Besonders bemerkenswert war sein Hinweis, Rockstar habe die Preisentscheidung richtig getroffen. Angesichts des enormen Hypes hätte das Unternehmen „andere Preisentscheidungen treffen können“ . Anders gesagt: Take-Two ist überzeugt, dass die Nachfrage auch einen höheren Preis getragen hätte, wollte diesen Spielraum aber offenbar nicht vollständig ausschöpfen.
Die physische Handelsversion von GTA 6 wird keine Spiele-Disc enthalten. Käufer erhalten stattdessen eine Box mit einem Download-Code. Auf die Kritik an dieser Entscheidung reagierte Zelnick auffallend knapp mit den Worten: „Wen kümmert’s?“
Seine Argumentation: Mehr als 90 Prozent des Take-Two-Geschäfts würden ohnehin digital abgewickelt, das Unternehmen sei längst ein digitales Geschäft . Außerdem müssten Spiele in den meisten Fällen online registriert werden. Wer bereits mit dem Internet verbunden sei, könne das Spiel daher ebenso gut direkt herunterladen, so Zelnick .
Physische Discs verglich er mit Vinyl-Schallplatten: ein Nischenformat für Fans und Sammler, aber aus seiner Sicht keine zwingende Voraussetzung mehr für die breite Masse . Für Spielerinnen und Spieler, die Spiele weiterverkaufen, sammeln oder unabhängig von Download-Servern aufbewahren möchten, dürfte diese Sichtweise allerdings wenig überzeugend klingen.
Bei den Vorbestellungen sprach Zelnick von einem „beispiellosen und erstaunlichen“ Niveau. Die Zahlen seien so außergewöhnlich, dass Take-Two keine wirklich passenden Vergleichswerte habe . Gleichzeitig warnte der CEO davor, vor dem eigentlichen Verkaufsstart bereits den Sieg zu feiern: Aus den Vorbestellungen lasse sich noch nicht zuverlässig ableiten, wie hoch die späteren Verkäufe ausfallen werden .
Take-Two meldete für das Quartal Net Bookings von 1,39 Milliarden US-Dollar. Darin waren die ersten Tage der GTA-6-Vorbestellungen enthalten, die am 25. Juni 2026 gestartet waren . Die Summe bezieht sich jedoch auf das gesamte Take-Two-Geschäft und ist nicht gleichbedeutend mit den Einnahmen aus GTA-6-Vorbestellungen allein. Konkrete Stückzahlen legte das Unternehmen im Gespräch mit Analysten nicht offen .
Take-Two bekräftigte den bereits angekündigten Veröffentlichungstermin: GTA 6 erscheint am 19. November 2026 . Zum Start wird das Spiel ausschließlich für PlayStation 5 sowie Xbox Series X|S angeboten. Eine PC-Version für den ersten Tag wurde bislang nicht angekündigt .
Damit bleibt der Termin trotz der langen Entwicklung und früherer Verschiebungen bestehen. Der bevorstehende Netflix-Einblick wurde im Quartalsgespräch ebenfalls als Teil der laufenden Kampagne rund um den Start präsentiert.
Am 27. August 2026 zeigt Netflix Grand Theft Auto VI: An Extended Look. Die Präsentation startet um 15 Uhr Eastern Time in den USA . Für sechs Stunden bleibt sie Netflix-exklusiv, bevor sie um 21 Uhr Eastern Time am selben Tag auch auf YouTube und den offiziellen Rockstar-Kanälen erscheint .
Laut Zelnick richtet sich die Kooperation vor allem an Menschen, die noch nicht fest entschlossen sind, GTA 6 direkt zum Start zu kaufen. Das sei ein anderer Ansatz als die klassische Fernsehwerbung, die bei GTA V im Jahr 2013 eine größere Rolle gespielt habe . Netflix soll also nicht nur bereits überzeugte Fans erreichen, sondern auch potenzielle Käufer, die noch abwarten.
Die weitreichendste Aussage des Gesprächs betraf nicht nur GTA 6, sondern die gesamte Branche. Zelnick erwartet, dass die Spieleindustrie innerhalb von drei Jahren in einen „kommerziellen Streaming-Modus“ eintreten wird . Gemeint ist eine Spiele-Streaming-Plattform mit geringer Latenz, die für die große Mehrheit der Kundinnen und Kunden zuverlässig funktioniert.
Seine Prognose folgt einer klaren Entwicklung: Physische Medien verlieren an Bedeutung, der digitale Vertrieb dominiert bereits heute, und Streaming könnte der nächste Schritt bei großen AAA-Spielen sein . Dadurch könnten künftig auch Geräte, die bislang nicht als klassische Spielekonsolen gelten, zu Spieleplattformen werden.
Für GTA 6 bedeutet das zunächst vor allem: Der Start erfolgt auf PS5 und Xbox Series X|S, während die Handelsbox bereits ohne Disc auskommt. Zelnicks Aussagen deuten jedoch darauf hin, dass Take-Two langfristig noch weiter denkt — hin zu einer Spielewelt, in der selbst ein Download möglicherweise nur eine Übergangslösung ist.