Neben der verbesserten Intelligenz bekommt Siri auch ein neues Zuhause. Apple stellte eine eigenständige Siri-App vor, die den Verlauf vergangener Gespräche speichert. Das macht die Interaktionen kontinuierlich, anstatt dass sie wie bisher verfliegen. Visuell wird Siri auf iPhones in der Dynamic Island wohnen – mit einer neuen, ständig präsenten Leuchtoberfläche . Eine Entwickler-Beta ist noch für dieses Jahr geplant und wird zunächst US-Englisch unterstützen .
Apples übergreifende KI-Strategie firmiert nun unter dem Banner einer neuen Generation von „Apple Intelligence“. Das Unternehmen betonte explizit, dass es bei seiner Vision längst nicht mehr nur um Datenschutz auf dem Gerät geht, sondern auch um Wettbewerbsfähigkeit. Führungskräfte unterstrichen, dass Privatsphäre zwar „nicht verhandelbar“ sei, die Zusammenarbeit mit Google Gemini jedoch essenziell, um die hochentwickelten, kontextbezogenen Ergebnisse zu liefern, die Nutzer im modernen KI-Zeitalter erwarten .
Apples Versprechen ist, dass diese KI-Funktionen nahtlos über die großen Betriebssysteme – iOS, iPadOS, macOS und watchOS – funktionieren. Damit sollen die Geräte aus KI-Perspektive genauso leistungsfähig werden wie Konkurrenzprodukte von Google und Samsung . Die Keynote zeigte mehrere praktische Umsetzungen dieser Strategie:
Die KI-Fortschritte kommen mit einer neuen Generation von Apples Betriebssystemen, die alle auf der Keynote angekündigt wurden:
Neue Hardware wurde während der Keynote selbst nicht vorgestellt – ein Kontrast zu früheren Jahren, in denen Macs oder andere Produkte manchmal die Bühne teilten. Der Fokus lag einzig auf der Software und den KI-Fähigkeiten, die das Fundament für Apples bestehendes und künftiges Hardware-Portfolio bilden werden.
Zwei bedeutende Handlungsstränge fehlten auf der Bühne im Apple Park völlig, obwohl sie die unmittelbare Zukunft des Unternehmens definieren.
Am 20. April 2026 kündigte Apple an, dass Tim Cook am 1. September 2026 als CEO zurücktreten und in die Rolle des geschäftsführenden Verwaltungsratsvorsitzenden (Executive Chairman) wechseln wird . John Ternus, Apples aktueller Senior Vice President für Hardwareentwicklung und ein 25-jähriger Veteran des Unternehmens, wird seine Nachfolge antreten . Diese sorgfältig geplante Staffelübergabe, die Cooks 15-jährige Amtszeit als CEO beendet, war kein Thema der WWDC-Präsentation.
Ebenso unerwähnt blieben Apples aktive regulatorische Auseinandersetzungen, die zu den schwerwiegendsten in der Unternehmensgeschichte gehören. Am drängendsten ist der Fall in Indien, wo die Competition Commission of India (CCI) die App-Store-Praktiken untersucht. Die CCI stellte zuvor fest, dass Apple seine marktbeherrschende Stellung auf dem iPhone-App-Markt missbraucht habe . Apple wehrte sich zunächst gegen die Kooperation, wurde jedoch durch ein Urteil des Delhi High Court zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern verpflichtet . In eigenen Gerichtsakten erklärte Apple, dass eine potenzielle Strafe von bis zu 38 Milliarden Dollar drohe – ein Betrag, der eine der höchsten Kartellstrafen weltweit bedeuten würde . Die CCI hatte für den 21. Mai 2026 eine abschließende Anhörung zur Strafe festgesetzt .
Über Indien hinaus kämpft Apple an mehreren anderen großen regulatorischen Fronten. Dazu gehören die Klage des US-Justizministeriums (DOJ), die ein Smartphone-Monopol unterstellt, der Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union nebst einer damit verbundenen Geldbuße von 1,8 Milliarden Euro wegen Musik-Streaming, sowie der fortlaufende Rechtsstreit mit Epic Games . Dieses Nebeneinander einer selbstbewussten, KI-getriebenen Produktschau und der ungelösten, immensen rechtlichen und strukturellen Herausforderungen bestimmte die unterschwellige Spannung von Apples Entwicklerkonferenz 2026.