Die Schweiz übernahm von diesem Moment an die Kontrolle und ging in der 17. Minute in Führung. Nach einem Zusammenprall zwischen dem katarischen Torhüter Mahmoud Abunada und dem Schweizer Remo Freuler zeigte Schiedsrichter Saíd Martínez auf den Elfmeterpunkt. Der Videobeweis bestätigte die Entscheidung. Abunada sah die Gelbe Karte, und Breel Embolo verwandelte den ersten Strafstoß des Turniers sicher zum 1:0 .
77 Minuten lang spielte danach fast nur noch die Schweiz. Am Ende standen für die Mannschaft von Murat Yakin 68 Prozent Ballbesitz und ein überwältigendes Passverhältnis von 522 zu 275 erfolgreichen Zuspielen zu Buche. Der Ball war 79 Mal im letzten Angriffsdrittel – im Vergleich zu mageren 38 Mal bei Katar . Besonders die Torschussbilanz liest sich wie ein Klassenunterschied: 26 Schweizer Abschlüsse, die einen xG-Wert (Expected Goals) von 3,24 ergaben, gegenüber einer Handvoll katarischer Versuche bis zur Schlussphase
.
Doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Die Abwehr um den von Julen Lopetegui hervorragend organisierten Qatar stemmte sich mit allem, was sie hatte, gegen die Niederlage. Torwart Abunada parierte mehrfach glänzend, und Ayoub Al-Oui rettete spektakulär auf der Linie . Je länger es 1:0 stand, desto mehr Nervosität machte sich im Schweizer Spiel breit.
Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit. Die Schweiz stand kurz vor einem, wenn auch glanzlosen, Pflichtsieg. Da schlug Katar ein letztes Mal zu. Eine Hereingabe von der linken Seite durch Homam Ahmed segelte in den Strafraum, und Boualem Khoukhi stieg am höchsten. Sein präziser Kopfball war unhaltbar für den Schweizer Schlussmann und schlug zum 1:1 ein .
Auf der katarischen Bank und den Rängen im mit 67.966 Zuschauern besetzten Stadion brach Ekstase aus . Khoukhi hatte nicht nur ein Tor erzielt, sondern eine Nation von den Geistern der peinlichen Heim-WM 2022 erlöst, als man als Gastgeber ohne Punkt in der Vorrunde ausgeschieden war
. Sein Treffer war zudem der viertspäteste Ausgleichstreffer in der regulären Spielzeit der WM-Historie
. Ein Moment für die Ewigkeit.
Der Auftritt der Schweiz wurde von Sky Sports treffend als "lustlose Leistung" ("lazy performance") beschrieben, und die Zahlen untermauern diese Kritik auf dramatische Weise . Ein Team, das aus 26 Torschüssen einen xG-Wert von 3,24 generierte, dabei aber nur einmal traf, ließ einen sicheren Sieg fahrlässig liegen. Wie ein Bericht feststellte, "versäumte es die Schweiz, ihren Vorsprung auszubauen" und öffnete so die Tür für einen Gegner, der abseits dieser einen Aktion keinerlei Torgefahr ausgestrahlt hatte
.
Für eine Nation, die als Viertelfinalist der letzten Europameisterschaft und großer Gruppenfavorit angetreten war, ist der Punktverlust gegen das auf dem Papier schwächste Team der Gruppe ein schwerer Rückschlag. Die Schweizer wurden als "am Boden zerstört" beschrieben, wohl wissend, dass ihnen ein sicher geglaubter Sieg durch die eigenen Finger gerutscht ist .
Das dramatische Remis, kombiniert mit einem zeitgleichen 1:1-Unentschieden Kanadas in einer anderen Partie der Gruppe B, führt zu einer kuriosen Tabellensituation: Nach dem ersten Spieltag stehen alle vier Teams mit einem Punkt da . Eine Gruppe, die von vielen als klarer Durchmarsch für die Schweiz eingeschätzt wurde, ist nun weit offen. Katar, Kanada und die anderen Mannschaften der Gruppe dürfen sich plötzlich berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die K.o.-Runde machen.
Für Katar ist dieser eine Punkt weit mehr wert, als die bloße Zahl auf dem Papier. Er ist der greifbare Beweis sportlicher Fortschritte nach der historischen Blamage von 2022. Er verleiht dem Team von Trainer Julen Lopetegui eine gehörige Portion Momentum und den Glauben an die Chance, vielleicht sogar das Wunder einer Achtelfinal-Teilnahme zu schaffen.
Dieses Spiel wird nicht wegen der Schweizer Dominanz in Erinnerung bleiben, sondern wegen eines Kapitäns, der nicht aufgeben wollte, und eines Kopfballs, der einem ganzen Land einen Moment schenkte, auf den es eine gefühlte Ewigkeit gewartet hatte.
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