Verfahrenstechnisch war der Fall von einem ständigen Hin und Her geprägt. Im Dezember 2024 erklärte ein Bukarester Gericht die ursprüngliche Anklageschrift im Menschenhandelskomplex für fehlerhaft und verwies den Fall zurück an die Anklagebehörde . Eine gewisse Erleichterung für die Brüder brachte ein Beschluss im April 2026, als ein Gericht die verbliebenen sogenannten „justiziellen Kontrollmaßnahmen“ – etwa Reisebeschränkungen und polizeiliche Meldepflichten – in einem der beiden Fälle aufhob
. Das Verfahren an sich bleibt von dieser Entscheidung jedoch unberührt und wird aktiv fortgeführt
.
Auch im Vereinigten Königreich sehen sich die Brüder einer doppelten rechtlichen Bedrohung gegenüber.
Auf strafrechtlicher Ebene hat die britische Anklagebehörde, der Crown Prosecution Service, bereits Anklage gegen Andrew und Tristan Tate erhoben. Diese soll laut Berichten unter anderem Vorwürfe wie Vergewaltigung, Körperverletzung und Menschenhandel umfassen . Ein Anwalt der Brüder erklärte, dass sie nach Abschluss der rumänischen Verfahren nach Großbritannien zurückkehren werden, um sich diesen Vorwürfen zu stellen
. Parallel dazu gaben britische Polizeibehörden im März 2026 bekannt, sie würden erneut Missbrauchsvorwürfe gegen Andrew Tate aus mehr als zehn Jahren alten Fällen prüfen
.
Zivilrechtlich rückt ein Prozess am Londoner High Court näher. Für Juni 2026 ist die Verhandlung einer Klage von vier Frauen angesetzt, die Andrew Tate körperliche und sexuelle Misshandlung vorwerfen. Das Verfahren wurde vorgezogen, nachdem es zuvor für Anfang 2027 erwartet worden war .
Auch in den Vereinigten Staaten geraten die Brüder zunehmend ins Visier von Justiz und Politik. Eine Recherche der Investigativplattform ProPublica deckte auf, dass bereits vor ihrer Reise nach Florida im Februar 2025 in drei verschiedenen Ländern Ermittlungen wegen Menschenhandels gegen sie liefen . Der Bericht thematisierte zudem mögliche politische Einflussnahmen aus dem Umfeld der US-Regierung auf das Verfahren
.
Nach der Ankunft der Brüder in Florida erklärte Gouverneur Ron DeSantis, sie seien in seinem Bundesstaat „nicht willkommen“ . In der Folge leitete Florida offiziell ein eigenes strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die Brüder ein – eine formelle Anklageerhebung wurde bislang jedoch nicht öffentlich bestätigt
. Die US-amerikanische Komponente bleibt der am wenigsten definierte Teil des gesamten Verfahrensgeflechts, bedeutet aber ein zusätzliches Risiko für die Brüder, die neben der britischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzen.
Das aktuelle Lagebild zeigt die Tates konfrontiert mit mindestens vier aktiven juristischen Fronten: einem erweiterten rumänischen Strafverfahren inklusive Hassrede-Vorwurf, einer autorisierten britischen Strafanklage wegen Sexualdelikten, einem britischen Zivilprozess wegen Missbrauchs im Juni 2026 und anhaltenden Ermittlungen in den Vereinigten Staaten.
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