss nennen Analysten unter anderem Staking-Erträge, die Verlagerung von Aktivitäten auf Layer-2-Netzwerke und die langfristige Akkumulation durch Institutionen .
Ein sinkendes Börsenangebot garantiert allerdings keinen steigenden Kurs. Es reduziert vor allem die sofort verfügbare Verkaufsliquidität. Damit daraus ein nachhaltiger Preisanstieg entsteht, muss gleichzeitig ausreichend neue Nachfrage in den Markt kommen.
Ethereum hat sich dem Bereich um 2.000 US-Dollar innerhalb von sechs Wochen bereits zweimal genähert. In beiden Fällen setzte der Kurs bei nachlassendem Momentum zurück . Für die kommenden Handelstage sind daher mehrere Marken besonders wichtig:
Auf der Unterseite ist insbesondere der Bereich unter 1.825 US-Dollar riskant. Daten von Coinglass zeigen dort Long-Liquidierungen im Umfang von etwa 1,016 Milliarden US-Dollar. Ein Durchbruch könnte daher automatisierte Verkäufe auslösen und die Erholung deutlich beschädigen . Unterhalb von 1.754 US-Dollar wäre das bullische Szenario vollständig negiert .
Trotz der jüngsten Erholung ist Ethereum noch weit von einer bestätigten Trendwende entfernt. Der Kurs liegt rund 62 Prozent unter dem Allzeithoch von 4.951,66 US-Dollar, das am 24. August 2025 erreicht wurde . Zudem war das Volumen bei den jüngsten Ausbruchsversuchen rückläufig. Ein Tagesschluss oberhalb der Zone von 1.900 bis 2.000 US-Dollar bei deutlich höherer Marktteilnahme wäre nötig, um den Anstieg in Richtung höherer Ziele zu bestätigen .
Derzeit wächst vor allem die Nachfrage über das ETF-Segment. On-Chain-Aktivität und das Interesse von Privatanlegern bleiben dagegen gedämpft. Ohne einen zusätzlichen Impuls – etwa eine geldpolitische Wende der US-Notenbank, regulatorische Fortschritte oder eine Veränderung des makroökonomischen Umfelds – könnte Ethereum an der starken Widerstandszone um 2.000 US-Dollar erneut scheitern.
Damit befindet sich ETH vorerst in einer technischen Grauzone: Das knapper werdende Börsenangebot und institutionelle Zuflüsse sprechen für die Käufer. Der weiterhin schwierige makroökonomische Hintergrund und das nachlassende Momentum sprechen dagegen. Die nächsten Handelssitzungen werden vor allem zeigen, ob Ethereum die Zone zwischen 1.940 und 1.965 US-Dollar überwinden kann – oder ob die Bewegung vom 6. August lediglich ein weiterer Bärenmarkt-Rebound war.