Es war ein Spiel mit zwei Gesichtern. Vor dem 1:1-Ausgleich verlor er den Ball im Mittelfeld und leitete so den kroatischen Konter ein. Doch wie es sich für einen Weltklasse-Spieler gehört, machte er seinen Fehler mehr als wett. Kurz nach Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit schnappte er sich den Ball, marschierte durch die kroatischen Reihen und schlenzte das Leder unhaltbar zum 3:2 ins Netz – ein echter Geniestreich. Seine 16. Turnierteilnahme (WM/EM) ist ein neuer Rekord für einen europäischen Spieler unter 23 Jahren .
Die große Überraschung in der Startelf. Der Flügelflitzer vom FC Arsenal, der den Vorzug vor Bukayo Saka erhielt, war ein ständiger Unruheherd. Sein explosiver Antritt und sein Zug zum Tor führten zum Strafstoß, den Kane zum 1:0 nutzte. Mit dieser Vorstellung hat er Thomas Tuchel ein echtes Luxusproblem für die kommenden Spiele beschert .
Kam von der Bank und machte den Deckel drauf. In der 70. Minute schob er nach feiner Vorarbeit von Saka eiskalt zum 4:2-Endstand ein und beendete alle kroatischen Hoffnungen auf ein Comeback .
Ebenfalls als Joker gebracht, brachte er sofort Schwung in die Offensive. Seine kluge Übersicht und der perfekt getimte Querpass auf Rashford waren die Vorlage für die Entscheidung .
Machte im Mittelfeld einen soliden Job ohne großen Glanz. Seine Eckenqualität war immerhin die Vorlage für Kanes 2:1. Allerdings bekam er, wie die gesamte Mannschaft, in der hitzigen Phase vor der Pause keinen Zugriff auf das kroatische Umschaltspiel .
Noch der stabilste Verteidiger in einer mäßigen Viererkette (Sofascore-Note 6,4). Dennoch war auch er Teil einer Abwehr, die kollektiv zu weit auseinanderstand und zwei unnötige Tore kassierte .
Ein gebrauchter Tag bei seinem WM-Debüt. Beim 2:2 kurz vor der Pause verlor er Ivan Perišić aus den Augen, zudem ließ er sich mehrfach aus der Kette ziehen und öffnete so Räume. Sein Platz in der Innenverteidigung gilt für das nächste Gruppenspiel gegen Ghana am 23. Juni als akut gefährdet. Die klare Alternative heißt Marc Guéhi .
Fand als Rechtsverteidiger nie richtig ins Spiel und bot den kroatischen Angreifern zu viel Raum (Sofascore-Note 5,9). Später rückte er ins zentrale Mittelfeld, wo er zumindest etwas sicherer wirkte .
Erwischte nicht seinen besten Tag. Beim 1:1 durch Martin Baturina aus der zweiten Reihe sah er unglücklich aus, auch wenn der Fernschuss gut geschossen war. Insgesamt wirkte er ungewöhnlich unruhig. Immerhin entschärfte er später noch einen Abschluss von Mario Pašalić .
Beim Stand von 2:2 ging es in der Kabine offenbar zur Sache. Harry Kane berichtete später von einer deutlichen, ja schon strengen Ansprache seines Trainers, dessen Kernbotschaft lautete: „Hört auf zu verwalten und greift an!“ Die Reaktion folgte auf dem Fuße: Bellingham stellte nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff auf 3:2, und England spielte in der zweiten Halbzeit mit viel mehr Kontrolle, Struktur und letzter Konsequenz .
Zweimal gingen die Three Lions in Führung, zweimal glich Kroatien aus – und das viel zu einfach. Einem Sonntagsschuss von Baturina folgte eine kollektive Unordnung beim zweiten Gegentreffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Die fehlende Abstimmung in der Innenverteidigung und die Anfälligkeit bei schnellen Kontern sind ein Warnsignal. Tuchel wird für das zweite Spiel gegen Ghana personelle Änderungen vornehmen müssen. Marc Guéhi drängt in die Startelf .
So sehr Kane und Bellingham auch glänzten – der entscheidende Punch kam von den Einwechselspielern. Die Kombination Saka-Rashford zum 4:2 demonstrierte eindrucksvoll, welch luxuriöse Auswahl Tuchel selbst in der zweiten Reihe zur Verfügung steht. Diese Tiefe kann im weiteren Turnierverlauf spielentscheidend sein .
Dem englischen Kapitän fehlt nun nur noch ein einziges Tor, um alleiniger Rekordtorschütze der Engländer bei Weltmeisterschaften zu werden. Seine aktuelle Form, die eine perfekte Mischung aus eiskalter Abschlussstärke und spielerischer Übersicht zeigt, lässt vermuten, dass diese Bestmarke nicht mehr lange Bestand haben wird .
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