Dalio stützt seine Bedenken auf einen firmeneigenen „Blasenindikator“, der über simple Kurs-Gewinn-Verhältnisse weit hinausgeht. Seine Messgröße erfasst eine Kombination aus Faktoren: die Bewertung der Vermögenswerte, die Frage, ob neue und unerfahrene Käufer in den Markt strömen, und vor allem das Ausmaß der fremdfinanzierten oder riskanten Spekulation hinter den Käufen .
Ende 2025 schlug dieser Indikator massiv Alarm. Dalio schätzte, dass der US-Aktienmarkt etwa 80 Prozent des Weges zu jenen euphorischen Zuständen erreicht habe, die den beiden berüchtigtsten Crashs der modernen Geschichte vorausgegangen waren: dem großen Börsencrash von 1929, der in die Weltwirtschaftskrise führte, und dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 . In einem Interview beschrieb er die aktuelle Landschaft mit den Worten: „Es ähnelt vielleicht dem Jahr ’98, ’99, wissen Sie, oder 1927, 1928 und so weiter“
.
Sein Vergleich ist nicht beiläufig. In einem Gespräch mit David Friedberg sagte Dalio ausdrücklich, der KI-Investitionsrausch sehe „ziemlich stark nach 1998 oder 1999 aus“ – also nach den Hochphasen kurz bevor die Dotcom-Blase bekanntlich platzte . Der Financial Times erklärte er, der aktuelle Zyklus sei dem damaligen Höhenflug „sehr ähnlich“, einer Zeit, die durch himmelhohe Bewertungen und den weitverbreiteten Glauben geprägt war, dass eine neue Technologie – das Internet – jeden Preis rechtfertige
.
An diesem Punkt weicht Dalios Warnung von einer typischen Crash-Prognose ab. In einem CNBC-Interview im November 2025 stellte er unmissverständlich fest: „Es gibt definitiv eine Blase an den Märkten“, ließ aber sofort einen entscheidenden Ratschlag folgen: „Verkaufen Sie nicht allein wegen der Blase“ .
Seine Begründung liegt in der Geldpolitik. Dalio wies darauf hin, dass Blasen in der Vergangenheit nie platzten, solange die US-Notenbank eine expansive oder lockernde Haltung beibehielt . Ein Straffungszyklus, in dem die Zinsen steigen und Liquidität abgezogen wird, fungiere normalerweise als die Nadel, die in die Blase sticht – und diese Nadel sei derzeit noch nicht in Position. „Es kann noch viel nach oben gehen, bevor die Blase platzt“, merkte er an
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Zu früh aus Panik zu verkaufen, birgt ein eigenes Risiko – nämlich den möglicherweise bedeutenden Schlussspurt einer Rallye zu verpassen. Dalios Denkrahmen verlangt von Anlegern zu akzeptieren, dass sie den exakten Höchststand nicht perfekt timen können, wohl aber ihr Risiko gegenüber dem irgendwann folgenden Abschwung kontrollieren können .
Statt einer binären Entscheidung zwischen All-in und Totalausstieg plädiert Dalio für eine strategische Neuausrichtung auf drei Säulen:
Aggressive Diversifikation: Dies ist Dalios primäre Verteidigungslinie. Er fordert Anleger eindringlich auf, ein zu stark konzentriertes Portfolio aus beliebten KI- und Mega-Cap-Tech-Aktien zu vermeiden. Das Ziel sei es, unkorrelierte Vermögenswerte zu halten, die nicht alle gleichzeitig fallen, wenn die Korrektur kommt. Dies deckt sich mit seiner „All-Weather“-Philosophie des Risikoausgleichs über verschiedene Konjunkturszenarien hinweg .
Rückkehr zur Fundamentalanalyse: Dalio warnt davor, eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sie das Schlagwort „KI“ in ihrer Geschichte trägt. Er mahnt, dass Anleger ständig die Begeisterung über eine revolutionäre Technologie mit dem Vertrauen in die Firmen verwechseln, die versuchen, sie zu kommerzialisieren. „Die Technologien werden weitergehen, aber die Unternehmen werden nicht unbedingt weitergehen“, sagte er und erinnerte daran, dass viele Firmen ihre massiven Investitionsausgaben nicht in dauerhafte Gewinne ummünzen können .
Liquiditätsreserven und Gold bereithalten: Er empfiehlt ganz konkret, Bargeldbestände zu halten – sogenanntes „trockenes Pulver“, das bei der eventuellen Marktverwerfung zum günstigen Einstieg genutzt werden kann. Eine Goldallokation dient als klassische Absicherung gegen Marktturbulenzen und die Inflationsrisiken, die eine mögliche Schuldenkrise begleiten können .
Dalios Warnung vor der KI-Blase existiert nicht in einem Vakuum. Er verknüpft den spekulativen Tech-Boom mit einem Netz breiterer wirtschaftlicher Bedrohungen, die den Schaden eines Kursrutsches noch vervielfachen könnten.
Da ist zunächst das Zinsrisiko. Dalio hat darauf hingewiesen, dass die Kombination aus extrem hohen Bewertungen und dem allgegenwärtigen Risiko steigender Zinsen einen einzigartig gefährlichen Cocktail ergibt, der in der Lage sei, „die Blase zu durchstechen“ . Zudem schlägt er Alarm wegen verborgener struktureller Schwachstellen im Finanzsystem, wobei er speziell auf intransparente ETF-Flüsse und schuldenfinanzierte Investmentvehikel verweist, die einen Abschwung verstärken können
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Diese Marktrisiken verknüpft er mit globaler Instabilität und verweist auf internationale Technologiespannungen sowie eine Weltwirtschaft, die er für die nächsten ein bis zwei Jahre als „prekär“ beschreibt . Schließlich gilt seine deutlichste Warnung der KI-Branche selbst: Er mahnt, der Boom könne sich am Ende „selbst auffressen“, wenn die Hunderte von Milliarden, die in die Infrastruktur fließen, nicht in nachhaltige, reale Gewinne umgewandelt werden können
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Für Dalio liegt das Risiko nicht einfach nur in einer Blase. Es ist eine Blase, die sich auf einem wackeligen globalen Finanz- und Politikgebilde formt. Sein Rat geht daher über eine einzelne Aktie oder Branche hinaus. Es ist ein Aufruf, das gesamte Portfolio einem Stresstest gegen eine Reihe miteinander verbundener Schocks zu unterziehen – vom geldpolitischen Fehler der US-Notenbank bis hin zu einer Unternehmensschuldenkrise, die durch kreative Buchhaltung verschleiert wird.
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