EZB-Prognosen im Überblick (März 2026):
Die Wachstumsaussichten wurden ebenfalls zurückgestuft, da der Energieschock die Wirtschaft im Euroraum spürbar belastet . Trotz der offiziellen Zinspause warten die Finanzmärkte jedoch nicht ab. Sie preisten angesichts der wiederaufgeflammten Inflationsängste bereits eine bis zwei Zinserhöhungen im Laufe des Jahres 2026 ein
. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sekundierte mit einer eigenen falkenhaften Note und warnte, die Zinsen „könnten steigen, sollten sich die Aussichten nicht verbessern“
. Die EZB versucht vorerst, durch einen – wie sie hofft – nur vorübergehenden Schock hindurchzuschauen. Die Glaubwürdigkeit dieser Haltung hängt jedoch einzig und allein davon ab, wie lange die Straße von Hormus blockiert bleibt.
Deutschland als größte Volkswirtschaft des Euroraums spürt den Energieschock besonders heftig. Zwar legt die Bundesbank keinen eigenen Leitzins fest, doch ihre Juni-Prognose zeichnet ein düsteres Bild. Sie rechnet nun mit einer HVPI-Inflation von 2,9 % im Jahr 2026 – das ist nahezu eine Verdopplung zur Vorkriegsschätzung von 1,5 % . Unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitute gehen sogar noch weiter: Die Förderbank KfW prognostiziert für Deutschland eine Teuerung von 3,1 % und einen Euroraum-Durchschnitt von 3,0 %
.
Deutschlands revidierte Perspektive:
Der volkswirtschaftliche Schaden ist bereits sichtbar. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies ausdrücklich auf den Krieg als Grund für die Halbierung seiner Wachstumsprognose, und die Bundesregierung kündigte ein Steuerentlastungspaket für Benzin und Diesel in Höhe von rund einer Milliarde Euro an, um die Belastungen abzufedern . Doch selbst diese fiskalische Unterstützung wirkt angesichts eines Energiepreisschocks, der den Brent-Preis um fast 73 % in die Höhe getrieben hat
, bescheiden.
Italien ist mit seiner hohen Abhängigkeit von Energieimporten besonders exponiert. Die Banca d’Italia rechnet in ihrer Prognose vom April 2026 mit einer HVPI-Inflation von 2,6 % für dieses Jahr – ein ganzer Prozentpunkt mehr als vor dem Krieg. Erst 2027 und 2028 soll die Teuerung wieder unter die 2,0-Prozent-Marke sinken . Zudem hat die Banca d’Italia ein Negativszenario erstellt, in dem die Inflation bei anhaltendem Energieschock in den Jahren 2026/27 sogar über 4 % liegen könnte
.
Italiens aktualisierter Ausblick:
Italiens Notenbankgouverneur Panetta sprach unlängst von einer „umfassenden militärischen Konfrontation“, die die Exporte durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht und die regionale Energieinfrastruktur stark beschädigt habe . Selbst bei einer raschen Waffenruhe würde die Rückkehr zu geordneten Energiemärkten „einige Zeit in Anspruch nehmen“, warnte er
.
Die Bank of Korea (BoK) hielt ihren Leitzins auf den Sitzungen im April und Mai 2026 stabil bei 2,50 % – die achte Zinspause in Folge . Unter der Oberfläche tut sich jedoch etwas: War das Votum im April noch einstimmig, offenbarte die Mai-Sitzung ein falkenhaftes 5:2-Ergebnis, bei dem zwei Mitglieder für eine sofortige Zinserhöhung plädierten
.
Südkoreas Wandel in Zahlen:
Der neue Gouverneur Shin Hyun Song hat mit der Vorsicht seines Vorgängers deutlich gebrochen und signalisiert, dass Zinserhöhungen „in den kommenden Monaten“ wahrscheinlich seien – begründet durch stärkeres Wachstum und erhöhte Inflation . Die deutliche Abwertung des südkoreanischen Won, die zusätzlich importierte Inflation verursacht, schränkt den Handlungsspielraum der Notenbank weiter ein
.
Die brasilianische Zentralbank ist die einzige in dieser Runde, die noch die Zinsen senkt, doch dieser Lockerungszyklus wird zunehmend zur Gratwanderung. Der geldpolitische Ausschuss (Copom) senkte den Selic-Leitzins am 29. April um 25 Basispunkte auf 14,50 %. Es war die zweite Senkung in dieser Größenordnung . Dennoch laufen die Inflationserwartungen inzwischen weit oberhalb des Ziels von 3,0 % und sogar über der Toleranzgrenze von 4,50 %.
Brasiliens widersprüchliche Signale:
Geldpolitik-Direktor Nilton David räumte bereits im März ein, die Zentralbank könne die Folgen des Iran-Kriegs „nicht ignorieren“ und der Zinspfad könne sich ändern, je nachdem, wie sich der Schock entwickle . Das Sitzungsprotokoll des Copom von Mai offenbarte gar, dass man eine falkenhaftere Haltung erwogen hat und dass ein längerer Konflikt zu einer Verlangsamung oder einer Pause des Lockerungszyklus führen könnte
. Vorerst versucht die Notenbank die Quadratur des Kreises: vorsichtige Zinssenkungen zu liefern, während sich die Inflationserwartungen immer weiter von ihrem Ziel entfernen.
Der Iran-Konflikt hat einen scharfen, synchronisierten Energiepreisschock ausgelöst, der die Verbraucherpreise und Wachstumsprognosen quer durch die Bank nach oben treibt. Die EZB befindet sich im Wartemodus, sieht sich aber wachsendem Marktdruck für Zinserhöhungen ausgesetzt. Die Bank of Korea signalisiert bereits die geldpolitische Wende. Brasilien senkt seine Zinsen weiter, obwohl die Inflation die Toleranzgrenze überschritten hat. Der gemeinsame Nenner ist die Unsicherheit: Jede Prognose der Notenbanken ist derzeit ausdrücklich daran geknüpft, wie lange die Energiekrise anhält. Solange die Straße von Hormus faktisch geschlossen bleibt, wird die Schere zwischen den offiziellen Leitzinsen und der tatsächlichen Teuerung immer weiter auseinandergehen.
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