UBS argumentiert daher, dass bei anhaltenden Einschränkungen der „Weg des geringsten Widerstands“ für Ölpreise nach oben führt – weil Märkte sowohl reale Angebotsverluste als auch das Risiko weiterer Eskalationen einpreisen müssen.
Die extremen Preisprognosen beziehen sich auf Stressszenarien, nicht auf das Basisszenario der Banken. Dennoch warnen Analysten, dass ein länger andauernder Ausfall wichtiger Lieferungen drastische Preissprünge auslösen könnte.
Ein solcher Preisschock könnte entstehen, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig eintreten:
Unter solchen Umständen könnte der Brent‑Preis laut Szenarioanalysen kurzzeitig über 150 Dollar pro Barrel steigen, während der Markt versucht, das Ausmaß des Angebotsausfalls einzupreisen.
Normalerweise federn Öl‑Lagerbestände kurzfristige Angebotsschocks ab. Doch wenn Störungen länger anhalten, werden diese Puffer schnell aufgebraucht.
Sowohl kommerzielle Lager als auch strategische Reserven der Staaten dienen in Krisen dazu, fehlende Produktion vorübergehend zu ersetzen. Doch schnelle Lagerabbauten treiben häufig die Preise nach oben, weil Händler höhere Preise bieten, um zusätzliche Lieferungen anzuziehen und die Nachfrage zu dämpfen.
Diese Dynamik hat bereits politische Gegenmaßnahmen ausgelöst.
UBS ist nicht allein mit einer vorsichtigeren Einschätzung des Ölmarkts. Auch andere große Finanzhäuser haben ihre Prognosen angepasst.
Goldman Sachs hat seine kurzfristigen Prognosen ebenfalls erhöht. Die Bank hob ihre Q2‑Prognose für Brent um 10 Dollar und für WTI um 9 Dollar an. Sollte die Straße von Hormus einen Monat lang blockiert bleiben, könnten die Preise laut Schätzung um etwa weitere 15 Dollar pro Barrel steigen.
In einem separaten Szenario rechnet Goldman damit, dass Brent kurzzeitig etwa 110 Dollar erreichen könnte, wenn die Ölströme durch die Meerenge für einen Monat halbiert werden.
HSBC zeigt sich ebenfalls optimistischer für den Ölpreis. Die Bank erwartet nun einen durchschnittlichen Brent‑Preis von etwa 95 Dollar im Jahr 2026, unter der Annahme, dass die Einschränkungen im Schiffsverkehr länger anhalten und sich Produktion und Logistik im Golf erst später im Jahr normalisieren.
Auch Barclays hat seine Prognose angehoben und erwartet nun rund 100 Dollar pro Barrel für Brent im Jahr 2026. Die Bank warnt, dass ein längerer Konflikt den Preisschock verstärken und dauerhaft höhere Preise verursachen könnte.
Die Internationale Energieagentur konzentriert sich weniger auf Preisprognosen als auf die Stabilisierung des Marktes.
Als Reaktion auf die Krise beschlossen die Mitgliedstaaten, rund 400 Millionen Barrel aus strategischen Notfallreserven freizugeben – die größte koordinierte Freigabe in der Geschichte der Organisation. Ziel ist es, Lieferausfälle abzufedern und extreme Preisschwankungen zu dämpfen.
Trotz unterschiedlicher Prognosen sind sich Banken und Energieagenturen in einem Punkt einig: Geopolitische Risiken bestimmen derzeit die Richtung des Ölmarktes.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie schwer die Störungen eingeschätzt werden.
Welche dieser Entwicklungen eintritt, hängt vor allem davon ab, wie lange die Straße von Hormus beeinträchtigt bleibt – und wie stark sich der Konflikt in der Region weiter ausweitet.
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