Sechs führende Krypto-Forschungsfirmen haben in den letzten Wochen konkrete Signale veröffentlicht, die auf einen nahenden Boden hindeuten. Hier ist die Übersicht, wie dieser Bärenmarkt anders ist, welche Warnungen die Analysten aussprechen – und welche bullischen Argumente es dennoch gibt.
CryptoQuant sieht einen potenziellen Boden bei 53.600 US-Dollar. Das ist der sogenannte 'realisierte Preis' – also die durchschnittliche Anschaffungskostenbasis aller Bitcoin-Halter im Netzwerk . Zudem liegt der 'Cycle Momentum'-Indikator bei -11,4 (Stand Ende Juni), weit unter der neutralen Nullzone . Die kumulierten realisierten Verluste in diesem Zyklus belaufen sich auf rund 176 Milliarden US-Dollar – etwa 35 Milliarden US-Dollar weniger als die 211 Milliarden US-Dollar des Bärenmarktes von 2022 . Julio Moreno, Forschungsleiter bei CryptoQuant, betont, dass die Nachfragebedingungen weiterhin 'zutiefst ungünstig' seien und eine dauerhafte Erholung noch nicht eingesetzt habe .
K33 Research hebt das am häufigsten zitierte On-Chain-Signal hervor: Seit dem 5. Juni 2026 werden mehr als 50% des gesamten BTC-Angebots mit Verlust gehalten . Historische Daten von K33 zeigen, dass der Marktboden innerhalb eines Zeitfensters von 13 bis 101 Tagen nach diesem Schwellenwert erreicht wurde . Mitte Juli 2026 befand sich Bitcoin bereits 42 Tage jenseits dieses Triggers – der zweitlängste Countdown aller Zeiten, nur übertroffen vom 101-Tage-Fenster im Jahr 2014 . K33-Analyst Vetle Lunde argumentiert zudem, dass das Februar-Tief um 60.000 US-Dollar wahrscheinlich den maximalen Rückgang dieses Zyklus darstellt, und erwartet eine Konsolidierung zwischen 60.000 und 75.000 US-Dollar .
Glassnode zufolge befindet sich der Rückgang 'in seinen späteren Stadien', signalisiert aber, dass Bestätigungssignale für eine vollständige Erholung noch nicht eingetroffen seien . Im Wochenbericht 27 stellte das Unternehmen fest, dass die Realisierung von Verlusten durch Langzeithalter mit 280 Millionen US-Dollar pro Tag ihren Höhepunkt erreicht habe – der höchste Wert seit Dezember 2022. Bitcoin notiere weiterhin in einer tiefen 'Value'-Zone, nachdem es fünf Monate unter seinem True Market Mean verbracht habe .
10x Research (Markus Thielen) prognostiziert, dass Bitcoin im August mit einem monatlichen Schlusskurs über 63.000 US-Dollar einen Bärenmarktboden bestätigen könnte . Der Haken: Thielen warnt, dass steigende Renditen von US-Staatsanleihen die Fed zu einer Zinserhöhung im September zwingen könnten, was eine Erholung zunichtemachen würde .
Zu Bitfinex und Grayscale: Die verfügbaren Quellen enthalten für diesen Zyklus keine direkten öffentlichen Aussagen mit spezifischen Bodensignal-Schwellenwerten. Allerdings merkte Grayscale-Forschungsleiter Zach Pandl in einem Bericht vom 22. Juli an, dass Bitcoin möglicherweise früher als der traditionelle Vierjahreszyklus einen Boden gefunden haben könnte .
Dies ist der erste institutionelle Bitcoin-Bärenmarkt – und jede wichtige Kennzahl spiegelt diesen strukturellen Wandel wider .
| Merkmal | Crashs 2018/2022 | Institutioneller Bärenmarkt 2026 |
|---|---|---|
| Rückgang vom Allzeithoch | 75–90% | ~53% (von 126.223 $ auf ~59.000 $) – flacher |
| Auslöser | Börsen-Hacks, Zusammenbrüche (FTX), Kreditgeber, Leverage-Abwicklungen | Keine großen Börsen- oder Kreditgeberpleiten |
| Mechanismus des Nachfragerückgangs | Panik bei Privatanlegern, Zwangsliquidationen | Spot-Bitcoin-ETF-Abflüsse von 4,21 Mrd. $ , (1.638 BTC mit Verlust) , institutionelles OTC-Volumen steigt auf 72% |
| Unternehmensschatullen | Meist Akkumulation | Strategy verkauft dritte Tranche 2026 (1.638 BTC für ~104,7 Mio. $) und kauft seit fünf Wochen keine neuen BTC mehr |
| Infrastruktur | Unreguliert, anfällig für Betrug | 51 Mrd. $ reguliertes ETF-Ökosystem funktioniert normal |
| Nachfragetreiber | Spekulation von Privatanlegern | Institutionelle Ströme (ETF, OTC) als Hauptquelle, diese sind jedoch negativ |
Der Rückgang ist prozentual etwa halb so tief wie in vorherigen Zyklen, aber der Verkaufsdruck ist struktureller Natur (ETF-Rücknahmen, Liquidation von Unternehmensschatullen) und nicht ereignisgetrieben . Bernstein zufolge erreichten die kombinierten Zuflüsse von Treasury-Unternehmen und ETFs im Jahr 2026 nur 10 Milliarden US-Dollar, ein starker Rückgang gegenüber 60 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 .
Standard Charted's Jahresendziel von 100.000 US-Dollar ist der prominenteste institutionelle bullische Call. Trotz der drastischen Senkungen hat die Bank dieses Ziel mehrfach bekräftigt – selbst nachdem Bitcoin unter 60.000 US-Dollar gefallen war . Geoff Kendrick argumentiert, der Großteil der Verkäufe sei vorbei und wenn Anleger Ende 2026 auf die Kurse zurückblickten, würden die aktuellen Niveaus als Kaufgelegenheit erscheinen .
Akkumulation durch Großinvestoren: Es wird von einem Anstieg der Wale-Bestände von 2,87 Millionen auf 3,06 Millionen BTC berichtet. Dieses Muster ist konsistent mit der These, dass versiertes Kapital akkumuliert, während Privatanleger und ETF-Ströme negativ sind.
Die On-Chain-Daten selbst sind wohl das stärkste bullische Argument. K33's 'Supply-in-Loss'-Modell hat in der Vergangenheit immer eine Bodenbildung angezeigt . CryptoQuant's realisierter Preis von 53.600 US-Dollar bietet eine konkrete Untergrenze, die einige tausend Dollar unter den aktuellen Kursen liegt . Und Glassnode's Charakterisierung des Rückgangs als 'Spätstadium' – auch ohne Bodenbestätigung – deutet darauf hin, dass das Schlimmste eingepreist sein könnte .
Der Bitcoin-Bärenmarkt 2026 ist ein ungewöhnlich langsamer, strukturell getriebener Abschwung. Prozentual ist er flacher als jeder vorherige Zyklus. Die On-Chain-Signale nähern sich historischen Bodenschwellen. Aber eine saubere Bestätigung ist noch nicht da – und die offenen Risiken durch die Fed-Politik und die anhaltenden institutionellen Liquidationen bedeuten, dass der endgültige Tiefpunkt noch vor uns liegen könnte.
Jede hier zitierte Forschungsfirma macht ihre Bodenprognose von einer Bestätigung abhängig, die noch nicht eingetroffen ist. Bitcoin könnte seinen Tiefpunkt bereits um 59.000 US-Dollar gefunden haben – oder er könnte auf 53.600 US-Dollar (CryptoQuant's realisierter Preis) oder sogar 50.000 US-Dollar (Standard Chartered's Abwärtswarnung) rutschen. Die On-Chain-Daten sagen, der Rückgang sei im Spätstadium. Das makroökonomische Umfeld rät zur Vorsicht.