Die Umfrage machte zudem eine Lücke beim Vertrauen in die eigene Medienerziehung sichtbar: Nur 37 Prozent der Eltern sagten, sie fühlten sich sicher genug, die digitalen Gewohnheiten ihres Kindes zu begleiten. Als Gründe für fehlendes Vertrauen nannten Eltern Zeitmangel, den Widerstand der Kinder gegen Regeln oder das Umgehen von Schutzfunktionen sowie fehlende Kenntnisse über Kontroll- und Überwachungsinstrumente. Mehr als die Hälfte wünschte sich mehr Unterstützung durch die Regierung.
Ein von The Straits Times geschilderter Fall veranschaulichte die Sorgen über exzessive Nutzung, sozialen Vergleich und das eigene Körperbild: Eine Mutter berichtete, dass ihre Töchter im Alter von unter 12 Jahren etwa vier Stunden täglich soziale Medien genutzt hatten.
Das MDDI und The Straits Times planten für den 25. Juli 2026 eine Diskussionsrunde mit Eltern. Sie sollte von 8.45 bis 13 Uhr im NTUC Centre, 1 Marina Boulevard, stattfinden. Ziel war es, Rückmeldungen zu den Vorschlägen der Regierung für mehr Kindersicherheit einzuholen und zugleich das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie eine kindersichere digitale Umgebung aussehen kann.
Im Mittelpunkt standen praktische Fragen, die sich nach dem Alter richten:
Zum angekündigten Podium gehörten Josephine Teo, Ministerin für Digitale Entwicklung und Information, die Staatsministerin Rahayu Mahzam, Dr. Lim Choon Guan, Leiter der Abteilung für Entwicklungspsychiatrie am Institute of Mental Health, sowie James Tan, Geschäftsführer von TOUCH Community Services. Moderieren sollte Karamjit Kaur, stellvertretende Chefredakteurin von The Straits Times.
Die Veranstaltung war Teil größerer Gesprächsrunden des MDDI mit Eltern und Jugendlichen im Juni und Juli. Diese wurden gemeinsam mit Partnern aus der Gemeinschaft organisiert, um Rückmeldungen zu sammeln und einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz für mehr Sicherheit von Kindern im Netz bekannt zu machen.
Das MDDI stellte einen abgestuften, also altersabhängigen Zugang als eine mögliche Lösung vor. Dahinter steht die Annahme, dass sich die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern mit zunehmender Reife verändern. Ministerin Teo erklärte, dass unterhalb eines bestimmten Alters ein vollständiger Ausschluss möglicherweise der beste Ansatz sei. Für ältere Kinder könnten jedoch schrittweise angepasste Schutzmaßnahmen sinnvoller sein als ein automatischer Ausschluss von jedem Dienst.
Damit nahm die Diskussion auch die Plattformen in die Pflicht. Nach Ansicht des MDDI sollten sichere digitale Umgebungen drei Bereiche berücksichtigen: welche Inhalte Kinder sehen, mit wem sie interagieren können und wie viel Zeit sie auf den jeweiligen Diensten verbringen. Die Regierung machte nach dem Forum deutlich, dass eine Zugangssperre nicht das bevorzugte Ergebnis sei. Sie könne jedoch gegen Plattformen eingesetzt werden, die notwendige Schutzmaßnahmen nicht bereitstellen.
Für Eltern bedeutet das: Es geht nicht nur um einen Geburtstag, ab dem der Zugang plötzlich freigeschaltet wird. Aufgeworfen wurden auch Fragen zur Altersprüfung, zur Gestaltung von Produkten, zur Moderation, zu Kontakt- und Interaktionseinstellungen sowie dazu, wie Plattformen ihre Angebote für jüngere Nutzer anpassen sollten.
Die Konsultationen fanden vor dem Hintergrund eines wachsenden Regelwerks zur Online-Sicherheit statt.
Der 2023 eingeführte „Code of Practice for Online Safety – Social Media Services“ verpflichtet bestimmte soziale Netzwerke, Systeme und Verfahren einzurichten, die den Zugang zu schädlichen Inhalten verringern sollen – besonders für Kinder.
Der im März 2025 eingeführte „App Distribution Services Code“ verpflichtet bestimmte App-Stores, den Kontakt mit schädlichen Inhalten zu reduzieren. Außerdem müssen sie Altersprüfungen einsetzen, damit Personen unter 18 Jahren nicht auf altersunangemessene Apps zugreifen können.
Die Online Safety Commission nahm im Juni 2026 ihre Arbeit auf. Sie bietet Opfern von Online-Schäden eine Möglichkeit, zeitnah Abhilfe zu verlangen. Eltern oder Erziehungsberechtigte können Meldungen auch im Namen von Kindern unter 18 Jahren einreichen.
Zusammengenommen verlagern diese Maßnahmen einen Teil der Verantwortung von den einzelnen Familien auf die Dienste, die digitale Produkte entwickeln, verbreiten und betreiben. Die elterliche Begleitung bleibt wichtig – sie soll durch die Regeln jedoch praktikabler werden.
Am 17. Juli veranstalteten das MDDI und das Institute of Policy Studies das MDDI-IPS-Forum „Fostering Child-Safe Digital Environments on Social Media“. Daran nahmen internationale Regulierungsbehörden, Partner aus Gemeinschaft und Wirtschaft, Wissenschaftler sowie weitere Experten teil. Diskutiert wurden die Zielkonflikte zwischen Mindestalter-Regeln, sichererem Plattformdesign, digitaler Medienkompetenz und der Verantwortung von Eltern, Plattformen und Politik.
Auch Jugendliche wurden einbezogen. Bei einer Gesprächsrunde am 4. Juli kamen rund 75 Teilnehmer im Alter von 13 bis 35 Jahren zusammen. Sie diskutierten, ob ein abgestufter Zugang soziale Medien für junge Nutzer sicherer machen könnte und welche Zugangsformen für verschiedene Altersgruppen angemessen wären.
Zusätzlich konnten Eltern von Kindern im Alter von 0 bis 17 Jahren bis Ende Juli über Singpass an der öffentlichen CrowdTask-Umfrage „Keeping Children Safe Online“ teilnehmen. Die Befragung zielte auf Rückmeldungen zu geplanten Verbesserungen der Online-Sicherheit. Nach Angaben des MDDI sollten die Ergebnisse helfen, den politischen Ansatz weiterzuentwickeln und Lücken beim öffentlichen Bewusstsein sowie bei den Erwartungen von Familien zu erkennen.
Singapur steuerte auf ein Modell gemeinsamer Verantwortung zu: Eltern begleiten ihre Kinder, Plattformen entwickeln sicherere Dienste, Fachleute bewerten Entwicklungs- und psychische Risiken, und die Regierung setzt Mindeststandards sowie Beschwerde- und Hilfswege.
Offen blieb, wie ein sinnvoller Ausgleich aussehen kann. Einerseits brauchen Kinder und Jugendliche Schutz vor schädlichen Inhalten, Kontakten und Nutzungsmechanismen. Andererseits gehören soziale Medien für viele junge Menschen bereits zum Alltag.
Die Gespräche drehten sich daher weniger um die abstrakte Frage, ob Kinder überhaupt online sein sollten. Im Mittelpunkt stand vielmehr, was sie in welchem Alter sehen, tun und erleben dürfen – und welche Schutzmaßnahmen direkt in die Dienste eingebaut werden müssen.