Wichtig ist die Einordnung: Die Verfahren brechen nicht die Kryptografie von WebAuthn oder FIDO2. Stattdessen greifen sie die technische Umsetzung des Cloud-Authentifikators von Chrome sowie die Abläufe zur Geräteanmeldung an . Für Betroffene kann das dennoch bedeuten, dass passkey-geschützte Konten unbemerkt übernommen werden – ohne Fingerabdruck, PIN oder sichtbare Abfrage.
Beim grundlegenden Pass-ta-key-Angriff liest die Malware den von Chrome TPM-geschützten Geräteschlüssel aus der lokalen Datei passkey_enclave_state aus. Anschließend verwendet sie legitime Windows-CNG-APIs, um damit von den Angreifern kontrollierte Anfragen zu signieren.
So entsteht eine gültige WebAuthn-Bestätigung, obwohl auf dem Bildschirm des Opfers keine biometrische Abfrage und keine PIN-Eingabe erscheint. Der Angriff funktioniert bei Diensten, die das User-Verified-Flag (UV-Flag) in den Authentifikator-Daten nicht serverseitig prüfen .
Ausgenutzt werden: das Vertrauen des Cloud-Authentifikators in einen lokal gespeicherten Geräteschlüssel und die Tatsache, dass manche Websites die tatsächliche Benutzerbestätigung nicht erzwingen.
Silver Pass-ta-key setzt an, indem die Malware die lokale Datei passkey_enclave_state löscht oder ungültig macht. Chrome muss das Gerät daraufhin erneut anmelden. Während dieses sogenannten Re-Onboardings erzeugt Chrome den Schlüssel für die Benutzerbestätigung kurzzeitig in einem verzögerten Ablauf.
In diesem Zeitfenster kann der Angreifer seinen eigenen UV-Schlüssel registrieren. Weil Googles Cloud-Authentifikator die Attestierung dieses neuen Schlüssels nicht überprüft, tragen anschließend erzeugte Signaturen trotzdem ein gesetztes UV-Flag. Damit lässt sich die Benutzerbestätigung auch bei Websites umgehen, die sie eigentlich voraussetzen .
Der Zugriff bleibt zudem dauerhaft nutzbar: Der Angreifer kann sich von seinem eigenen Gerät aus authentifizieren; der Windows-PC des Opfers muss dafür nicht mehr online sein.
Ausgenutzt werden: die fehlende Attestierungsprüfung bei der erneuten Geräteanmeldung und der Umstand, dass sich der Enclave-Status ohne ausreichenden Schutz löschen lässt.
Golden Pass-ta-key verwendet zunächst denselben Re-Onboarding-Ablauf. Danach liest die Malware den Arbeitsspeicher des Chrome-Prozesses aus und sucht dort nach dem Security Domain Secret (SDS).
Der SDS ist ein 32 Byte langer symmetrischer Schlüssel. Er verschlüsselt die synchronisierten privaten Passkey-Schlüssel im Google-Konto. Gelingt sein Diebstahl, kann der Angreifer sämtliche bereits synchronisierten Passkeys entschlüsseln – ebenso neue Passkeys, die später noch synchronisiert werden .
Unit 42 hatte außerdem festgestellt, dass Chrome den SDS zuvor im Klartext in der Ausgabe chrome://device-log/FIDO protokollierte. Google hat diese Protokollierung nach der Meldung der Forscher entfernt. Das grundsätzliche Problem, dass der SDS während des Anmeldevorgangs im Speicher auftaucht, besteht laut den vorliegenden Berichten jedoch weiterhin .
Ausgenutzt wird: dass der SDS während des Geräte-Onboardings im Klartext im Speicher des Chrome-Prozesses vorhanden ist.
Der einfache Pass-ta-key-Angriff betrifft grundsätzlich jeden sogenannten Relying Party – also einen Onlinedienst, der Passkeys zur Anmeldung akzeptiert –, der das UV-Flag nicht korrekt prüft.
Unit 42 nannte eBay als Beispiel für einen Dienst, der diese Kontrolle zunächst nicht durchsetzte. eBay hat die Prüfung inzwischen nachgebessert . Die Forscher erklärten außerdem, dass überraschend viele Websites bei der Registrierung zwar userVerification: "required" anfordern, das tatsächlich zurückgelieferte UV-Bit bei der Anmeldung aber nicht überprüfen .
Der SDS wirkt als Masterschlüssel für alle synchronisierten Passkeys im Google-Konto. Wird er entwendet, ergeben sich laut Unit 42 weitreichende Folgen:
Die Empfehlungen aus der Untersuchung und der dazugehörigen Berichterstattung lauten:
userVerification: "required" statt "preferred" verwenden .Zum Veröffentlichungszeitpunkt am 3. August 2026 war für die Angriffstechniken noch keine CVE-Nummer vergeben. Google hatte außerdem nicht öffentlich bestätigt, ob die Silver- oder Golden-Pass-ta-key-Angriffe direkt behoben werden sollen .
Die zentrale Lehre der Untersuchung lautet daher: Ein Passkey schützt nicht automatisch vor einer bereits erfolgreichen Infektion des Endgeräts. Sobald Malware auf dem Windows-PC läuft, können auch die Abläufe rund um Gerätevertrauen und Schlüsselverwaltung zum Angriffspunkt werden.