Auch die Plattformen ziehen die Zügel an. Valve verlangt auf Steam seit 2024 verpflichtende KI-Offenlegungsetiketten, die im Januar 2026 verfeinert wurden . In einer bemerkenswerten Ironie verbietet Epics eigene EULA nun die Verwendung von „NoAI“-gekennzeichneten Inhalten als Trainingsinput für generative KI-Programme, und die Bedingungen für den Unreal Editor for Fortnite untersagen Epic, Entwicklerinhalte zum Trainieren generativer KI zu nutzen
. Diese vertraglichen Schutzmaßnahmen sind reaktiv: Sie existieren, weil das zugrunde liegende Urheberrechtssystem keinen Schutz für rein KI-generierte Ergebnisse bietet.
Das rechtliche Kernproblem ist klar und seit Langem etabliert. Nach einer Leitlinie des US Copyright Office vom Januar 2025 „erstreckt sich das Urheberrecht nicht auf rein KI-generiertes Material oder Material, bei dem der Mensch nicht ausreichend Kontrolle über die ausdrucksstarken Elemente hat“ . Eine Reuters-Rechtsanalyse bestätigt diese Position: Urheberrechtsschutz bleibt nur dann möglich, wenn Menschen durch Auswahl, Bearbeitung und Verfeinerung „bedeutende kreative Kontrolle“ ausüben
. Der D.C. Circuit hat diesen Grundsatz im März 2025 im Fall Thaler v. Perlmutter bestätigt und festgestellt, dass das Urheberrechtsgesetz Werke erfordert, die „von Menschen verfasst“ wurden
. Auch Gerichte und Aufsichtsbehörden in der EU sind zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangt
.
Die Haftung wirkt in beide Richtungen. MacLean und andere Rechtsexperten weisen darauf hin, dass generative KI Entwickler in eine Zwickmühle bringt: Sie können sowohl für urheberrechtlich geschützte Werke haftbar gemacht werden, die die KI ohne Erlaubnis während des Trainings verwendet hat, als auch gleichzeitig keine Eigentumsansprüche an dem KI-generierten Ergebnis geltend machen . Wenn ein Studio KI-generierte Assets ausliefert, die sich später als Rechtsverletzung herausstellen, droht eine direkte Urheberrechtshaftung – und weil das Asset selbst nicht urheberrechtlich geschützt ist, können Wettbewerber es frei kopieren
.
Die Verbraucher-Ablehnung hat jetzt harte Zahlen. Der Marktdatenanalyst Ross Burton von Game Oracle untersuchte 9.879 kostenpflichtige Steam-Spiele, die von Januar bis Oktober 2025 veröffentlicht wurden. Nach Bereinigung um Faktoren wie Publisher, Entwicklererfahrung und Genre erhielten Spiele, die KI-Nutzung offenlegten, im ersten Monat etwa 53% weniger Reviews als solche, die dies nicht taten . Etwa 17,9% der untersuchten Spiele hatten KI-Nutzung offengelegt
.
Die kommerziellen Auswirkungen sind schwerwiegend. Der Rückgang der Reviews – auf Steam weithin als Indikator für Verkäufe betrachtet – führt nach Schätzungen einiger Quellen zu 40-60% geringeren Verkäufen bei KI-offenlegenden Spielen . Spiele mit KI-Kennzeichnung kamen im ersten Monat auf durchschnittlich nur 4 Reviews, verglichen mit 7 bei Spielen ohne, und fast 20% der KI-offenlegenden Titel erhielten gar keine Reviews, gegenüber 15% bei Nicht-KI-Titeln
.
Epic-CEO Tim Sweeney hat Steams verpflichtende KI-Offenlegungsetiketten scharf kritisiert und sie als „verantwortungslos“ bezeichnet mit der Begründung, sie würden toxische Reaktionen provozieren und ansonsten legitime Produktivitätstools schädigen . Sweeney verglich die Etiketten mit einem modernen „Scharlachroten Buchstaben“
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Anwälte erwarten, dass die aktuelle vertragliche Reibung in Gerichtssälen enden wird. MacLean erklärte direkt: „Ich denke, wir werden Klagen sehen“ . Die erwarteten Brennpunkte sind:
Die Netto-Wirkung ist eine Branche, die sich vertraglich gegen generative KI abschottet, während gleichzeitig große Engine-Hersteller wie Epic die Technologie tiefer in ihre Tools einbetten. Die Spannung zwischen dem Produktivitätsversprechen der KI und den rechtlich-kommerziellen Risiken, die sie schafft, ist die zentrale Bruchlinie, die heute durch jeden neuen Spielvertrag verläuft. Studios, die KI-Tools nutzen, mögen zwar Zeit bei der Asset-Generierung sparen, riskieren aber, ihre Publisher-Verträge zu verlieren, mit Urheberrechtsverletzungsklagen konfrontiert zu werden und 40-60% ihres potenziellen Publikums zu verlieren. Die Branche steht faktisch vor der Wahl, ob der Produktivitätsgewinn die rechtlichen und kommerziellen Risiken wert ist – und basierend auf der Vertragssprache, die heute geschrieben wird, lautet die Antwort zunehmend „Nein.“