Damit setzt Mastercard nicht mehr nur auf Partnerschaften im Digital-Asset-Bereich. Der Zahlungsnetzbetreiber übernimmt die Infrastruktur selbst – ein deutliches Signal dafür, dass Stablecoins vom Krypto-Spezialthema zu einem Bestandteil der globalen Zahlungsarchitektur werden.
Mastercard und BVNK beschreiben ihre gemeinsame Strategie als Aufbau eines „Netzwerks für jede Form von Geld“ . Gemeint ist ein Zahlungsnetz, in dem klassische Fiatwährungen, Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte miteinander verbunden werden.
Für Unternehmen soll der Wechsel zwischen diesen Systemen möglichst unsichtbar werden. Eine Zahlung könnte beispielsweise in einer Fiatwährung angestoßen, als Stablecoin über eine Blockchain abgewickelt und anschließend wieder in Euro, US-Dollar oder Pfund gutgeschrieben werden.
Die wichtigsten Bausteine dieser Vision sind:
BVNK betrachtet Stablecoins dabei nicht als Ersatz für jede bestehende Zahlungsart, sondern als einen weiteren Zahlungsweg, der mit Karten- und Bankrails sowie schnelleren Zahlungssystemen wie RTP zusammenarbeiten kann .
BVNK ist kein klassischer Stablecoin-Emittent und auch keine reine Krypto-Börse. Das Unternehmen liefert eine Unternehmensinfrastruktur für Stablecoin-Zahlungen. Sie soll Firmen und Fintechs helfen, digitale und klassische Währungen in ihre bestehenden Produkte und Abläufe einzubinden .
Zu den zentralen Angeboten gehören:
BVNK war in mehr als 130 Ländern aktiv. Zu den genannten Kunden und Partnern zählen unter anderem Worldpay, Deel, Flywire und Corpay . Für Banken und Finanzdienstleister ist besonders interessant, dass die Plattform klassische Zahlungswege mit Blockchain-Netzwerken verbindet. Citi Ventures bezeichnete diese Infrastruktur als wichtigen Baustein für eine digitale Wirtschaft, die rund um die Uhr funktioniert .
Die Übernahme ist auch für den Venture-Capital-Investor Concentric bemerkenswert. Er gehörte zu den frühesten institutionellen Geldgebern von BVNK und investierte, als das Unternehmen mit ungefähr 4 Millionen US-Dollar bewertet wurde .
Concentric beteiligte sich außerdem an der 40 Millionen Dollar schweren Series-A-Runde im Mai 2022, die von Tiger Global angeführt wurde, und unterstützte BVNK auch in späteren Finanzierungsrunden .
Auf Basis einer Übernahmewertung von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar entspricht die Entwicklung der ursprünglichen Beteiligung einer geschätzten Rendite von mindestens etwa 375-mal – vor Berücksichtigung einer möglichen Verwässerung . Damit zählt der BVNK-Exit zu den außergewöhnlichsten Ergebnissen im europäischen Fintech-Venture-Capital-Markt. Concentric selbst bezeichnete die Transaktion als Meilenstein für das Stablecoin-Ökosystem .
Mastercard arbeitet bereits seit Jahren an der Verbindung von Karten, Blockchain-Technologie und digitalen Vermögenswerten. Dazu gehören kryptobezogene Kartenprogramme, Patente für Blockchain-Abwicklungen und das eigene Multi-Token Network. Mit BVNK erhält Mastercard nun jedoch direkten Zugriff auf eine bestehende Infrastruktur, statt sich ausschließlich auf externe Partner zu stützen .
Der strategische Vorteil liegt vor allem in der Verbindung zweier Stärken:
Auch Visa verfolgt eine ähnliche Richtung und arbeitet an Stablecoin-Abwicklungen und entsprechenden Partnerschaften. Der Mastercard-BVNK-Deal unterscheidet sich jedoch dadurch, dass Mastercard die Infrastruktur vollständig übernimmt und nicht nur auf Kooperationen setzt .
Die Zahlen von BVNK deuten auf eine Verschiebung bei den Anwendungsfällen hin. Das genannte Volumen von 30 Milliarden Dollar und das Wachstum um das 2,3-Fache binnen eines Jahres entfallen nach Unternehmensangaben auf reale Zahlungsströme: grenzüberschreitende B2B-Zahlungen, Händlerabrechnungen, Treasury-Transfers und internationale Gehaltszahlungen .
Das erklärt, warum traditionelle Zahlungsnetzwerke inzwischen stärker auf Stablecoins setzen. Für Unternehmen können sie eine schnellere Abwicklung über Ländergrenzen hinweg ermöglichen. Für Banken und Fintechs wiederum bieten sie eine zusätzliche programmierbare Zahlungsschicht – vorausgesetzt, Fragen zu Regulierung, Liquidität, Verwahrung und Geldwäscheprävention sind zuverlässig gelöst.
Die BVNK-Übernahme ist deshalb mehr als eine große Krypto-Transaktion. Sie zeigt, dass die etablierten Zahlungsnetzwerke Stablecoin-Infrastruktur zunehmend als strategische Kerntechnologie betrachten – und nicht länger als optionales Zusatzangebot für einen kleinen Kreis von Digital-Asset-Nutzern .