Die Vermögenssperre ist zunächst eine vorläufige Sicherungsmaßnahme – kein abschließendes Urteil zugunsten von Wingtech. Das Zwischenvolksgericht in Dongguan reagierte damit auf einen Antrag von Wingtech Technology und dessen Hongkonger Tochter Yucheng Holding. Beide wollen Vermögenswerte sichern, die im Fall eines späteren Erfolgs ihrer Klage zur Begleichung eines möglichen Anspruchs dienen könnten. Über die eigentlichen Vorwürfe ist noch nicht entschieden.
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Welche Vermögenswerte betroffen sind
Das Gericht ordnete die Beschlagnahmung, Verwahrung oder Sperrung von Vermögenswerten im Wert von bis zu 2,14 Milliarden Yuan (rund 300 Millionen Dollar) an. Betroffen sind Beteiligungen der niederländischen Nexperia B.V. sowie ihres Ausrüsters ITEC B.V.
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Konkret umfasst die Maßnahme:
- die Beteiligungen von Nexperia B.V. an vier Tochtergesellschaften in China;
- den gesamten Anteil von ITEC B.V. an der ITEC Technology (Wuxi) Co Ltd.
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Nach Angaben aus einer Mitteilung von Wingtech kann die Sicherungsmaßnahme bis August 2029 bestehen bleiben. Nexperia erklärte, der Beschluss beeinträchtige weder den laufenden Betrieb noch das Management oder die Geschäftskontinuität. Zugleich wies das Unternehmen darauf hin, dass das Gericht den Fall in der Sache noch nicht verhandelt hat.
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Der rechtliche Unterschied ist entscheidend: Eine Vermögenssicherung verhindert, dass bestimmte Werte während eines laufenden Verfahrens übertragen oder anderweitig dem Zugriff entzogen werden. Sie stellt weder eine Haftung fest noch garantiert sie Wingtech eine spätere Entschädigung.
Verbindung zur Klage über 8 Milliarden Yuan
Wingtech und Yucheng hatten im Mai 2026 beim Gericht in Dongguan Klage eingereicht. Sie fordern mindestens 8 Milliarden Yuan, etwa 1,2 Milliarden Dollar, außerdem ein Ende der von ihnen beanstandeten Maßnahmen und die Wiederherstellung ihrer Kontrolle über Nexperia.
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Die Klage stützt sich auf Chinas Gesetz gegen ausländische Sanktionen. Wingtech argumentiert, die Eingriffe der niederländischen Regierung und die damit verbundenen Einschränkungen der Unternehmensführung seien diskriminierende ausländische Restriktionsmaßnahmen gewesen. Sie hätten die Rechte des chinesischen Eigentümers von Nexperia verletzt.
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Die nun angeordnete Vermögenssperre verschafft Wingtech damit zusätzlichen prozessualen Druck, während der größere Streit weiterläuft. Sie ist jedoch weder eine Zahlung von 8 Milliarden Yuan noch ein Beleg dafür, dass das Gericht sämtliche Vorwürfe von Wingtech akzeptiert hat.
Wie der Machtkampf begann
Der Konflikt eskalierte Ende September und im Oktober 2025. Die niederländische Regierung griff damals unter Berufung auf außergewöhnliche wirtschafts- und sicherheitspolitische Befugnisse in die Führung von Nexperia ein. Den Haag verwies auf erhebliche Mängel bei der Unternehmensführung, Risiken für die Versorgung Europas mit Halbleitern und mögliche Gefahren eines Technologietransfers an den chinesischen Eigentümer Wingtech.
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Unabhängig davon setzte die niederländische Unternehmenskammer den früheren Nexperia-Chef Zhang Xuezheng vorläufig ab. Außerdem wurden nahezu alle Stimmrechte aus den indirekt von Wingtech gehaltenen Nexperia-Anteilen unter eine Verwaltung gestellt.
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Die niederländische Regierung setzte ihren direkten Eingriff später nach Gesprächen mit China aus. Damit entschärfte sich ein Teil der Auseinandersetzung, der grundsätzliche Streit über Kontrolle und Unternehmensführung blieb jedoch bestehen. Auch 2026 wurde weiterhin berichtet, dass Wingtechs Kontrolle über relevante ausländische Gesellschaften eingeschränkt war.
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Warum die Chipversorgung betroffen war
Der Eigentumsstreit erfasste auch die Liefer- und Produktionsstruktur von Nexperia. Nach dem niederländischen Eingriff verhängte China Exportbeschränkungen für fertige Produkte aus den chinesischen Nexperia-Aktivitäten. Dadurch wurden Lieferungen zunächst unterbrochen. Besonders wichtig für Kunden im Ausland waren fertige Chips, die im Perlflussdelta verpackt wurden.
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Später nahm die chinesische Nexperia-Einheit den Verkauf an einige inländische Händler wieder auf. Die Geschäfte mussten in Yuan abgewickelt werden. Zudem suchte das Unternehmen chinesische Wafer-Lieferanten, nachdem Materiallieferungen aus den Niederlanden ausgeblieben waren.
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So entstand in der Praxis eine stärkere Trennung zwischen den europäischen und chinesischen Aktivitäten von Nexperia. Der Streit betraf daher nicht nur Eigentumsrechte auf dem Papier. Auch der Zugang zu Wafern, fertigen Produkten, Managementsystemen und grenzüberschreitenden Vertriebswegen wurde zum Konfliktpunkt.
Folgen für die Autoindustrie
Nexperia produziert Halbleiter, die unter anderem in Fahrzeugen und Unterhaltungselektronik eingesetzt werden. Lieferunterbrechungen trafen deshalb nicht nur die Anteilseigner des Unternehmens. Berichte brachten die Exportbeschränkungen mit Störungen in der Automobil-Lieferkette, Produktionsunterbrechungen und Stellenabbau bei einigen betroffenen Unternehmen in Verbindung. Europäische Autobauer waren besonders exponiert, weil viele fertige Chips vor dem Export nach Europa in China verpackt wurden.
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Der Fall machte sichtbar, wie verwundbar Lieferketten sind, wenn einzelne Unternehmensbereiche über mehrere Länder verteilt sind und nationale Sicherheits- und Handelspolitiken zunehmend gegeneinanderlaufen.
Finanzielle Belastung für Wingtech
Wingtech meldete für 2025 einen Nettoverlust von 8,7 Milliarden Yuan. Im Vorjahr hatte der Verlust 2,8 Milliarden Yuan betragen. Reuters zufolge belastete der Streit um die Kontrolle von Nexperia das Ergebnis erheblich – unter anderem durch einen bilanziellen Verlust nach der Neubewertung von Nexperia infolge des Kontrollverlusts.
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Daraus folgt jedoch nicht, dass der Nexperia-Konflikt allein den gesamten Jahresverlust verursacht hat. Das Ergebnis umfasst auch die übrigen Geschäftsbereiche und weitere bilanzielle Faktoren. Der Verlust der effektiven Kontrolle über Nexperia war allerdings ein wesentlicher Beitrag zur Verschlechterung.
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Wie es weitergeht
Die Vermögenssperre hält bestimmte Beteiligungen von Nexperia und ITEC gebunden, während das Verfahren von Wingtech in China weiterläuft. Offen ist weiterhin, ob die niederländischen Maßnahmen nach Chinas Gesetz gegen ausländische Sanktionen rechtswidrig waren, ob Wingtech Anspruch auf Schadensersatz hat und wer Nexperia letztlich kontrollieren wird.
Damit hat sich der Fall von einem niederländischen Eingriff aus Gründen der Unternehmensführung und nationalen Sicherheit zu einem grenzüberschreitenden Konflikt über Unternehmenskontrolle und Lieferketten entwickelt. Auch nachdem die Niederlande ihren direkten staatlichen Eingriff ausgesetzt hatten, sorgten rechtliche Beschränkungen, getrennte operative Strukturen und konkurrierende Sicherheitsinteressen dafür, dass die Eigentums- und Führungsfrage bei Nexperia ungeklärt blieb.
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