Das absolute Highlight des Quartals war erneut der Geschäftsbereich Künstliche Intelligenz. Die Plattform Agentforce, mit der Unternehmen eigene, autonom handelnde KI-Agenten erstellen und einsetzen können, entwickelt sich zum entscheidenden Wachstumstreiber. Die Zahlen lesen sich atemberaubend und signalisieren, dass Salesforce den Hype um KI in handfeste Geschäftsergebnisse ummünzt.
Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) von Agentforce durchbrach die Marke von 1,2 Milliarden Dollar – ein Sprung von unglaublichen 205 Prozent im Vergleich zum Vorjahr . Rechnet man weitere Daten- und KI-Produkte wie Data 360 und die Informatica Cloud hinzu, erreicht der kombinierte ARR fast 3,4 Milliarden Dollar, ebenfalls ein Plus von über 200 Prozent
.
Auch die Nutzungsintensität spricht eine deutliche Sprache für die rasante Adaption in Unternehmen: Salesforce hat mittlerweile 3,8 Milliarden Agentic Work Units (AWUs) verarbeitet – das sind einzelne, von KI-Agenten abgeschlossene Aufgaben. Dies entspricht einem sequenziellen Anstieg von 111 Prozent gegenüber dem Vorquartal . Um diese Arbeitsleistung zu erbringen, hat die Plattform mehr als 28,6 Billionen Tokens verarbeitet, ein Plus von 152 Prozent zum Vorquartal
. Die Buchungen für die höherpreisigen Agentforce-Angebote wie "One Edition" und "for Apps" legten im Jahresvergleich um fast 60 Prozent zu, wobei mehr als die Hälfte dieser Neubuchungen von Bestandskunden kam
.
Trotz dieser operativen Stärke zeigte sich bei der Prognose und der Kapitalallokation ein gemischtes Bild, das die Stimmung an der Börse letztlich eintrübte.
Erhöhter Ausblick:
Rekord-Kapitalrückflüsse auf Pump:
Um den Aktienkurs zu stützen, griff Salesforce zu einem unkonventionellen Mittel und schüttete allein im ersten Quartal die Rekordsumme von 27,5 Milliarden Dollar an die Aktionäre aus .
Das Fettnäpfchen bei dieser Strategie: Der massive Rückkauf wurde durch die Ausgabe neuer Unternehmensanleihen im Volumen von 25 Milliarden Dollar finanziert. Diese zusätzliche Schuldenlast und die damit verbundenen höheren Zinszahlungen belasten den künftigen Cashflow merklich. Salesforce senkte seine Prognose für das Wachstum des operativen Cashflows im Gesamtjahr auf nur noch 4 bis 5 Prozent. Ohne den Schuldendienst hätte die Prognose bei 9 bis 10 Prozent gelegen .
Trotz der übertroffenen Quartalszahlen gab die Salesforce-Aktie nach Handelsende in den USA nach. Das Papier schloss am 27. Mai im regulären Handel bei 178,27 Dollar . Im nachbörslichen Handel kletterte es zunächst um 0,82 Prozent auf 179,73 Dollar, bevor Verkaufsdruck einsetzte
.
Drei Hauptgründe lassen sich für die verhaltene Reaktion ausmachen:
Die Analysten bleiben indes mehrheitlich optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut FactSet bei 274,12 Dollar, was immer noch ein "Moderates Kauf"-Rating bedeutet. Viele Experten scheinen den Kursrückgang daher eher als kurzfristige Marktverstimmung denn als grundlegende Skepsis gegenüber dem langfristigen KI-Kurs des Unternehmens zu sehen .
Comments
0 comments