Im Kern agieren diese Plattformen als Vermittler. Sie bündeln verschiedene Programmierschnittstellen (APIs) mehrerer großer Sprachmodelle – sowohl chinesischer als auch ausländischer – hinter einer einzigen, einheitlichen Oberfläche . Für den Nutzer bedeutet das einen Rundum-Service: Er kann verschiedene Modelle abfragen, ohne ständig das Konto oder die Benutzeroberfläche wechseln zu müssen .
Entscheidend ist: Diese Plattformen helfen Nutzern auf dem chinesischen Festland gezielt dabei, die Beschränkungen für ausländische KI-Dienste zu umgehen, die offiziell keine Unterstützung im Land anbieten . Der Relay-Dienst fungiert als Proxy, verarbeitet die Anfrage des Nutzers, leitet sie an das gewünschte ausländische Modell weiter und liefert die Antwort zurück – alles mit dem Look-and-Feel eines einheimischen Dienstes.
Die Attraktivität dieser Plattformen liegt auf der Hand und erklärt ihr rasantes Wachstum:
Doch das MSS macht in seiner Bekanntmachung unmissverständlich klar, dass sich hinter dieser komfortablen Fassade gravierende, mehrschichtige Sicherheitsprobleme verbergen.
Die Warnung des Ministeriums legt eine Kaskade von Risiken offen, die von fahrlässigem Umgang mit Daten bis hin zu gezielten böswilligen Angriffen reichen.
1. Unqualifizierte und unsichere Betreiber
Viele Plattformen agieren im rechtsfreien Raum – ohne ordentliche Gewerbeanmeldung oder die erforderlichen Betriebslizenzen. Entsprechend schwach sind ihre Sicherheitsvorkehrungen, was das Risiko von Datenschutzverletzungen unmittelbar erhöht und dem illegalen Handel mit Nutzerdaten Tür und Tor öffnet .
2. Unverschlüsselte Datenspeicherung und Weiterverkauf
Da KI-Relay-Plattformen als Torwächter fungieren, werden sämtliche Nutzerdaten auf ihren Servern gespeichert. Das MSS warnte, dass einige Plattformen diese Daten nicht ausreichend verschlüsseln. Besonders alarmierend: Skrupellose Betreiber können die Prompts der Nutzer ohne Genehmigung speichern und an andere KI-Modellentwickler zu Trainingszwecken weiterverkaufen. Aus sensiblen Anfragen wird so eine Schattenware .
3. Illegaler grenzüberschreitender Datentransfer
Ein grundsätzliches Problem ist die unbefugte Übermittlung von Daten ins Ausland. Das MSS stellte fest, dass viele Relay-Dienste die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen in China nicht durchlaufen haben, bevor sie Nutzereingaben an ausländische Server senden. Die Warnung besagt explizit, dass dies zum Verlust von persönlichen Daten, Geschäftsgeheimnissen und sogar Staatsgeheimnissen führen kann .
4. Backdoor- und Schadsoftware-Angriffe
Nicht immer sind die Plattformen selbst die einzige Gefahr. Das MSS warnte, dass böswillige Akteure Hintertüren (Backdoors) in einige Relay-Dienste einschleusen können. Eine kompromittierte Plattform kann genutzt werden, um Schadcode zu verbreiten, Benutzerkonten und Cloud-Zugangsschlüssel zu stehlen oder sogar Fernsteuerungsprogramme für eine dauerhafte Überwachung und langfristigen Datendiebstahl zu installieren .
5. Austausch von Modellen und qualitativ minderwertige Ergebnisse
Neben der Sicherheit besteht ein Risiko für die Integrität. Das Ministerium fand heraus, dass einige Betreiber aus Kostengründen heimlich hochwertige Modelle durch einfachere ersetzen, für deren Nutzung die Kunden eigentlich bezahlen. Andere kürzen Rechenressourcen oder deaktivieren Verifikationsfunktionen, was zu ungenaueren oder logisch widersprüchlichen Ergebnissen führt, die Entscheidungen in die Irre leiten können .
Die Warnung aus China steht nicht allein, sondern ist Teil einer umfassenden regulatorischen Kampagne. In den letzten Jahren hat das MSS eine Reihe von Warnungen zu KI-bezogenen Bedrohungen herausgegeben, darunter Datenvergiftung , Token-Diebstahl und die Preisgabe sensibler Informationen durch KI-Schreibtools . Dies signalisiert, dass der Staat die unregulierte KI-Lieferkette als kritische neue Front der nationalen Sicherheit betrachtet.