Das Risiko: Mitarbeiter von Behörden wurden – vor allem nach Erhalt neuer oder Ersatz-Computer – dazu verleitet, gefälschte Versionen beliebter Apps wie LINE oder WhatsApp von inoffiziellen Webseiten herunterzuladen. Diese nachgemachten Installer installierten Hintertür-Programme, die den Angreifern dauerhaften Zugriff verschafften .
Was Behörden tun müssen: Die ACS verlangt strikte Änderungsmanagement- und Download-Kontrollmechanismen für alle IKT-Systeme. Konkret bedeutet das: Jede Software-Installation – ob Anwendung, Treiber oder Hardware-Komponente – muss vor dem Einsatz auf einem Behördenrechner formell genehmigt und geprüft werden .
Das Risiko: Angreifer setzten verstärkt auf die sogenannte „Bring Your Own Driver“ (BYOVD)-Technik, bei der legitime, aber verwundbare signierte Treiber ausgenutzt werden, um Endpoint-Detection-Tools zu umgehen. Mit Kernel-Zugriff konnten sie Sicherheitsprodukte deaktivieren und Ransomware unbemerkt ausführen .
Was Behörden tun müssen: Die ACS fordert eine mehrschichtige Verteidigung. Behörden müssen regelmäßig Schwachstellenscans ihrer Webseiten durchführen und Funde sofort patchen. Web Application Firewalls (WAFs) sollen bösartige Anfragen filtern, bevor sie Anwendungen erreichen. Entscheidend ist ein kontinuierlicher Endpunktschutz: Sicherheitsprodukte müssen aktuell gehalten und Bedrohungserkennungsregeln an neue Taktiken angepasst werden .
Das Risiko: Wartungsdienstleister mit legitimen Zugängen installierten auf Behördenservern Fernwartungssoftware, die niemals genehmigt wurde. Angreifer nutzten dann Brute-Force-Angriffe auf schwache Passwörter dieser Tools, um sich anzumelden und sich lateral durch sensible Systeme zu bewegen .
Was Behörden tun müssen: Die Lösung ist hier organisatorisch, nicht nur technisch. Die ACS verlangt strikte Sicherheitsmanagement-Standards für Lieferanten, die Zugriffskontrollen, Datenschutzrichtlinien, Schwachstellen-Management und verpflichtende Vorfallmeldungen regeln. Regelmäßige Sicherheitsaudits und Compliance-Prüfungen müssen sicherstellen, dass die Zulieferer die Regeln einhalten – und zwar nicht nur auf dem Papier .
Das Risiko: Router, Firewalls, VPN-Appliances und andere Edge-Geräte wiesen ungepatchte Firmware oder gefährliche Konfigurationsfehler auf, was Angreifern einen einfachen Einstiegspunkt am Perimeter der Regierungsnetze bot .
Was Behörden tun müssen: Die ACS empfiehlt einen simplen, aber wirkungsvollen Strategiewechsel: eine Positivlisten-Strategie für alle ausgehenden Verbindungen, die standardmäßig alle unnötigen Kommunikationsports blockiert. Behörden müssen zudem jedes Edge-Gerät inventarisieren – mit Modellnummer und Firmware-Version – und einen kontinuierlichen Update- und Verfizierungsprozess etablieren, sodass Patches nicht nur eingespielt, sondern auch bestätigt werden .
Das Risiko: Angreifer kombinierten Phishing, Pretexting und andere Social-Engineering-Tricks mit kompromittierten oder fehlkonfigurierten Cloud-Diensten, um sensible Daten zu stehlen. Klickte ein Mitarbeiter auf einen bösartigen Link oder Anhang, konnten die Daten über legitimen Cloud-Speicher unbemerkt abfließen .
Was Behörden tun müssen: Die ACS spezifiziert eine zweiteilige Abwehr. Erstens: Implementierung von E-Mail-Filterung und Sandbox-Erkennung, um verdächtige Anhänge und Links abzufangen, bevor sie Nutzer erreichen. Zweitens: Absicherung der Cloud-Umgebungen durch eingeschränkte Freigabeberechtigungen, aktiviertes Scannen von Dateiuploads und Sicherheitsprüfungen für Cloud-Links, um die Verbreitung schädlicher Dateien zu stoppen .
Die Zahlen von 2025 erzählen eine größere Geschichte. Zwar sank die Gesamtzahl der Vorfälle um 29 im Vergleich zu 2024, doch die überwältigende Mehrheit der Sicherheitsverletzungen – mehr als zwei Drittel – entfiel auf unerlaubte Zugriffe, eine Kategorie, die von gestohlenen Anmeldedaten bis zu eingeschleusten Hintertüren reicht . Das Schweregrad-Spektrum spiegelt eine Landschaft ständiger, niedrigschwelliger Attacken wider: 87,33 % der Vorfälle wurden als Stufe 1 (am wenigsten schwerwiegend) eingestuft, 9,78 % als Stufe 2 und 2,89 % als Stufe 3. Vorfälle der Stufe 4 wurden nicht registriert .
Die fünf Risikokategorien der ACS markieren einen Wandel in den offiziellen Vorgaben. Frühere Warnungen, etwa von Anfang 2025, betonten schwache Verschlüsselung, mangelhafte Schutzmaßnahmen gegen Injection-Angriffe und defekte Zugriffskontrollen . Die neue Liste zielt stattdessen auf die menschliche Ebene und die Lieferkette ab – Bereiche, die traditionelle Perimeter-Verteidigungen oft übersehen.
Für die Behörden ist die Botschaft unmissverständlich. Die ACS hat jedes Risiko mit einer spezifischen, überprüfbaren Maßnahme verknüpft: jeden Download genehmigen, jedes Edge-Gerät patchen, jeden Lieferanten auditieren und jede E-Mail als potenziell gefährlich behandeln. In einer Bedrohungsumgebung, in der 68,6 % der Vorfälle Eindringversuche sind, bedeutet Verteidigung nicht mehr nur, den Perimeter zu sichern – es geht darum, zu kontrollieren, was im Inneren passiert .