Linux 7.3 entwickelt sich zu einem breit angelegten Kernel-Release. Statt einer einzelnen großen Neuerung bringt der laufende Merge Window Verbesserungen für Grafiktreiber, Gaming, Speicherverwaltung, Eingabegeräte, Sicherheit und Dateisysteme. Gleichzeitig werden Grundlagen für Server geschaffen, bei denen Speicher über schnelle Verbindungen wie Compute Express Link (CXL) bereitgestellt wird.
Der Merge Window ist die erste Phase eines Linux-Entwicklungszyklus. In diesem etwa zweiwöchigen Zeitraum werden die wichtigsten ausreichend geprüften Änderungen in den Hauptentwicklungszweig übernommen. Danach folgen Release Candidates sowie eine Phase zur Fehlerbehebung und Stabilisierung.
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Größte Gaming-Neuerung: GPU-Speicher lässt sich besser zurückgewinnen
Wenn ein Spiel mehr Grafikspeicher benötigt, als die GPU zur Verfügung stellt, kann die Leistung massiv einbrechen – oder das Spiel ganz abstürzen. Linux 7.3 soll dieses Verhalten mit der DMEMCG-Eviction verbessern. Die von Valves Natalie Vock vorangetriebene Arbeit erlaubt es dem Kernel, Gerätespeicher effektiver zurückzufordern, wenn Anwendungen das verfügbare VRAM-Limit überschreiten. Die erste Implementierung soll mit AMDGPU und Intel-Grafik funktionieren.
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Wichtig ist die Abgrenzung: Die Änderung vergrößert nicht den physischen Grafikspeicher einer Grafikkarte. Sie verbessert vielmehr den Umgang des Kernels mit Speicherdruck. Nutzer können daher eher mit einem kontrollierteren Verhalten und weniger drastischen Leistungseinbrüchen rechnen – zusätzlicher VRAM wird dadurch nicht ersetzt.
Auch der Grafik-Speicherverwalter TTM soll bei Zuweisungen unterhalb von Schutzgrenzen aggressiver vorgehen. Zusammen mit Änderungen an den Device-Memory-cgroups soll das dem Kernel mehr Spielraum bei der Verwaltung von GPU-Speicher geben.
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Neue Grafikunterstützung für AMD, Intel und Nvidia
AMDGPU erhält weitere Hardware-Unterstützung
Bei AMD stehen zusätzliche Anzeige- und Hardware-Funktionen auf dem Programm, darunter Arbeiten rund um DCN 6.0. Weitere Aktualisierungen des AMD-Grafiktreibers wurden bereits vor dem Merge Window eingereicht.
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Intel Nova Lake-S wird standardmäßig erkannt
Eine der sichtbarsten Änderungen betrifft Intels integrierte Grafik. Linux 7.3 entfernt Nova Lake-S aus der Force-Probe-Liste des Intel-Xe-Treibers. Unterstützte Grafikchips sollen dadurch automatisch erkannt und initialisiert werden, ohne dass Nutzer zuvor eine manuelle Aktivierungsoption setzen müssen.
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Die DRM-Aktualisierungen stufen die Grafik der nächsten Nova-Lake-Generation zudem als stabil ein und aktivieren sie standardmäßig. Wann diese Unterstützung tatsächlich in einer Distribution ankommt, hängt allerdings vom jeweiligen Distributionskernel ab.
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Nova/Nouveau-Arbeiten für Nvidia gehen weiter
Auch die Entwicklung rund um Nvidia bleibt Teil der Grafikarbeiten. Das Rust-basierte Nova/Nouveau-Treiberprojekt macht Fortschritte. Nach aktuellem Stand handelt es sich jedoch weiterhin um laufende Entwicklung und nicht um einen vollständigen Ersatz für die vorhandenen Nvidia-Treiberoptionen.
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Mehr Unterstützung für Handhelds und programmierbare Eingabegeräte
Linux 7.3 nimmt außerdem Geräte ins Visier, die beim Spielen und im Alltag oft nur teilweise funktionieren:
- Der neue MSI-Claw-HID-Treiber soll bei kompatiblen Handhelds die Controller-Konfiguration und die Steuerung der RGB-Beleuchtung mit einem Mainline-Kernel ermöglichen. Entwickelt wurde die Arbeit unter anderem mit Valve und weiteren Beiträgern.
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- Die Unterstützung für programmierbare Tasten nach Logitech HID++ 2.0 erlaubt es Software, unterstützte Maustasten und spezielle Tastaturtasten abzufragen, neu zu belegen oder umzuleiten.
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- Änderungen im Input-Core verbessern das Öffnen, Schließen und Sperren von Geräten. Eingabegeräte sollen vollständig bereit sein, bevor ihre Ereignisse an Anwendungen weitergereicht werden.
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Solche Änderungen wirken im Vergleich zu einem neuen Grafiktreiber unscheinbar, lösen aber ein bekanntes Linux-Problem: Ein Gerät kann grundsätzlich funktionieren, während Sondertasten, Beleuchtung oder Konfigurationsmöglichkeiten fehlen. Unterstützung direkt im Kernel kann diese Lücke bei kompatibler Hardware verkleinern.
Sicherheits- und Stabilitätsverbesserungen im Input-Subsystem
Der PS/2-Maustreiber wird gegen einen möglichen Use-after-free beim Trennen des Protokolls gehärtet. Weitere Korrekturen betreffen mögliche Unterläufe in PS/2-Treibern, unter anderem im FocalTech-Treiber.
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Außerdem soll Linux künftig den USB-C Security Restricted Mode neuerer Lenovo-ThinkPads melden können. Ist dieser Modus aktiv, bleibt die USB-C-Stromversorgung eingeschaltet, während USB-Datenverbindungen deaktiviert werden. Das ist für Einsatzszenarien wie Kiosksysteme oder physisch gesicherte Umgebungen gedacht, in denen Datenübertragungen und nicht vertrauenswürdige USB-C-Geräte eingeschränkt werden sollen.
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Zwei alte Dateisysteme verschwinden aus dem Kernel
Mit Linux 7.3 werden die nicht mehr gepflegten Treiber für das SGI IRIX Extent File System (EFS) und für FreeVxFS, den mit Veritas VxFS kompatiblen Treiber, entfernt. Nach dem Wechsel auf einen Kernel ohne diese Treiber lassen sich Datenträger mit diesen Formaten nicht mehr auf diesem Weg direkt einhängen.
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Für die meisten Anwender dürfte das keine Rolle spielen. Administratoren und Archive, die noch rohe EFS-Datenträger oder alte Veritas-Volumes benötigen, sollten vor einem Kernel-Upgrade jedoch einen alternativen Zugriff einplanen.
FailFS ist kein gewöhnliches Dateisystem
Linux 7.3 führt außerdem FailFS ein – ein kompaktes Pseudo-Dateisystem für eine spezielle Kernel-Aufgabe, nicht für die Speicherung persönlicher Daten. Jeder Vorgang, der FailFS erreicht, liefert EOPNOTSUPP, also den Linux-Fehlercode für eine nicht unterstützte Operation.
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Damit erhalten Kernel-Aufgaben eine kontrollierte Möglichkeit, Dateisystemzustand und Referenzen abzugeben. Befindet sich das Wurzel- oder Arbeitsverzeichnis eines Prozesses in FailFS, müssen Pfadauflösungen über einen ausdrücklich angegebenen Dateideskriptor verankert werden. Absolute Pfade und relative Auflösungen über AT_FDCWD schlagen fehl.
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FailFS ist somit eher ein Mechanismus für Sicherheit und Lebenszyklusverwaltung als ein Dateisystem, das Nutzer zum Organisieren von Dateien einhängen würden. Es wird zusammen mit NullFS in die interne Kernel-Infrastruktur aufgenommen.
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DAX und NVDIMM bereiten FAMFS für CXL-Server vor
Weniger sichtbar für Desktop-Nutzer sind die Änderungen an DAX und NVDIMM. Korrekturen, Umstrukturierungen und weitere Verbesserungen in diesen Bereichen schaffen die Voraussetzungen für Microns geplantes Dateisystem FAMFS.
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FAMFS ist für Fabric-Attached Memory gedacht – also Speicher, der über eine Hochgeschwindigkeitsverbindung bereitgestellt und in Umgebungen mit verteilten Ressourcen genutzt werden kann. Ein wichtiges Einsatzgebiet sind Server auf Basis von Compute Express Link (CXL). Das Konzept unterscheidet sich damit von einem herkömmlichen Dateisystem für eine lokal eingebaute SSD oder Festplatte.
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Der entscheidende Vorbehalt: FAMFS selbst wird nicht als Bestandteil von Linux 7.3 aufgenommen. Die aktuellen DAX- und NVDIMM-Änderungen sind Vorarbeiten für eine spätere Einreichung und bedeuten noch keine vollständige FAMFS-Unterstützung im kommenden Kernel.
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Wann erscheint Linux 7.3?
Linux 7.2 wurde am 16. August 2026 veröffentlicht; direkt danach begann das Merge Window für Linux 7.3.
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Der erste Release Candidate, Linux 7.3-rc1, wird nach der üblichen rund zweiwöchigen Merge-Phase voraussichtlich am Sonntag, dem 30. August, erscheinen. Dabei handelt es sich um eine Schätzung, nicht um einen verbindlich zugesagten Termin.
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Für die stabile Version werden derzeit der 18. oder 25. Oktober 2026 als mögliche Termine genannt. Der Zeitplan kann sich verschieben, falls die Stabilisierung mehr Zeit benötigt.
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Für Anwender lautet das Fazit: Linux 7.3 bringt konkrete Verbesserungen für Grafik, Gaming und Peripheriegeräte. Gleichzeitig arbeitet der Kernel bereits an einer weniger sichtbaren Zukunft, in der Speicher, Beschleuniger und andere Ressourcen zunehmend über schnelle Fabrics miteinander verbunden werden.