GLP-2 ist ein Hormon, das natürlicherweise im Körper vorkommt und das Wachstum der Darmschleimhaut fördert, die Darmbarriere schützt und Regenerationsprozesse unterstützt. Daher gilt es als vielversprechender Angriffspunkt für verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen . Das Medikament befindet sich derzeit in einer globalen Phase-2-Studie zur Behandlung des Kurzdarmsyndroms (Short Bowel Syndrome, SBS). Dies ist eine seltene, schwerwiegende Erkrankung, bei der Patienten nach einer operativen Entfernung großer Dünndarmabschnitte nicht mehr genügend Nährstoffe und Flüssigkeit über den verbliebenen Darm aufnehmen können und oft auf künstliche Ernährung angewiesen sind. Hanmi wird die laufende Phase-2-Studie noch selbst abschließen, bevor Lilly die weitere Entwicklung und Vermarktung übernimmt
.
Im Rahmen der Lizenzvereinbarung erwirbt Lilly die exklusiven weltweiten Rechte an Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Sonefpeglutide – mit Ausnahme von Südkorea, wo Hanmi die Rechte behält . Die finanziellen Eckdaten des Deals sind gestaffelt und erfolgsabhängig:
Für Hanmi war dies der erste große Auslizenzierungs-Deal seit sechs Jahren und damit ein bedeutender Vertrauensbeweis externer Partner in die hauseigene Forschung und Entwicklung .
Für Lilly bedeutet der Deal den Einstieg in auf GLP-2-basierende Therapien für das Kurzdarmsyndrom – ein Krankheitsbild mit hohem medizinischem Bedarf und begrenzten Behandlungsoptionen. Darüber hinaus sieht der Pharmariese auf Basis der vorklinischen und klinischen Daten Potenzial für weitere Anwendungsgebiete im Magen-Darm-Bereich . Der Deal validiert zudem Hanmis lang wirksame Plattformtechnologie und stärkt die finanzielle Basis des südkoreanischen Unternehmens für künftige Forschungsprojekte
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Der Deal mit Haisco ist deutlich umfangreicher, aber auch deutlich dünner in den veröffentlichten Details. Es handelt sich um eine kombinierte Lizenz- und Forschungskooperation, die bis zu fünf innovative Zielmolekül-Programme über mehrere, nicht näher genannte Therapiegebiete hinweg umfasst .
Die Aufgaben sind klar verteilt: Haisco ist für die frühe Entdeckung und Identifizierung der Zielmoleküle verantwortlich. Lilly übernimmt die Federführung bei den präklinischen Studien zur Ermöglichung eines Erstantrags auf klinische Prüfung (Investigational New Drug, IND), bei der klinischen Entwicklung und der späteren Vermarktung. Die Rechteverteilung variiert je nach Programm: Für einige erhält Lilly exklusive weltweite Rechte, für andere die Exklusivrechte außerhalb von "Greater China" (Festlandchina, Hongkong, Macau und Taiwan) .
Während die genaue anfängliche Vorabzahlung anfangs nicht öffentlich war, wurde später bekannt, dass Haisco Anspruch auf bis zu 87 Millionen US-Dollar an Vorab- und kurzfristigen Zahlungen hat . Hinzu kommen mögliche erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu 2,97 Milliarden US-Dollar sowie gestaffelte einstellige prozentuale Lizenzgebühren auf erzielte Umsätze
. Das maximale Gesamtvolumen des Deals beträgt somit rund 3,0 Milliarden US-Dollar
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Die Vereinbarung wurde offiziell am 29. Mai 2026 unterzeichnet und am 1. Juni gemeinsam mit dem Hanmi-Deal öffentlich gemacht .
Für Lilly ist die Haisco-Kooperation eine Wette auf die Breite. Man erhält Zugang zu einer Pipeline von neuartigen, aber noch geheim gehaltenen Zielmolekülen aus der Forschungsschmiede eines chinesischen Biotech-Unternehmens. Haisco trägt das Risiko und die Kosten der frühen Forschungsphase und Lilly sichert sich die Option auf vielversprechende Kandidaten für die eigene, ressourcenstarke klinische Entwicklung . Der Deal unterstreicht einen anhaltenden Trend: Lilly verfolgt auch 2026 eine äußerst aggressive Strategie, um externes Know-how für das eigene Portfolio zu lizenzieren
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Für Haisco wiederum ist der Deal mit einem der größten Pharmakonzerne der Welt ein gewaltiger Ritterschlag für die eigene Forschungsplattform und wird mit einer Milliardensumme in der öffentlichen Wahrnehmung vergütet, was weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung ermöglicht .
Zusammengenommen repräsentieren diese beiden Vereinbarungen potenzielle Zahlungen von Lilly an die beiden asiatischen Partner von über 4 Milliarden US-Dollar an einem einzigen Tag . Das ist eine klare Ansage an die Konkurrenz.
Der Hanmi-Deal bringt unmittelbar einen soliden, klinischen Wirkstoffkandidaten im mittleren Entwicklungsstadium mit konkretem Indikationsgebiet und absehbaren Studiendaten in die Pipeline. Der Haisco-Deal hingegen ist eine umfangreiche Wette auf frühe, noch nicht spezifizierte Innovationen. Sein wahrer Wert wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen und ist stark davon abhängig, ob die noch völlig unbekannten Zielmoleküle das Laborstadium überleben und was aus ihnen in der Klinik wird.
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