Das Verfahren war ursprünglich 2025 wegen der Preisgestaltung im PlayStation Store angestoßen worden. Sonys angekündigtes Ende der physischen Spiele soll die Argumentation der Organisation nun deutlich stärken . Der zentrale Vorwurf: Wenn neue Spiele nicht mehr auf Disc erscheinen, verschwindet die letzte wesentliche Alternative zum digitalen Sony-Store. Dadurch könnten Verbraucher weniger Auswahl haben und stärker von Sonys Preisen abhängig werden .
Die geforderte Summe ist dabei kein bereits zugesprochener Schadenersatz, sondern die monetäre Forderung der Klägerseite.
In Mexiko haben der Bundesabgeordnete Iraís Reyes und der Senator Luis Donaldo Colosio eine Kartellbeschwerde bei den zuständigen Wettbewerbsbehörden eingereicht beziehungsweise angekündigt . Sie argumentieren, dass der Digital-only-Kurs den Wettbewerb durch Einzelhändler, den Gebrauchtmarkt und damit auch die freie Preisbildung beseitigen könnte.
Eine solche Beschwerde stellt zunächst einen Untersuchungsanstoß dar. Ob tatsächlich ein Wettbewerbsverstoß vorliegt, müssen die zuständigen Behörden und Gerichte prüfen.
Die Verfahren in den verschiedenen Ländern drehen sich im Kern um vier miteinander verbundene Argumente:
Besonders brisant ist der Vorwurf, Sony schwäche mit dem eigenen Strategiewechsel seine bisherige Verteidigung. Das Unternehmen hatte demnach argumentiert, physische Spiele würden ausreichend Wettbewerbsdruck auf die Preise im digitalen Store ausüben. Wenn Sony Discs selbst abschafft, könnte dieses Argument nach Einschätzung zitierter Kartellrechtsexperten an Überzeugungskraft verlieren .
Sony hat damit begonnen, PS5-Konsolen mit einem gedruckten Hinweis auf der Verkaufsverpackung auszuliefern. Darauf wird erklärt, dass neue Spiele ab Januar 2028 nur noch digital erscheinen sollen .
Der Aufkleber erfüllt damit zwei Funktionen: Er informiert Käufer über die geplante Zukunft der Plattform, könnte aber zugleich in den laufenden Verfahren als Beleg dafür dienen, dass Sony den Kurs klar angekündigt hat. Ob und welche rechtliche Bedeutung der Hinweis tatsächlich erhält, ist eine Frage für die jeweiligen Behörden und Gerichte.
Sony soll außerdem bestätigt haben, dass Publisher neue Spiele nach 2028 weiterhin über Händler anbieten können – allerdings in digitaler Form. Details dazu, wie solche Angebote oder Download-Codes genau aussehen werden, sind bislang nicht vollständig geklärt .
Auf Sonys Ergebnis- und Analysten-Call zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 31. Juli 2026 verwies CFO Lin Tao auf das veränderte Kaufverhalten. 82 Prozent der Verkäufe von PS5-Spielen, Erweiterungen und Mikrotransaktionen seien bereits digital erfolgt .
Tao erklärte, Sony sehe derzeit keine Auswirkungen auf das Geschäft durch die Kritik. Ein großer Teil der Inhaltsverkäufe sei ohnehin digitalisiert, weshalb das Ende der Disc-Produktion aus Unternehmenssicht die Fortsetzung eines bestehenden Trends darstelle .
Im selben Quartal stieg Sonys operatives Ergebnis im Spielebereich den vorliegenden Berichten zufolge um 37 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar; als wichtiger Treiber wurden digitale Downloads genannt . Für Sony ist das ein wirtschaftliches Argument. Für die Klägerseite beantwortet es jedoch nicht die Frage, ob eine dominante Plattform alternative Vertriebswege beseitigen darf.
Nintendo dient in dieser Debatte als Kontrastbeispiel. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026, also zwischen April und Juni 2026, entfielen noch 38,5 Prozent der Softwareverkäufe auf physische Spiele beziehungsweise Spielkarten. Die übrigen 61,5 Prozent waren digitale Käufe .
Nintendo hat bislang keine Pläne angekündigt, physische Spiele vollständig aufzugeben . Analysten des Marktforschungsunternehmens Circana halten es angesichts der weiterhin starken Nachfrage nach Retail-Versionen für eher unwahrscheinlich, dass Nintendo diesen Schritt bald vollzieht .
Sollten Sony und Microsoft – wie im Zusammenhang mit Microsofts angeblichem Projekt „Helix“ berichtet – tatsächlich auf rein digitale Plattformen setzen, könnte Nintendo zum letzten großen Konsolenhersteller werden, der neue Spiele noch regulär auf physischen Datenträgern veröffentlicht . Das ist allerdings eine Einschätzung von Analysten, keine bestätigte langfristige Zusage Nintendos.
Für Spieler geht es bei der Auseinandersetzung nicht nur um die Frage, ob eine Verpackung im Regal steht. Drei größere Themen stehen im Mittelpunkt:
Die Europäische Union kann Sony nach Aussage des zuständigen Verbraucherschutzkommissars nicht einfach dazu verpflichten, weiterhin physische Spiele herzustellen . Das schränkt die unmittelbaren regulatorischen Möglichkeiten ein. Die entscheidende juristische Frage bleibt deshalb, ob Sonys Vorgehen in den jeweiligen Ländern als zulässige Geschäftsentscheidung oder als wettbewerbswidrige Verdrängung alternativer Vertriebswege bewertet wird.
Für PS5-Spieler steht damit mehr auf dem Spiel als das Ende eines Mediums: Es geht um die Frage, wie viel Wahlfreiheit auf einer Plattform bleibt, wenn der Hersteller zugleich Konsole, Store und zentralen Vertrieb kontrolliert.