Die Kennzahlen von AMD waren durch die Bank stark. Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf 11,54 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 7,69 Milliarden US-Dollar) und lag damit über der durchschnittlichen Analystenschätzung von rund 11,28 bis 11,31 Milliarden US-Dollar . Der bereinigte Gewinn je Aktie (non-GAAP) betrug 1,66 US-Dollar, verglichen mit den erwarteten 1,62 US-Dollar – ein Anstieg von rund 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr . Nach US-GAAP belief sich der Nettogewinn auf 2,3 Milliarden US-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie auf 1,38 US-Dollar – ein Plus von 156 Prozent . Die non-GAAP-Bruttomarge verbesserte sich auf 56 Prozent, ein Anstieg um mehr als 200 Basispunkte, getrieben durch den höheren Anteil des margenstarken Rechenzentrumsgeschäfts .
Das Rechenzentrumssegment war der große Star des Quartals. Der Umsatz erreichte 6,718 Milliarden US-Dollar – mehr als eine Verdoppelung zum Vorjahr (plus 107 Prozent) und ein sequenzielles Wachstum von 16 Prozent . Dieses Segment macht nun 58 Prozent des Gesamtumsatzes von AMD aus, gegenüber 42 Prozent im Vorjahreszeitraum . Das Wachstum wurde durch die starke Nachfrage nach den EPYC-Serverprozessoren und den Instinct-GPUs für KI-Workloads angetrieben . Noch bemerkenswerter: Das operative Ergebnis im Rechenzentrum verbesserte sich von einem Verlust von 155 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal auf nun 2,1 Milliarden US-Dollar Gewinn .
Das Gaming-Segment bleibt das Sorgenkind von AMD. Die Erlöse in diesem Bereich brachen im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 779 Millionen US-Dollar ein. Grund dafür sind die rückläufigen Verkäufe von Semi-Custom-Chips (Konsolen) für PlayStation 5 und Xbox, deren Lebenszyklus sich allmählich dem Ende zuneigt . Teilweise ausgeglichen wurde dies durch das Client-Segment (PC-Prozessoren), das um 23 Prozent auf 3,062 Milliarden US-Dollar zulegte. Hier verzeichnete AMD Rekordabsätze bei Mobilprozessoren und gewann weiter Marktanteile hinzu; die Ryzen-Pro-Verkäufe stiegen um mehr als 50 Prozent . Zusammengenommen erzielten Client- und Gaming-Segment einen Umsatz von 3,84 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 6 Prozent zum Vorjahr .
Für das dritte Quartal 2026 erwartet AMD einen Umsatz von rund 13 Milliarden US-Dollar (plus/minus 300 Millionen US-Dollar). Das liegt rund 2,9 Prozent über den Analystenerwartungen von 12,52 Milliarden US-Dollar . In der Telefonkonferenz deutete das Management zudem an, dass sich die Data-Center-Umsätze bis 2027 erneut etwa verdoppeln könnten – ein starkes Signal für die anhaltende Dynamik im KI-Infrastrukturmarkt . Einige Analysten hatten allerdings mit einer Prognose von bis zu 14 Milliarden US-Dollar gerechnet, was die verhaltene Reaktion an der Börse mit erklärte .
Obwohl AMD bei fast jeder Kennzahl die Erwartungen übertraf, verlor die Aktie im nachbörslichen Handel 6 bis 9 Prozent . Der Rückgang wird vor allem auf die extrem hohen Erwartungen der Anleger zurückgeführt, die bereits im Kurs eingepreist waren. Zudem belasteten Wettbewerbsängste: Berichte, wonach Elon Musks KI-Unternehmen xAI auf Chips von NVIDIA setzt, bestärkten die Anleger in der Ansicht, dass NVIDIA bei KI-GPUs weiterhin eine dominierende Marktstellung hat . Analysten merkten an, dass AMD zwar gute Arbeit leiste, der Markt aber handfeste Marktanteilsgewinne gegenüber NVIDIA sehen möchte, bevor die Aktie eine höhere Bewertung erhält .
AMD hat Ende Juli 2026 auf der Konferenz „Advancing AI“ sein erstes Rack-Scale-KI-System mit dem Namen Helios vorgestellt – eine direkte Kampfansage an NVIDIAs Vera-Rubin-NVL72-Plattform . AMD verspricht einen 30-prozentigen Preis-Leistungs-Vorteil gegenüber dem NVIDIA-System . Zu den wichtigsten Kundenverpflichtungen gehören:
AMD rechnet damit, Helios in der zweiten Jahreshälfte 2026 an die Kunden auszuliefern . Ein Helios-Rack kombiniert 72 AMD Instinct MI455X-GPUs, 6th-Gen-EPYC-Venice-CPUs und AMD-Pensando-Netzwerktechnik in einem offenen, doppelbreiten Rack-Design . Ein einzelnes Rack erreicht eine Spitzenleistung von bis zu 2,9 Exaflops (FP4) und kostet rund 5,25 Millionen US-Dollar .
AMD hat ein fundamental hervorragendes Quartal abgeliefert, mit Rekordumsätzen, einem explodierenden Rechenzentrumsgeschäft und einem optimistischen Ausblick. Die Aktie gab dennoch nach – wegen der hohen Erwartungen und der anhaltenden Dominanz von NVIDIA. Das Helios-System hat sich namhafte Großkunden gesichert, was zeigt, dass die Nachfrage nach AMD-KI-Infrastruktur real ist. Ob es AMD gelingt, diese Zusagen in einen spürbaren Marktanteilsgewinn gegenüber NVIDIA umzumünzen, bleibt die zentrale Frage, die die Anleger weiter umtreiben wird.