Seine Begründung: Beide Netzwerke würden seiner Ansicht nach tatsächlich neue Produkte liefern, statt lediglich Projekte und Versprechen anzukündigen . Die Aussage ist allerdings keine neutrale Marktanalyse. Calacanis gibt an, persönlich rund 500 Millionen US-Dollar in TAO investiert zu haben .
Calacanis stellt Bitcoin in seiner Argumentation vor allem als spekulatives Narrativ dar, während Solana und Bittensor für ihn zu den „produktiven Projekten“ gehören. In seinem Beitrag schrieb er sinngemäß, dass er seinem Bruder bei einem Bitcoin-Bestand raten würde, die Hälfte davon zu verkaufen und das Geld in TAO und SOL umzuschichten .
Bei Bittensor setzt der Investor auf dezentrale KI-Infrastruktur. In einer Folge von This Week in Startups stellte er für TAO über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren sogar eine mögliche Rendite von 200-fach in Aussicht. Damit verband er ein langfristiges Kursziel von rund 500 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung . Seine eigenen Einstiege habe er nach den vorliegenden Berichten bei etwa 150 bis 160 US-Dollar getätigt; TAO notierte 2026 zeitweise im Bereich von ungefähr 258 bis 330 US-Dollar .
Calacanis räumte zugleich ein, wie riskant seine Aussage für Nachzügler sein kann. Im Juli 2026 riet er seinen Followern scherzhaft, lediglich einen TAO-Token zu kaufen, bezeichnete das aber umgehend als „schlechten Finanzrat“ und warnte, Käufer könnten womöglich ihre gesamten 200 US-Dollar verlieren .
Besonders auffällig ist der Sinneswandel bei Solana. Ende Dezember 2023 hatte Calacanis SOL bei einer Marktkapitalisierung von etwa 46 Milliarden US-Dollar als „maßlos überteuert“ bezeichnet. Er verglich die Bewertung kritisch mit Unternehmen wie DoorDash, Palantir und Spotify und bezweifelte, dass es genügend konkrete Geschäfts- oder Verbraucheranwendungen gebe, um sie zu rechtfertigen .
Diese skeptische Haltung hielt er bis Anfang 2025 aufrecht. Mehrfach erklärte er, er habe „nie SOL besessen“, und niemand habe ihm überzeugende Anwendungen des Netzwerks jenseits der Spekulation erklärt .
Im August 2026 bezeichnete er Solana nun selbst als „produktives Projekt“, in das man investieren könne. Seine Kehrtwende fiel in eine Phase, in der SOL nahe 74 US-Dollar eine wichtige wöchentliche Unterstützungszone testete und Händler auf ein mögliches Ausbruchssignal warteten . Als mögliche Gründe für seine Neubewertung werden die wahrgenommene Produktentwicklung des Netzwerks, ETF-Zuflüsse und technische Fortschritte wie Firedancer genannt .
Calacanis richtet seine Kritik nicht nur gegen Bitcoin, sondern insbesondere gegen Strategy – das früher unter dem Namen MicroStrategy bekannte Unternehmen – und dessen Mitgründer Michael Saylor. Seine Argumente lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
Risiko einer stärkeren Zentralisierung: Calacanis sagt, Bitcoins größtes Problem bestehe inzwischen darin, dass „eine Person Chaos verursacht“. Gemeint ist Saylors großer Einfluss durch die umfangreichen Bitcoin-Käufe von Strategy . Bereits 2025 warnte er, eine zunehmende Konzentration könne der ursprünglich stärker dezentralen und demokratisierten Idee von Bitcoin widersprechen .
Mögliche Verzerrung des Bitcoin-Preises: Er hinterfragt, ob der aktuelle BTC-Kurs teilweise durch Saylors kontinuierliche Käufe gestützt wird und nicht allein durch eine organische Nachfrage. Im April 2026 fragte er die KI-Anwendung Grok, wo Bitcoin ohne Saylors angebliche Marktzuführung von mehr als 61 Milliarden US-Dollar seit 2020 stehen könnte. Die dort wiedergegebene Analyse kam zu dem Schluss, dass der Preis deutlich niedriger liegen könnte .
Ein „komplizierter Mantel“ um Bitcoin: Strategy sei aus seiner Sicht ein unnötiger Zwischenhändler – ein „komplizierter Mantel“ rund um Bitcoin. Die Unternehmensstruktur füge Schulden-, Liquidations- und Komplexitätsrisiken hinzu, ohne gegenüber dem direkten Halten von Bitcoin einen klaren Vorteil zu bieten . Kritiker weisen zudem darauf hin, dass Stammaktionäre in der Rangfolge im Insolvenz- oder Liquidationsfall weit hinten stehen und bei einem Verkauf der Vermögenswerte einen Totalverlust erleiden könnten .
Keine Rettung durch die Allgemeinheit: Calacanis erklärte, er würde Strategy-Aktien selbst dann nicht anfassen, wenn der Kurs einbrechen sollte. Sollte das Unternehmen scheitern, dürfe es seiner Ansicht nach keine Bitcoin-Rettung geben .
Der Zeitpunkt der Aussage war für Calacanis' Argumentation entscheidend:
Calacanis' Beitrag ist deshalb mehr als ein gewöhnlicher Marktkommentar. Ein Investor, der früh auf Unternehmen wie Uber und Robinhood setzte, verlagert seine größte Überzeugungswette offenbar von Bitcoin hin zu Solana und dezentraler KI-Infrastruktur. Seine persönliche TAO-Position und die extreme 200-fache Renditeprognose zeigen jedoch zugleich, dass Anleger seine Aussagen als interessengeleitete Einschätzung und nicht als unabhängige Finanzberatung einordnen sollten.