Sein Nachfolger Gabriel Aul erbte ein drastisch zusammengestrichenes Mandat. Im Oktober 2025 wurde die Aufsicht über das Metaversum aufgeteilt: Aul übernahm die Horizon-Produkte, Ryan Cairns die VR-Hardware. Die Softwareplattform Horizon OS wurde als eigenständige Einheit ausgegliedert . Doch Aul hielt sich nur vier Monate. Wie das Wall Street Journal aus einem internen Memo zitierte, verkündete er bereits im Februar 2026 seinen Ruhestand, blieb kurz als Berater und verließ Meta im Mai 2026 endgültig
.
Der jetzige Amtsinhaber Saxs Persson ist der dritte Leiter seit Ende 2025. Der ehemalige Epic-Games-Manager, bekannt für seine Arbeit am Unreal-Engine-Ökosystem, wurde im Oktober-Umbau angeworben und nach Auls Abgang zum Chef der „Metaverse Products Group“ befördert .
Der Führungskarussell dreht sich vor dem Hintergrund eines brutalen Sparkurses. Nach ersten Kürzungen im Oktober 2025 folgte im Januar 2026 der große Schnitt: 1.000 bis 1.500 Stellen bei Reality Labs wurden gestrichen, etwa 10 Prozent der Belegschaft .
Gleichzeitig macht Meta mehrere hauseigene VR-Spielestudios dicht. Darunter bekannte Namen wie Armature Studio, Sanzaru Games oder Twisted Pixel, die für hochgelobte VR-Titel wie Asgard‘s Wrath 2 oder die Resident Evil 4-VR-Umsetzung verantwortlich waren . Sogar die Fitness-App Supernatural, für die Meta 2023 über 400 Millionen Dollar zahlte, wird nur noch im Wartungsmodus betrieben
.
Die Zahlen sind erdrückend: Seit 2020 hat Reality Labs operative Verluste von über 80 Milliarden Dollar eingefahren, davon allein 19,2 Milliarden im Jahr 2025 . Laut Bloomberg wurde die Abteilung angewiesen, ihr Budget für 2026 um etwa 30 Prozent zu kürzen
. Ein fast zynischer Kontrast zu den gleichzeitigen, massiven Mehrausgaben im KI-Bereich.
Nirgendwo wird der strategische Rückzug so sichtbar wie bei Horizon Worlds, der Plattform, die einst das Vorzeigeprojekt für das Metaversum sein sollte.
Am 18. März 2026 gab Meta bekannt, Horizon Worlds werde am 31. März aus dem Quest Store genommen und am 15. Juni komplett auf VR-Brillen abgeschaltet. Die Plattform würde nur noch als mobile App weiterexistieren . Die Mitteilung glich einem Geständnis: Nach fünf Jahren und unzähligen teuren Marketing-Events mit Mark Zuckerbergs fußlosem Avatar gestand man sich ein, dass soziale virtuelle Welten in VR kein Massenphänomen werden.
Doch dann die Kehrtwende. Nur Tage später postete Technikchef Andrew Bosworth auf Instagram: „Ich habe heute entschieden, dass wir Horizon Worlds in VR weiterlaufen lassen“ . Das Führungsteam schien in dieser Frage völlig uneins.
Im Mai 2026 veröffentlichte Meta schließlich einen offiziellen Kompromiss im Entwickler-Blog. Man werde die Quest-VR-Plattform und Worlds „explizit trennen“. Worlds werde künftig „fast ausschließlich mobil“ existieren. Eine abgespeckte VR-Version soll zwar bleiben, aber die Entwicklungsressourcen fließen überwiegend auf Smartphones . Für ein Unternehmen, das sich einst für das Metaversum umbenannte, ist das eine kapitale Niederlage.
Die Metaverse-Schrumpfkur und die KI-Expansion sind zwei Seiten derselben Bilanzmedaille.
Metas Investitionsausgaben (Capex) für 2026 wurden gleich zweimal nach oben korrigiert. Am 29. April gab CFO Susan Li während der Q1-Zahlen die neue Spanne von 125 bis 145 Milliarden Dollar bekannt – zuvor waren es 115 bis 135 Milliarden. Als Gründe nannte Li höhere Komponentenpreise, insbesondere bei Speicherchips, und zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten für die kommenden Jahre .
Zur Einordnung: 2024 gab Meta etwa 39 Milliarden Dollar aus, 2025 rund 72 Milliarden. Der Mittelwert der neuen Prognose liegt bei 135 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 87 Prozent zum Vorjahr. Meta gehört damit zu jenen vier Tech-Giganten (neben Amazon, Microsoft und Google), die zusammen 2026 bis zu 725 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur pumpen wollen .
Der Gegensatz zu Reality Labs ist gewollt. Der Metaverse-Bereich bekommt ein Schnall-enger-Budget, während fast jeder neu verfügbare Dollar in KI-Rechenzentren wandert. Die Personalumschichtung folgt demselben Muster: Führungskräfte wie Vishal Shah und Hunderte Ingenieure wurden nicht entlassen, sondern gezielt zu KI-Teams transferiert. Es ist eine Talentmigration, keine reine Kostensenkung .
Das Unternehmen, das sich für die Vision einer computergenerierten Parallelwelt umbenannte, setzt jetzt alles auf eine Karte: Künstliche Intelligenz. Das Metaversum wurde nie offiziell für tot erklärt – Quest-Headsets werden weiter produziert, es gibt noch VR-Entwicklung. Aber das soziale Metaversum, das die Umbenennung 2021 rechtfertigte, wurde Stück für Stück demontiert.
Horizon Worlds ist zu einem mobilen Nebenprojekt degradiert. Reality Labs steht unter dem Diktat des Rotstifts. Und der Manager, der vier Jahre seines Berufslebens dieser Vision widmete, ist heute Produktmanager für KI.
Die Prioritäten sind in der Kapitalallokation zementiert: 2026 wird Meta in einem einzigen Jahr mehr für KI-Infrastruktur ausgeben als in der gesamten bisherigen Lebenszeit von Reality Labs.
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