Die hohen Ambitionen bekamen Anfang 2025 tiefe Risse. Equinor senkte sein Ziel für erneuerbare Kapazitäten auf 10–12 GW und gab das 50-Prozent-Ausgabenziel komplett auf . Geplante Investitionen in grüne Technologien wurden innerhalb von zwei Jahren auf rund 5 Milliarden Dollar halbiert. Stattdessen wurde ein Plan vorgelegt, die Öl- und Gasförderung um mehr als 10 Prozent zu steigern
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Der endgültige Bruch erfolgte 2026. Equinor strich das verbleibende 10–12 GW-Ziel ersatzlos. Der für den Energiebereich – zu dem auch erneuerbare Energien gehören – vorgesehene Anteil an den Investitionen wurde auf magere 10 % zusammengestutzt, ein Tiefstwert nach den einstigen 50 % . An die Stelle harter Zahlen trat ein "breiterer Ausblick auf die Stromerzeugung", der ausdrücklich auch nicht-erneuerbare Technologien einschließt. Konzernchef Anders Opedal bemühte sich um eine strategische Rahmung: „Wir ersetzen nicht ein Geschäft durch ein anderes. Stattdessen entwickeln wir mehrere Wege parallel: Öl und Gas, Strom und Erneuerbare sowie neue kohlenstoffarme Lösungen“
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Auch die Sprache in offiziellen Dokumenten vollzog diesen Wandel mit. Bereits der Energiewendeplan 2025 hatte spezifische Megawattziele durch Formulierungen wie „Wertschöpfung“ und „disziplinierte Kapitalallokation“ ersetzt. Der Plan von 2026 vollendete diesen sprachlichen Schwenk und tilgte jede Erwähnung einer bezifferbaren Kapazität für erneuerbare Energien .
Die Führung von Equinor verwies auf mehrere gleichzeitige Belastungsfaktoren, die ihre grünen Ambitionen unhaltbar machten. Das Unternehmen stellte eine längerfristig höhere Nachfrageprognose für Öl und Gas in den Mittelpunkt, was Investitionen in fossile Energieträger im Vergleich zu Erneuerbaren zunehmend attraktiver machte . Der Offshore-Windmarkt, einst das Herzstück der Equinor-Strategie, war aufgrund von Lieferketteninflation, Genehmigungshürden und geringeren Renditen als erwartet deutlich abgekühlt
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Der Konflikt im Nahen Osten 2025–2026 trieb zudem die Öl- und Gaspreise in die Höhe und machte die fossile Kehrtwende noch lukrativer. Wie CEO Anders Opedal bereits im Februar 2025 erklärte: „Wir reduzieren unsere finanziellen Verpflichtungen für erneuerbare und kohlenstoffarme Technologien, weil wir die erforderliche Rentabilität in der Zukunft nicht sehen“ . Das Strategiepapier selbst räumte ein, dass der neue Plan „ähnliche Schritte von Wettbewerbern widerspiegelt“ und damit eine Herdenmentalität unter den europäischen Ölkonzernen signalisiert
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Der Rückzug aus den Erneuerbaren wurde mit einer aggressiven Ausweitung der Aktionärsrenditen gekoppelt. Dieser Kontrast ist so scharf, dass Kritiker von umgekehrtem Greenwashing sprechen . Am 16. Juni 2026 gab Equinor bekannt:
Das Wall Street Journal bemerkte trocken, der Plan „ziele auf fossiles Wachstum ab“ und priorisiere Aktionärsrenditen gegenüber grünen Investitionen . Equinor selbst betonte, in 25 Jahren als börsennotiertes Unternehmen eine Gesamtrendite von fast 1.800 % für die Aktionäre erzielt zu haben – eine Zahl, die das klare Bekenntnis zu Ausschüttungen über die Energiewende unterstreicht
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Equinor ist kein Einzelfall. Die Strategie reiht sich nahtlos in eine breitere, synchronisierte Rückzugsbewegung der europäischen Ölmultis ein, die ihr Kerngeschäft wieder in den Mittelpunkt rücken:
Morningstar konstatierte, der Equinor-Plan „spiegele ähnliche Schritte von BP und Shell wider“ . Die kollektive Wende spiegelt eine Branchenerkenntnis wider: Die lautstark verkündeten grünen Versprechen von einst sind in einem Umfeld hoher Kosten und niedriger Margen im Erneuerbaren-Sektor kaum profitabel einzulösen.
Equinor ist nun das extremste Beispiel dieses Trends. Das Unternehmen hat sich von einem der ehrgeizigsten grünen Vorreiter der Branche im Jahr 2021 zu einem Konzern entwickelt, der 2026 alle Ziele komplett gelöscht und durch Milliardenrückflüsse an die Aktionäre ersetzt hat. Der nebulöse "Ausblick auf die Stromerzeugung", der die konkreten Ziele ersetzt hat, ist nicht mehr als eine leere Hülle – ein Platzhalter, der signalisiert, dass Equinor keine messbare, öffentliche Verpflichtung mehr zum großflächigen Ausbau erneuerbarer Energien hat.