Airbus äußert sich traditionell nicht öffentlich zu einzelnen Kundenlieferungen, doch laut Branchenquellen wurden mehrere Airlines bereits auf mögliche Änderungen im Zeitplan vorbereitet.
Ein zentraler Störfaktor ist eine Produktionsstätte in Kinston im US‑Bundesstaat North Carolina. Das Werk gehörte früher zum Zulieferer Spirit AeroSystems und wurde inzwischen von Airbus übernommen. Dort werden wichtige Rumpfsegmente aus Verbundmaterial für die A350 hergestellt.
Berichten zufolge hat Airbus Schwierigkeiten, eine stabile Produktion und Lieferung dieser Strukturen sicherzustellen. Verzögerungen bei Fertigung und Transport führen dazu, dass die gesamte Produktionskette der A350 ins Stocken gerät.
Zusätzliche Probleme entstanden während der Übernahme des Werks von Spirit durch Airbus. Veränderungen bei Organisation, Personal und Abläufen erschweren den Versuch, die Produktion rasch zu stabilisieren.
In der Flugzeugindustrie, in der riesige Strukturteile exakt zum richtigen Zeitpunkt eintreffen müssen, kann schon ein Engpass an einer einzigen Zulieferstelle die gesamte Produktion ausbremsen.
Aufgrund der Lieferprobleme fällt es Airbus schwer, die geplante Produktionssteigerung umzusetzen. Laut Branchenquellen liegt die Produktion derzeit bei rund sechs A350‑Flugzeugen pro Monat.
Langfristig will Airbus deutlich mehr bauen: Das Unternehmen plant, die Rate bis 2028 auf etwa zwölf Flugzeuge pro Monat zu erhöhen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine stabilere Lieferkette – insbesondere bei den ehemaligen Spirit‑Standorten.
Bleiben die Engpässe bestehen, könnten sich die Lieferprobleme noch mehrere Jahre hinziehen.
Die Schwierigkeiten rund um die A350‑Plattform betreffen nicht nur die Passagierversion. Auch das kommende Frachtflugzeug A350F basiert auf derselben Grundstruktur.
Branchenquellen berichten, dass es ebenfalls Störungen bei der Produktion der Frachttüren gibt, die in Airbus‑Werken in Spanien hergestellt werden.
Zwar konnte Airbus kürzlich die erste große Hauptdeck‑Frachtertür aus der spanischen Produktionslinie an die Endmontage in Toulouse liefern.
Trotzdem haben Probleme entlang der gesamten Lieferkette bereits dazu geführt, dass der geplante Marktstart des A350F auf etwa 2027 verschoben wurde.
Die Verzögerungen beim A350 sind Teil eines breiteren operativen Drucks auf Airbus.
Im ersten Quartal 2026 meldete der Konzern deutlich schwächere Ergebnisse: Der bereinigte operative Gewinn sank im Jahresvergleich um 52 % auf rund 300 Millionen Euro. Hintergrund sind unter anderem geringere Flugzeugauslieferungen und anhaltende Lieferkettenprobleme.
Ein weiteres großes Problem betrifft die Kurz‑ und Mittelstreckenjets der A320‑Familie. Dort bremst ein Mangel an Triebwerken des Herstellers Pratt & Whitney die Produktion und Auslieferung.
Um die Margen zu schützen, hat Airbus außerdem angekündigt, die nicht‑industriellen Ausgaben und Verwaltungskosten um etwa 10 % zu senken.
Die A350 ist eines der wichtigsten Langstreckenflugzeuge von Airbus und ein direkter Konkurrent zu großen Boeing‑Jets. Fluggesellschaften planen ihre internationalen Strecken und Flottenmodernisierung oft Jahre im Voraus – daher sind pünktliche Auslieferungen entscheidend.
Da das Programm auf einer komplexen globalen Lieferkette basiert – von Verbundwerkstoff‑Rumpfstrukturen bis zu spezialisierten Systemen – können anhaltende Probleme bei Zulieferern die Produktion über Jahre hinweg beeinflussen.
Für Airbus wird es daher entscheidend sein, die Produktion im Werk in Kinston zu stabilisieren und die Lieferkette wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Erst dann kann der Konzern seine geplanten Produktionssteigerungen für die A350 tatsächlich umsetzen und weitere Verzögerungen vermeiden.
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